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Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 4 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

20.10.2014 ‒ Buea University Library

Buea University Library

Die Universität in Buea, in der englisch-sprachigen Region Kameruns, wurde 1991 gegründet und hat 1993 die ersten Studierenden aufgenommen. Heute wächst die Universität, wie auch die anderen Universitäten Kameruns, stetig. Sie ist, im Gegensatz zur Universität Yaoundé 1, die in der Mitte Yaoundés steht, eine Campus-Universität, die für uns sehr englisch aussah. Die Leiterin der Bibliothek ist extrem pro-aktiv, setzt auf beständige Professionalisierung und ist, wie bereits erwähnt, aktiv in der IFLA (Zur Zeit ist sie Secretary der Africa Section der IFLA). In Ihrer Universität legt sie Wert darauf, an den Budgetsitzungen teilzunehmen und auch 10% des Universitätsbudgets für die Bibliothek einzufordern. Zudem ist die Bibliothek an weiteren Universitätsgremien beteiligt.

In der Bibliothek arbeiten zur Zeit 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, alle in Vollzeit, die regelmässig weitergebildet werden. Zu Höchstzeiten waren es 70, von denen aber ein grosser Teil nach Europa oder Amerika ausgewandert ist. Dies ist ein Beispiel für das paradoxe Problems des Braindrains, mit dem sich Bibliothek in Entwicklungsländern auseinander setzten müssen: wenn das Personal nicht gut ausbildet wird, können sich auch die Bibliotheken nicht weiterentwickeln. Wenn das Personal aber gut ausgebildet ist, besteht die Gefahr, dass es in reichere Länder auswandert.

Der Bestand der Bibliothek ist höchstens zehn Jahre alt, ist in Open Stacks zugänglich und wird kontinuierlich gepflegt. Es soll eine Collection Development Policy existieren. Der Bestand ist nach Fakultäten gestaffelt, es gibt eine Mitarbeiterin, die regelmässig Literaturlisten von Universitätslehrkräften einfordert. Zudem existiert, neben zahlreichen Arbeitsplätzen zwischen dem Bestand, eine ganze Anzahl von frei zugänglichen Rechnern.

Zwei Zweigbibliotheken ‒ Medizin und Kunst ‒ existieren bereits, weitere sind dem Ausbau der Universität folgend, geplant. Die Zweigbibliotheken sind der Hauptbibliothek untergeordnet, für den Datenaustausch besteht ein gemeinsamer Katalog.

Alle Abschlussarbeiten stehen den Nutzerinnen und Nutzern frei zugänglich zur Verfügung. Für den Abschluss des Studiums muss die Bibliothek unterzeichnen, dass die Arbeit eingegangen ist. Die Arbeiten werden von der hauseigenen Buchbindewerkstatt einem Farbcode entsprechend gebunden (blau: Masterarbeit, schwarz: Doktorarbeit, rot: Medizin, grün: Reparatur). Nicht nur zum Abschluss sondern auch zu Beginn des Studiums müssen alle Studierenden in die Bibliothek, um sich einen Ausweis ausstellen zu lassen, der sowohl als Bibliothekskarte wie auch als Studierendenausweis gilt.

Die Ausleihe funktioniert sowohl für Studierende als auch für das Universitätspersonal, wobei uns berichtet wurde, dass dies für Kamerun ungewöhnlich ist. Die meisten Menschen haben keine eindeutige Adresse, deswegen verleihen Bibliotheken selten Medien. Nach Aussage der Leiterin sind dabei in Buea aber nicht die Studierenden das Problem, sondern das Personal der Universität. Deshalb wird sogar jemand regelmässig in die Büros geschickt, um Medien zurückzuholen. Zusätzlich zur funktionierenden Ausleihe existiert ein Reference Service.

Aufgrund von Platzproblemen verfolgt die Bibliothek eine elektronische Strategie. Möglichst viele Medien sollen online zugänglich gemacht werden. Dabei muss man erwähnen, dass Internetzugang in Kamerun immer ein Problem darstellt. So wurde uns auf der Konferenz berichtet, dass die meisten Universitätsbibliotheken überhaupt keinen Internetzugang haben. Auf dem Campus in Buea soll es ein funktionierendes Intranet geben. Der Leiterin zufolge existiert auch ein Repository der Abschlussarbeiten, welches über das Intranet verfügbar ist. Die Strategie der Bibliothek ist praktisch, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem der Zugang zum Internet garantiert werden kann und dann sofort alle Dienste anbieten zu können.

Relevant ist zudem, dass die Bibliothek angefangen hat, an der Universität Information Science zu unterrichten, vorerst als Minor (Bachelornebenfach), mit den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren als Lehrkräften. Angestrebt wird allerdings ein eigenständiger Master.

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Zum Abschluss

Selbstverständlich kann man ein Land nicht in einer Woche kennenlernen. Dennoch haben wir bei unserer Reise einige Beobachtungen gemacht, die es Wert sind, zum Abschluss noch einmal hervorgehoben zu werden.

  • Bibliotheken in Kamerun gehen gänzlich anders mit Fragen des Urheberrechts um, als in Deutschland oder der Schweiz. Die lässt sich durch die finanzielle Situation und die mangelnde Infrastruktur des lokalen Buchhandels erklären. Relativ oft wurde uns berichtet, dass häufig benötigte Materialien ‒ beispielsweise Lehrmaterialien ‒ nicht ausgeliehen, sondern kopiert und dann den Nutzerinnen und Nutzern die Kopie mitgegeben wird. Dies ist keine Eigenheit von Bibliotheken, sondern offenbar in der Gesellschaft verankert, die Urheberrecht immer auf Musik, aber nicht auf andere Medien bezieht (wobei es keine Kinos und damit auch keine Filmindustrie mehr gibt, die das Urheberrecht einfordert).
  • Fast alle Bibliotheken, die wir besucht haben, nutzen mit PMB das gleiche Open Source Bibliothekssystem. Ebenso nutzen sie fast alle die Dewey Decimal Classification. Insoweit gibt es, obwohl immer wieder über fehlende Zusammenarbeit geklagt wurde, eine gewisse Einheitlichkeit. Dies müsste eigentlich die Weiterbildung untereinander erleichtern.
  • Obgleich wir nur kurz im Land waren und immer wieder Klagen darüber gehört haben, was alles nicht funktionieren soll, hatten wir das Gefühl, dass es im Bibliotheksbereich recht eigenständig vorwärtsgeht.

 

Und jetzt: Landschaft

Was uns in Kamerun erstaunt hat, ist, dass eigentlich niemand vom Wetter redet. Es ist heiss, aber niemand beklagt sich. Wenn es regnet ‒ wie bei den Workshops auf der Konferenz im Goethe-Institut ‒, rücken die Menschen zur Not einfach näher zusammen, aber verlieren darüber kein Wort. Dafür ist der Verkehr, bevorstehende Strassensperrungen oder Staus, ein ständiges Thema des Smalltalks.

Das Buch, welches uns bei unserem Bibliotheksbesuchen immer wieder unterkam, und welches den Aussagen der Kolleginnen und Kollegen nach von den Kindern ständig gelesen wird, ist erstaunlicherweise die Geschichte des “Regenbogenfisches” (Arc-en-ciel).

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(Photos: Eliane Blumer / Karsten Schuldt)

Lausanne, Oktober 2014


Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 3 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

17./18.10.2014 ‒ Konferenz

Die Konferenz, auf der wir beide als Referentin und Referent geladen waren, wurde vom Goethe-Institut und dem Bibliotheks-, Archiv-, Dokumentalisten- und Museographenverband Kameruns (ABADCAM) statt. Der ABADCAM wurde, zumindest den Berichten nach, erst vor Kurzem wiederbelebt. Dafür erschien uns das Direktorium des ABADCAM allerdings recht aktiv und zielorientiert. Im Vorfeld wurde schon am Erfolg der Konferenz gezweifelt, am Ende funktionierte sie aber gut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer partizipierten aktiv, die Stimmung war sehr offen und kritisch. Zumindest wir sind mit einem guten Gefühl fortgegangen.

Teilgenommen haben rund 70 Kolleginnen und Kollegen aus mehreren, aber nicht allen Regionen Kameruns. Was unsere Rolle an der Konferenz sein sollte, wurde uns allerdings bis zum Ende nicht klar. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir oder unser Wissen benötigt wurden. Teilweise hatten wir schon das Gefühl, das unsere Namen als Werbemittel eingesetzt wurden; aber letztlich hat sich das für uns zumindest nicht negativ ausgewirkt. Wir haben viel gelernt und konnten mitdiskutieren. Ob die Kolleginnen und Kollegen von uns etwas gelernt haben, bleibt offen.

Unsere Vorträge (Bibliotheken und Armut, pädagogische Möglichkeiten von Bibliotheken, Dépôt légal sowie Identifikatoren) eröffneten, nach dem offiziellen Teil ‒ mit Gruppenphoto ‒, die Konferenz, die weiteren Vorträge am ersten Tag behandelten die Themen cultural heritage, Bibliotheksnutzungsstatistiken, mobile Anwendungen und Bibliotheken sowie academic excellence and libraries. Selbstverständlich bezogen sich die Vorträge immer wieder auf Kamerun oder Afrika, aber ansonsten unterschieden sie sich wenig von Themen auf deutschen oder schweizerischen Bibliothekskonferenzen. Insbesondere der letzte Vortrag war allerdings erkennbar vom Diskurs in der IFLA geprägt. Die Kollegin, welche den Vortrag hielt, ist auch aktiv in der IFLA, insoweit war dies nicht erstaunlich. Aber wir haben uns zum Teil gefragt, ob die Richtlinien der IFLA tatsächlich mit der Realität in Kamerun übereingebracht werden können und ob das überhaupt sinnvoll wäre. (Seitennote: Allerdings hat die Kollegin viele ihrer Ansprüche in der eigenen Bibliothek, die wir als letztes besuchten, umgesetzt. In der Konferenz erschien es aber so, als ob die Universitätsbibliotheken in Kamerun weit von den Vorstellungen, die hinter den IFLA-Richtlinien stehen, entfernt sind.)

Interessanter war der zweite Tag der Konferenz, auf dem in Rotationsworkshops (fünf Gruppen zu 10-15 Personen, die je eine halbe Stunde zu einem Thema diskutierten) für verschiedene Bereiche (Bibliothek und Gesellschaft, Wissenschaftliche Bibliotheken, Konservierung und Bewahrung, Schulbibliotheken, professionelle Weiterbildung) die näheren Aufgaben des Verbandes und die politischen Forderungen erarbeitet wurden. Die Abschlussdokumente dieser Arbeitsgruppen, welche beizeiten auf der Homepage des Verbandes veröffentlicht werden sollen, waren recht eindeutig und weitreichend. Beispielsweise wurde gefordert, diejenigen, die Geld veruntreuen, welches für bibliothekarische Aufgaben vorgesehen ist, auch rechtlich belangt werden sollen. In einem Land, in dem uns ständig erzählt wurde, wo und wie Korruption funktioniert ‒ und wir das auch einmal live bei einer Polizeikontrolle erleben durften ‒, war das schon eine erstaunlich direkte Forderung.

Bei den Diskussionen auf der Konferenz wurde offenbar, dass bei den Kolleginnen und Kollegen ein reichhaltiges bibliothekarisches Wissen vorhanden ist. Aufgefallen ist uns, wie offen Probleme von Bibliotheken benannt wurden. Diese Offenheit scheint es so in der deutschen oder schweizerischen Bibliotheksszene selten zu geben.

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Bibliothek des Institut Français

Sehr kurz und spontan besuchten wir die Bibliothek des Institut Français, die sich am Marché Central befindet. Der Marché (Markt) ist das Zentrum der Stadt, aber gleichzeitig ‒ angeblich ‒ eine gefährlichsten Gegenden und gleichzeitig immer vom Mfoundi-Fluss überschwemmt (weswegen das Goethe Institut von dort fortgezogen ist). Die Bibliothek ist die grösste funktionierende Öffentliche Bibliothek in Yaoundé. Allerdings: Genauso, wie die Bibliothek des Goethe-Instituts eine deutsche Bibliothek in Kamerun ist, ist die dies eine französische Bibliothek in Kamerun, wenn auch angereichert mit Kunstobjekten aus Kamerun.

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Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 2 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

15.10.2014 ‒ Schulbibliotheken

An diesem Tag nahmen wir an einem Workshop mit über 30 Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren teil. In gewisser Weise waren wir der Grund für dieses Treffen, wobei die Idee hinter dem Treffen war, die Anwesenden zu einem Austausch zu animieren. Gleichzeitig haben wir uns in dieser Position etwas unwohl gefühlt. Am Ende haben wir gelächelt, unser Bestes gegeben und vor allem betont, dass die Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort handeln, wichtiger sind, als wir Eingeflogenen. Nichtsdestotrotz war das Treffen für uns lehrreich.

 

Schulbibliothek des College Vogt (katholisches Gymnasium)

Das College stellt eine der Eliteschulen in Yaoundé dar und wird von Trappisten ‒ einem katholischen Orden ‒ geleitet. Die Schulbibliothek hat bei uns einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Der Raum ist gross und gilt als so schön, dass er für offizielle Treffen der Schule genutzt wird. Der Bibliothekar erscheint sehr engagiert und weiss auch, wo er mit der Bibliothek in Zukunft hin will. Sowohl bei den Lernenden als auch beim Schulpersonal, bishin zum Principal (Schulvorsteher, der uns in Ordenstracht empfing), ist die Bibliothek bekannt und wird stark benutzt. Gleichzeitig vermittelte die Bibliothek uns einen etwas sehr verbrauchten Eindruck, der auch auf den Bildern zu sehen ist.

Es gibt rund 5000 Medien in dieser Bibliothek, aber viele sind recht alt. Das Mobiliar war funktionell ‒ ausreichend Regale, eine grosse Theke, einige Rechner sowie ein Raum mit Lehrmaterialien ‒, aber gleichzeitig verbraucht. Besonders aufgefallen sind uns Matratzen an den Wänden, die so angebracht sind, dass sie leicht abgenommen und von Kindern für das Spielen benutzt werden können.

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Schulbibliothek des College Efoulan-Nsam

Aus protokollarischen Gründen, die uns nicht so richtig klar wurden, fuhren wir anschliessend in ein benachbartes öffentliches College, da das Treffen der Kolleginnen und Kollegen dort begann, um nach im College Vogt wieder weitergeführt werden zu können. Es war ein offizieller Empfang. Wir beide, plus die Kollegen aus dem Goethe Institut und der Bibliothek des College Vogt sowie der Direktor des College Efoulan-Nsam sassen vorne an einem geschmückten Tisch, die Kolleginnen und Kollegen davor. (Seitennote: Offenbar muss die wichtigste Person an einem solchen Treffen immer zuletzt kommen, weshalb viele selber später kommen. Am Ende kam der Direktor erst, als wir unsere Grussworte sprachen.) Dieser Empfang fand in der Schulbibliothek statt, während draussen die Schülerinnen und Schüler für einen anderen Empfang übten und / oder Wahlkampf (mit Musik) für ihre Klassensprecherinnen und Klassensprecher führten. So genau wurde es uns auch bei Nachfragen nicht klar.

Um auf die Bibliothek zu sprechen zu kommen: Diese ist improvisiert in einem Klassenraum untergebracht. Der Status der Bibliothek in der Schule ist eher schlecht. Wenn der Raum zum Beispiel für den Unterricht oder andere Sitzungen benötigt wird, werden die Bibliothekarinnen und Bibliothekare hinausgeschickt.

Dennoch gibt es eine Bibliotheksorganisation. Der Bestand ist nach der Dewey Decimal Classification aufgestellt, es wird ein Ausleihregister, organisiert nach Schulklassen und Geschlecht, auf Papier geführt und auch die Kollegin scheint auch einen Plan davon zu haben, wie ihre Bibliothek funktionieren sollte.

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Treffen mit Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren

Zu unserer Überraschung fuhren wir nach der Begrüssung und einer kurzen Bibliotheksvorstellung wieder ins College Vogt zurück, wo der Rest des Workshop in einer Mehrzweckhalle ‒ nicht der Schulbibliothek, die vom Principal für einen anderes Treffen belegt war ‒ stattfand. Trotz dem für uns viel zu formell anmutenden Anfangs hinterliess dieser Teil des Workshops bei uns einen sehr guten Eindruck. Die Kolleginnen und Kollegen können sehr klar ihre Probleme aufzeigen und sind an Lösungen interessiert.

Insgesamt nahmen 13 Männer und 19 Frauen aus unterschiedlichen Einrichtungen in Yaoundé teil, was das bisher grösste Treffen dieser Art darstellte. Zwei ähnliche Treffen hatten zuvor jeweils weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu verzeichnen gehabt. Diese Verteilung scheint uns interessant, weil sowohl in der Schweiz als auch Deutschland Schulbibliotheken fast durchgängig von Frauen geführt werden. Eine offizielle Bibliotheks- oder Dokumentationsausbildung hatten drei Teilnehmende. Der Grossteil der Anwesenden waren Lehrerinnen und Lehrer, die ‒ so die Darstellung einer Teilnehmerin ‒ auf dem Bibliotheksposten “abgeschoben” wurden. Wir sind uns nicht sicher, wie genau das zu verstehen ist. Die meisten Anwesenden schienen uns sehr engagiert. Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland und der Schweiz scheint zu sein, dass die Anwesenden die jeweilige Bibliothek als Volljob leiten und nicht Lehrkörper sind, die daneben noch die Bibliothek betreiben.

Nach einer weiteren kurzen Ansprache unsererseits begann die essentielle Vorstellungsrunde, in der jede und jeder Anwesende nicht nur sich selbst und seine Institution vorstellte, sondern auch explizit die Probleme der eigenen Einrichtung schilderte.

Zur Verdeutlichung hier die genannte Probleme (in Klammern, wie oft sie genannt wurden):

  • Zu alter und überholter Bestand, teilweise ist er mehrere Jahrzehnte alt. (8)
  • Diebstahl von Büchern. Dabei gibt es mehrere Arten von Diebstahl: Von Studierenden und von Lehrerinnen und Lehrern. Gestohlen wird vor allem die Belletristik, nicht die Unterrichtsbücher. Eine Frage die aufkam war, ob Diebstahl auch vorkommt, weil einfach die Ausleihmodalitäten der Bibliothek nicht bekannt sind. (7)
  • Platzprobleme, weil der Raum zu klein ist oder weil der Raum auch für andere Dinge benutzt wird. (7)
  • Die Bibliothek ist sehr jung, gerade erst eröffnet. (4-5) (Seitennote: Dies ist auch eine interessante Aussage, weil es ja heisst, dass neue Bibliotheken gegründet werden.)
  • Es ist den Kolleginnen und Kollegen nicht klar, wie sie Management und Organisation der Bibliothek (Möbel, Personal, Ausleihsystem, Aufgaben) handhaben sollen. (4)
  • Es ist nicht genug Personal für die Aufgaben vorhanden. (3)
  • Die Bibliothek wird in der Schule nicht wahrgenommen, die Bibliothekarinnen und Bibliothekare haben Angst, zum Beispiel vor Jobverlust, das zu verändern. (3)
  • Die Bibliothek lebt von Geschenken, kann als nicht die Medien besorgen, die sie eigentlich braucht. (3)
  • Ein Verständnis dafür, was die Bibliothek macht, ist bei der Schulgemeinschaft nicht gegeben. (3)
  • Die Aufgaben, für die eine Schulbibliothek nötig ist, müssen erst beworben werden. (2)
  • Es ist nicht klar, wie Medien katalogisiert werden sollen. (2)
  • Es gibt ein Sprachproblem zwischen den französischsprachigen und den englischsprachigen Regionen Kameruns, das sich auch auf die vorhanden Medien und den fachlichen Austausch auswirkt. (1) [Seitennote: Uns erinnerte das stark an die Schweiz, in der theoretisch auch alle mindestens die drei grossen Landessprachen verstehen, was aber praktisch nicht funktioniert.]
  • Die Schulbibliothek ist eine One Person Library, die sich alles selber beibringen muss. (1)

Weiterhin gab es Hinweise auf die immer wieder in Gesprächen während unseres Besuchs auftauchende Korruption, beispielsweise, dass Geschenke, die bei Schulen für die Bibliothek hinterlegt werden, in den Schulen umgewidmet werden. Uns irritierte auch die Aussage, die in einer hitzigen Diskussion aufkam, dass die Bibliothek am College Vogt recht gut funktionieren würde, weil es an der Schule “ehrliche Menschen” (“des personnes honnêtes”, gemeint waren die weissen Ordensbrüder) gäbe. Es schien, als ob das niemand anders gestört hätte.

Gleichzeitig sprachen die Kolleginnen und Kollegen, je länger das Treffen dauerte, je mehr auch von positiven Beispielen:

  • An einem College kam eine grosse Buchspende an. Die Association des Parents (Elternorganisation) hat aus diesem Grund eine Schulbibliothek gegründet, die Position der Bibliothek an der Schule war wegen der Gründung durch die Association gut.
  • Eine Bibliothek war überlaufen. Die Bibliothekarin hat einen Zeitplan erstellt, in der jede Klasse eine Stunde für die Bibliotheksnutzung zugewiesen bekam, was auch funktionierte.
  • Es gab Bibliotheken, die erfolgreich Software einsetzen, genauer das schon erwähnte PMB, und damit ihre Arbeit organisieren.

Vom Bibliothekar des College Vogt und dem Kollegen des Goethe-Instituts wurde das Treffen zum Teil als Weiterbildung benutzt. Es wurden Texte zur Bibliotheconomie (Bibliotheksmanagement) verteilt sowie Hinweise dazu gegeben, wie Nutzungsstatistiken erstellt und für das Lobbying in der Schule genutzt werden können.

Am Ende des Treffens wurden Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht. Zum Beispiel gab es die Vermutung, dass die Schulbibliotheken in den Schulen einfach als Teil der Infrastruktur verstanden werden, über die von der Schulleitung einfach verfügt werden kann. Es gab deshalb die Forderung, sie aus den Schulen herauszulösen und als eigenständige Einrichtungen zu führen. Es wurde klar, dass die Bibliotheken in einer komplexen, zu grossen Teilen von ungeschriebenen Regeln beherrschten Umgebung strategisch kommunizieren müssen, um etwas erreichen zu können. Seit drei Jahren versucht der Kollege vom Goethe-Institut ein Treffen / Workshop, ähnlich diesem, mit Schulleiterinnen und Schulleitern zu organisieren, um über Schulbibliotheken zu sprechen. Dieses Treffen ist bis jetzt aber nicht zustande gekommen. Die auf dem Treffen entwickelte Idee ist es jetzt, ein Communique mit den gängigen Problemen aufzusetzen, von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen unterzeichnen zu lassen, um dies dann politisch (in der jeweiligen Schule und darüber hinaus) nutzen zu können.

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16.10.2014 ‒ Ministerium für Kultur, CLAC und Maison des Saviors

Ministerium für Kultur, Direction du livre

Eigentlich wollten wir in die Nationalbibliothek, die in Yaoundé ‒ der Hauptstadt Kameruns ‒ steht. Das ist nicht so einfach. Offenbar darf man diese nicht einfach besuchen, sondern muss sich vorher beim Directeur du livre (Direktor des Buches) im Kulturministerium anmelden. Der Kollege im Goethe-Institut hat dies für uns mit einem offiziellen Brief versucht. Allerdings wird, so wurde uns nach einiger Zeit beschieden, die Nationalbibliothek zur Zeit renoviert, deshalb hat die Ministerin den Besuch untersagt. Uns kamen aber auch Gerüchte zu Ohren, dass die Nationalbibliothek zur Zeit nur auf dem Papier bestehen würden. Wir konnten weder das eine noch das andere überprüfen. Kurzum: Wir haben die Nationalbibliothek nicht gesehen, dafür erhielten wir einen Termin beim Directeur du livre, der offiziell für die gesamte Bibliothekslandschaft Kameruns zuständig ist. (Seitennote: Offiziell ist Kamerun eine Demokratie, allerdings gibt es seit Mitte der 1980er Jahre immer den gleichen Präsidenten. Nicht direkt gesagt, aber offen genug angedeutet ist, dass deshalb die Aufgabe des Directeur auch die Zensur der Bücher ist.)

Der aktuelle Directeur ist seit rund einem Monat im Amt und vermittelte einen recht offenen Eindruck. Wir unterhielten uns vorwiegend über das Pflichtexemplar. Dieses ist in Kamerun eigentlich per Gesetz geregelt, die Pflichtabgabe bei Büchern umfasst sechs Exemplare (es gibt auch Regelungen für audiovisuelle Medien), die in der Nationalbibliothek und in Regionalbibliotheken aufbewahrt werden sollen. In der Realität funktioniert dies aber nicht. Wie angedeutet wissen wir nicht einmal, ob es eine funktionierende Nationalbibliothek gibt.

 

CLAC

Das Centre de Lecture et d’Animation Culturelle de Yaoundé (CLAC, Zentrum des Lesens und der kulturellen Animation in Yaoundé) ist eine erstaunliche Einrichtung. Gelegen in einem ärmeren Viertel der Stadt vermittelt es einen sehr aufgeräumten, gepflegten und vor allem modernen Eindruck. Wie wir erfahren haben, ist das “Aufgeräumtsein” Teil der Identität.

Das Zentrum umfasst eine Bibliothek mit rund 10.000 Medien (für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, inklusive eines Bestandes “Bibliotheconomie”), aber darüberhinaus auch einen Multifunktionsraum, inklusive Bühne und X-Box, Internetplätze, eine kleine Druckerei und Buchreparatur sowie einen Schulungsraum mit über 30 Rechnern. Geführt wird das CLAC von einem sehr motivierten und selbstbewussten jungen Mann, der sich mit dem CLAC selbstständig gemacht hat. Er hat das Zentrum fast vollständig selber aufgebaut und weiterreichende Pläne.

Seine Ausbildung hat er zum Teil in Frankreich (enssib in Lyon) absolviert, was nicht so ungewöhnlich war. Wir haben eine Anzahl von Menschen getroffen, die jetzt in Kamerun leben, aber ihre Ausbildung im Ausland genossen haben.

Eine der Erfolgskriterien des CLAC ist der enge Kontakt zu Fördereinrichtungen und das erfolgreiche Abschliessen von Förderprojekten. Vom kamerunischen Staat erhält das CLAC kein Geld. Insbesondere das Institut Français (das französische Pendant zum Goethe Institut) und die Bibliotheques sans frontières (Bibliotheken ohne Grenzen, Genf / Dakar), aber auch die US-Embassy unterstützen das CLAC. Ein Musterbeispiel dafür ist der Schulungsraum. Die Rechner in diesem Raum sind von Institut Français bezahlt, die Open Learning Ressources, die dort für Kurse benutzt werden, stammen von der Non-Profit Organisation Khan Academy. Als interner Server für diesen Raum dient ein RasberryPi.

Für die Kurse werden die Schülerinnen und Schüler aus aktuell sieben Schulen per Bus zum CLAC transportiert. Laut Statistik kommen rund 70% der Nutzerinnen und Nutzer nicht aus dem Quartier, sondern mit dem Taxi (Seitennote: Wobei Taxis in Kamerun das normale Transportmittel darstellen.) Dennoch gibt es auch Aktionen für das Quartier.

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Maison des savoirs

Auch das Maison des Savoir (Haus der Wissen) befindet sich in einer ärmeren Gegend. Die seit zehn Jahren bestehende Institution, welche sich als Stadtkulturinitiative versteht und sowohl eine Bibliothek mit rund 7.000, zum Teil veralteten, Medien beinhaltet als auch Alphabetisierungskurse und Gesundheitsarbeit in der Umgebung durchführt, wird von drei jungen Angestellten geführt, welche ebenso einen sehr engagierten Eindruck machen. Eine Angstellte ist ausgebildete Bibliotheksassistentin, die zuvor an der Nationalbibliothek (die es vielleicht oder vielleicht auch nicht mehr gibt) gearbeitet hat. Die Finanzierung erfolgt offenbar auch über Fördergelder der Gründerin, die in Frankreich ansässig ist.

Die Bibliothek besitzt eine Sektion für Erwachsene und Jugendliche sowie einen Zeitschriftenraum, ein Regal mit Neuigkeiten, einen Informatikraum mit zwei Rechnern, welche zur Zeit ausser Betrieb sind und einen Schulungsraum für Kinder. In diesem wird gebastelt, es finden Lesungen und Alphabetisierungskurse statt. Für kulturelle Events wie Konzerte, Kunst oder Lesungen steht ein zusätzlicher Raum im danebenliegenden Gebäude zur Verfügung. Das Maison des Savoirs betreibt aktiven Outreach zur Gewinnung von neuen Nutzerinnen und Nutzern, zum Beispiel mittels Flyern.

Eigentlich ist die Ausleihe per Rechner mit PMB geregelt. Da dieser jedoch ständig abstürzt, wird die Ausleihe auf Papier organisiert.

Das Maison des savoirs hat, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen, die wir besucht haben, eine Wunschbox mit der sich Nutzerinnen und Nutzer einbringen können. Auf diese Weise wünschten sich Schülerinnen und Schüler Bücher, welche sie in der Schule benötigen. Diese wurden angeschafft, aber sehr schnell geklaut, was darauf hinweist, dass sie tatsächlich benötigt werden. Jetzt ist die Ausleihe für diese Bücher anders geregelt worden.

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Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 1 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

Einleitung

Dankenswerterweise hat das Goethe Institut Kamerun uns, Karsten Schuldt und Eliane Blumer, zu einer Bibliotheksrundreise durch Kamerun sowie einer Konferenz des kamerunischen Bibliotheks-, Archivs-, Dokumentalisten- sowie Museographenverbandes (ABADCAM) eingeladen. Auf der Konferenz haben wir beide jeweils zwei Vorträge gehalten und an den Workshops teilgenommen.

Der folgende Text gibt eine Übersicht unserer Eindrücke während des Aufenthalts. Im Vorfeld wurde uns eher ein negativer Eindruck von der Bibliotheksszene in Kamerun vermittelt. Zahlreiche Bibliotheken sollen nur auf dem Papier existieren und, wenn vorhanden, kaum benutzt sein. Teilweise sei dies Ergebnis verfehlter Entwicklungshilfepolitik, durch die Bibliotheken gegründet wurden, welche dann im Nachhinein keine Weiterentwicklung erfuhren. Wir können das nicht bestätigen. Die Bibliotheken, die wir besucht haben, vermittelten uns den Eindruck einer zukunftsgerichteten Bibliotheksszene, die selbstbestimmt Projekte umsetzt. Sicherlich muss diese Szene, wie das gesamte Land, mit mangelnder Infrastruktur, Armut und Korruption umgehen. Allerdings haben wir nur bestimmte Bibliotheken ‒ diejenigen, die sich bereiterklärten, uns zu empfangen ‒ gesehen und waren nur eine gute Woche im Land. Insoweit können wir kein umfassendes Urteil abgeben.

 

14.10.2014 ‒ CDDR und Goethe Institut Kamerun

Centre de Documentation pour le Developpement Rural (CDDR) ‒ Yaoundé

Das Centre de Documentation pour le Développement Rural (Dokumentationszentrum für landwirtschaftliche Entwicklung) ist ein 1988 gegründetes Informationszentrum für den Bereich Landwirtschaft. Das CDDR definiert seine Hauptaufgaben wie folgt:

  • Popularisieren von landwirtschaftlicher Information und Demokratisieren des Zugangs zu dieser.
  • Organisation der landwirtschaftlich relevanten Information, damit sie einfach zugänglich ist.
  • Anlaufstelle zur Überwindung von Schwierigkeiten bei der Informationversorgung für Akteure und Akteurinnen des landwirtschaftlichen Bereichs (Bauern, Bäuerinnen, Agronomen, Agronominnen etc.). [Quelle: Informationsflyer des CDDR]

Das CDDR umfasst eine Dokumentationsstelle und eine Bibliothek, bietet aber vor allem Beratungsangebote. Dafür unterhält es einen eigenen Telefondienst “âllo ingénieur”. In der Regel läuft die Beratung folgendermassen ab: Eine Person kontaktiert (persönlich während der Öffnungszeiten 8.00-15.00 Uhr, per Mail oder Telefon) das CDDR und stellt eine Frage, die sich auf die Landwirtschaft bezieht. Dies kann eine ganz einfache Frage, zum Beispiel zum Anbau von Mais oder dem Verkauf von Maniok sein. Aber auch komplexe agronomische Fragestellungen, wie zum Umbau von landwirtschaftlichen Nutzgeräten, werden behandelt. Im Anschluss an dieses Gespräch erstellt das CDDR ein “dossier documentaire”, welches Informationen zur Beantwortung der Frage und Kontaktadressen von Expertinnen und Experten des jeweiligen Themas organisiert und aufbereitet beinhaltet. Pro Jahr werden etwa 1200 Fragen von überall in Kamerun und teilweise aus dem Ausland beantwortet und circa 400 Dossiers erstellt, täglich besuchen circa 10-15 Personen das Zentrum. Wenn möglich sollen die Dossiers zukünftig auch elektronisch angeboten werden.

Ein langfristiges Ziel des CDDR ist es, den agronomischen Beruf zu professionalisieren. Bäuerinnen und Bauern sollen agronomisches Wissen erwerben und einsetzen. Um dies zu unterstützen, wird der Service für Agronominnen und Agronomen gratis angeboten.

Um noch weiter wahrgenommen zu werden, unternimmt das CDDR einiges:

  • Informationstag über Projekte
  • Bücherschränke in Schulen auf dem Land
  • Infoblatt für jede Nutzerin und jeden Nutzer
  • je drei Seiten pro Ausgabe der Zeitung “La voix du paysan” (Die Stimme des Bauern), in der das CDDR agronomische Informationen vermittelt

Obwohl beim CDDR die Information und nicht Bücher im Mittelpunkt stehen, betreibt das Zentrum auch eine funktionierende Bibliothek. Für die Bestandsentwicklung hingegen gibt es keine Ressourcen, das CDDR lebt von Geschenkgaben. Als integriertes Bibliothekssystem benutzt das Zentrum PMB, ein französisches Open Source Library System, welches uns im Verlauf der Reise immer wieder begegnete.

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Goethe Institut Kamerun ‒ Yaoundé

Eigentlich ist die Bibliothek des Goethe Instituts in Yaoundé eine deutsche Bibliothek in Kamerun und keine kamerunische Bibliothek. Dies ist erst einmal nicht erstaunlich, da alle Goethe-Institute als Hauptaufgaben die Förderung der deutschen Sprache, die Vermittlung eines “aktuellen Deutschlandbildes” und den interkulturellen Dialog bearbeiten. Absurd wird es aber, wenn das Corporate Design des Instituts dazu führt, dass jede Bibliothek eines Goethe-Instituts mit Möbeln der ekz ausgestattet ist. Ganz recht, für jedes Institut werden die Möbel in Reutlingen bestellt und an den jeweiligen Ort transportiert, was in den meisten Fällen, zum Beispiel Kamerun, umständliche Logistik und teilweise Praktiken im legalen Graubereich mit sich bringen. Und das, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Uns leuchtet diese Corporate Design Idee nicht ein, da sie zum Beispiel dem interkulturellen Dialog entgegensteht. Wie wir selbst gesehen haben, gibt es zum Beispiel in Yaoundé selber eine sichtbare Möbelproduktion.

Wir finden das absurd, es heisst aber nicht, dass die Bibliothek schlecht ist, im Gegenteil. Mit 260 Besucherinnen und Besuchern pro Tag, rund 55.000 Besuchen im vergangenen Jahr, für welche 80 Quadratmeter und zusätzliche Leseplätze an der freien Luft zur Verfügung stehen, ist die Bibliothek die meistbesuchte Bibliothek eines Goethe-Instituts weltweit. Dies bezieht sich nicht nur auf die Bibliothek, sondern auf das gesamte Institut, welches mit 500 Lernenden pro Tag in zwei Häusern boomt. Die Bibliothek in Yaoundé wird vor allem von Jugendlichen, die Deutsch lernen, genutzt. Es gibt einen grossen Drang kamerunischer Jugendlicher zur Auswanderung nach Deutschland, der teilweise mit der politischen Situation erklärt wird. Im Gegensatz zu Frankreich existiert ein positives Deutschlandbild, obwohl Kamerun sowohl deutsche, französische als auch englische Kolonie war. Gleichzeitig wurde uns erklärt, dass Jugendliche zu Hause nicht lernen können, da sie als Abhängige der Familie behandelt werden und zum Beispiel ständig zu Botengängen oder anderen Aufträgen herangezogen werden.

Insoweit ist der Bestand vor allem aus Lehrbüchern für die Deutschkurse des Instituts zusammengesetzt. Andere Bereiche des Bestands, zum Beispiel deutsche Literatur, werden wenig benutzt. Die Bibliothek ist, wie alle Bibliotheken der Goethe Institute, im SWB-Verbund integriert und arbeiten für den Verbund mit Pica. Lokal arbeitet die Bibliothek mit Allegro und ist damit eine Ausnahme in Kamerun. Die Beschaffung neuer Medien stellt eine logistische Aufgabe dar. In Kamerun kann niemand die Lieferung deutschsprachiger Medien anbieten, deswegen werden sie über einen Vertragspartner in Deutschland gekauft und dann per Logistikunternehmen eingeflogen.

Eine weitere Aufgabe des Goethe Instituts ist die “bibliothekarische Verbindungsarbeit” zwischen lokalen und deutschen Bibliotheken. Unser Besuch war Teil dieser Verbindungsarbeit (obwohl wir beide zum grössten Teil in der Schweiz und nicht in Deutschland arbeiten).

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Alle Teile des Berichts: