Anderswo · Geschichte · Glücksversprechen und Wünsche

Was, wenn das Ende des Buches doch nicht kommt?

Zu: Piault, Fabrice (1995). Le livre : la fin d’un règne. (Au vif) Paris: Édition Stock, 1995

Das Ende des Buches. Oder zumindest des Ende des Buches, wie wir es kennen. Seit ich etwas mit dem Bibliothekswesen zu tun habe, seit Anfang der 2000er, habe ich Beiträge dazu wahrgenommen, die das diskutieren wollen: Erstens immer wieder, dass das Zeitalter des Buches vorbei sei und zweitens, was das für die Gesellschaft oder die Verlage oder das Lesen oder die Bibliothek und so weiter bedeutet.1

In einem Antiquariat stiess ich letztens auf so einen Beitrag, nämlich «Le livre: la fin d’un règne» (Das Buch: Ende seiner Herrschaft) von Fabrice Piault, publiziert 1995. Der Autor, damals Technikchef und heute Chefredakteur des französischen Buchhandelsmagazins Livre Hebdo, hatte (und hat weiter) aufgrund seiner Position guten Einblick in die (französische) Verlagswelt und Welt des Lesens sowie die technischen Entwicklungen im Medienbereich. Selbstverständlich war es Zufall, dass ich gerade dieses Buch von ihm in diesem Antiquariat fand und nicht ein anderes aus dem gleichen Genre. Ich habe es aber gelesen, nicht nur weil es mich auf er ersten Blick an die gewisse Naivität und Erwartung an von technischen Entwicklungen vorangetriebenen Veränderung erinnerte, welche die 90er Jahre auch ausmacht, sondern auch weil es mich interessierte, wie sehr die Vorhersagen in einem solchen Buch mit zeitlichem Abstand standhalten. Es gäbe aber viele, viele solcher Bücher (und Artikel, Vorträge etc.), die im Laufe der letzten 30-40 Jahre darüber publiziert wurden, ob das Buch und Buchzeitalter ein Ende gefunden hat – und was das heisst.

Bild des BUches Le livre: la find d'un règne

Dabei geht mir nicht darum mich darüber lustig zu machen, ob (oder worüber genau) Piault mit seinen Einschätzungen Unrecht hatte. Was wäre damit schon gewonnen? (Zumal er nicht als einer dieser Gurus herüberkommt, welche von Ende des Buches nur reden, um dann die eigene Vision der Welt / der Verlage / der Bibliotheken et cetera zu verkaufen oder aber zu sagen, wie das Ende aufzuhalten wäre. Bei denen wäre etwas gewonnen, wenn man zeigen könnte, dass sie schon mit ihrer Grundthese Unrecht haben.) Mich interessiert mehr, warum dieses Thema immer wieder Autor*innen umtreibt und ob es Strukturen ihrer Argumentationen gibt, die sich kaum oder gar nicht verändern.2

Die Argumente des Buches

Das Buch ist selbstverständlich eines seiner Zeit und auch des Landes, über das hier geschrieben wird. Der Autor konnte die folgende technische Entwicklung nicht voraussehen, sondern nur von dem ausgehen, was 1995 angedacht oder angekündigt war. Deshalb spricht er viel von unterschiedlichen Formen der CD, von Datenbanken, aber nur wenig vom Internet. Ein E-Book-Reader, von dem er an einer Stelle erwähnt, dass er vor Kurzem vorgestellt wurde, ist einer, welcher Mini-CDs als Medium benutzte. Digitaldruck hat er ebenso wenig auf dem Schirm wie Smartphones, die heutige Ubiquität des Internets oder das (Wieder-)Verschwinden der CDs (und die Wiederkehr von Vinyl). Alles, was er über die wahrscheinliche technische Entwicklung sagt, hat heute einen nostalgischen Klang – aber es auch nicht das Hauptthema des Buches.

Gleichzeitig ist es ganz klar ein Buch, dass sich nur mit Frankreich beschäftigt: Der Minitel hat seinen Auftritt, die Struktur des Verlagswesens in Frankreich (beispielsweise die Konzentrationsprozesse im Verlagswesen) auch. Die Entwicklung der supermarché und Multimedia-Märkte (FNAC, Virgin) in Frankreich, die Verbands- und Förderstruktur für Verlage sowie die Gesetzeslage sind das Thema seiner Analyse. Ausser bei technischen Entwicklungen, die er anführt, geht es nie um Entwicklungen im Ausland, auch nicht zu Vergleichszwecken.

Das zur Einschränkung. Aber die Grundthesen des Buches liessen sich wohl doch in andere Zusammenhänge übertragen.

Banalisierung des Buches; der Herbst des Verlagswesens

Die Argumentation von Piault ist mehrstufig. Zuerst postuliert er, dass das Buch zu einem «banalen» Gegenstand geworden ist. Das Verlagswesen hätte über mehrere Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg (den «Trente Glorieuses»), ein massives Wachstum erlebt. Bücher wurden in immer grösseren Massen und für immer mehr Aufgaben produziert sowie massiv verbreitet. Das Lesen sei an allen Orten zur Normalität geworden. Dieser Erfolg hätte dazu geführt, dass das Buch praktisch seine besondere Aura, die es einmal hatte, verloren hätte und zu einem Alltagsgegenstand geworden sei. Gleichzeitig hätte nach Mitte der 1970er ein langsamer Niedergang des Verlagswesens und des Buches eingesetzt. Es würden immer mehr Bücher produziert, aber die Vorherrschaft des Buches als wichtigstes Medium, sei immer mehr angekratzt worden.

Gleichzeitig gäbe es weiterhin eine gedachte Verbindung von Lesen und Kultur, die beispielsweise von Staat oder den Verlegerverbänden bedient würde, beispielsweise bei Programmen zur Leseförderung oder bei Lobbymassnahmen. Aber diese gedachte Verbindung sei einigermassen überholt, weil einfach immer und für alles gelesen werden könnte – und auch würde –, nicht nur für kulturelle Zwecke. Gleichwohl sei das Festhalten an dieser gedachten Verbindung ein Zeichen dafür, dass – so geht die Argumentation weiter – das bisherige Verlagswesen ein «reife Frucht» sei, die bald abfallen würde. Mit diesem Verlagswesen meint er eine – durch Konzentrationsprozesse immer weniger werdende – Anzahl an Grossverlagen, die sich in den 1980ern und 1990er Jahren gebildet hätten, die Organisation der Buch-Auslieferung, der Buchhandlungen und der damit zusammenhängenden Infrastrukturen. (Es geht auch lange um ein spezifisches Gesetz von 1981, das Loi Lang, welches kleine Buchhandlungen schützen sollte, aber der Meinung von Piault folgend auch unintendierte Folgen hatte.)

Die Einschätzung, dass das alte Verlagswesen davor stehen würde, sich radikal zu verändern, unterstreicht er damit, dass die Verlage dazu übergegangen seien, das Buch als reines Marktprodukt anzusehen. Kennzeichnend dafür seinen zum Beispiel lauter Manager, welche aus anderen Bereich kämen, aber jetzt (1995) Verlage führen würden. Die Verlage seine dazu übergegangen, Veröffentlichungen marktgerecht zu planen: In Reihen, nicht in Einzelwerken, oder auch mit Blick auf die Mehrfachverwertung von Publikationen, beispielsweise in Budgetreihen («10 Franc pro Buch»). Die Bedeutung der editorischen Arbeit würde zurückgehen – auch wenn das in den Redaktionen, Lektoraten und so weiter nicht unbedingt so gesehen würde – während die des Managements steigen würde.

Multimedialisierung

Die Frucht sei reif, gepflückt zu werden. Dies würde, so die weitere Argumentation, bevorstehen. Während sich in den Jahrzehnten zuvor andere Medien neben dem Buch etabliert hätten – allen voran das Fernsehen – würde jetzt eine Multimedialisierung beginnen: Medien würden «zusammenwachsen», sich ergänzen, gemeinsam ein neues Ganzes bilden.

Medien würden zusammengeführt: CDs in Büchern, Texte auf CDs, Literatur im Fernsehen, Literatur im Minitel-Netz und im Internet. Gleichzeitig würden Medien zusammengedacht werden: Immer mehr Romane würden verfilmt, zu Filmen würden Bücher geschrieben. Ganze Reihen von unterschiedlichen Medien mit einem Thema würden gemeinsam geplant, produziert und vermarktet: Filme, Bücher, Spielzeug, Comics und so weiter, je zu einer Figur. Da das Buch banal geworden sei könne es jetzt einfach in eine Reihe mit anderen Medien gestellt werden. Das würde nicht heissen, dass das Buch als Medium zu Ende sei. Aber das Zeitalter, in welchem das Buch das wichtigste Medium mit der grössten Aura gewesen sei, das sei vorbei.

Dazu beitragen würde auch, dass Bücher immer mehr ausserhalb des Systems des eigentlichen Buchhandels verkauft würden. Die grossen Supermarktketten würden dazu übergehen, eigene Buchabteilungen einzurichten.3 Es würden Ladenketten, die megastores, entstehen (genannt sind FNAC und Virgin, aber es wird nicht ausgeschlossen, das mehr folgen würden), in denen Bücher neben Unterhaltungstechnik und zum Beispiel Musik gleichberechtigt nebeneinander angeboten werden. So würden Bücher ein Produkt unter anderen.

Ist das eingetreten?

Piault sieht dies als eine Bewegung, die sich nur noch verstärken wird. 2020 kann man auf diese Erwartungen von vor 25 Jahren zurückschauen und sich fragen, was davon gestimmt hat.

Zuerst: Das Lesen und Bücher sind immer noch erstaunlich stark in der französischen Gesellschaft präsent. Zwar zeigt zum Beispiel Claude Poissenot in seiner Einführung «Sociologie de la lecture» (Malakoff: Armand Colin, 2019), dass pro Generation weniger gelesen wird. Aber gleichzeitig sind die Zahlen (beispielsweise die bei Statista4 oder dem französischen Kulturministerium5) zum Lesen und Verlagswesen erstaunlich hoch. Auch subjektiv sind Buchhandlungen in Frankreich einfach viel umfangreicher, angefüllter als es im DACH-Raum normal – der Wert des Buches scheint viel grösser zu sein.6 (Während gleichzeitig Bücher so viel billiger sind als in Deutschland. Österreich oder gar Schweiz / Liechtenstein.) So wirklich «gepflückt» wurde die Frucht Verlagswesen nicht. (Eher geht es den megastores schlecht.)

Gleichzeitig haben sich tatsächlich andere Medien neben den Büchern etabliert, wenn auch andere, als die, welche Piault erwähnt hat. Die CD, bekanntlich, ist am Untergehen. Viele der Formen, die in Piaults Buch erwähnt werden (CD-I, mini-disc), sind schon praktisch verschwunden. Bücher gibt es hingegen immer noch.

Was eingetreten ist, ist, das sich geändert hat, wofür Bücher gelesen werden. Nicht vollständig. Aber der Niedergang der Nachschlagewerke (Lexika, Wörterbücher) ist zum Beispiel eine bekannte Transformation, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat.

Grundsätzlich scheint Piault mit seiner Beschreibung der Veränderungen in den Jahrzehnten bis 1995 («Banalisierung des Buches») mehr richtig gesehen zu haben, als mit seinen Einschätzungen der Zukunft.

Was lässt sich aus dem Buch lernen? Strukturen der Argumentation

Wie angedeutet habe ich das Buch nicht gelesen, um nachher Piault vorzuwerfen, was er alles nicht vorhergesehen hat, sondern um zu schauen, was sich in ihm an Argumentationsstrukturen finden lässt. Mir scheint, dass sich diese auch in ähnlichen Texten finden lassen, obgleich nicht immer so ausführlich durchgespielt, wie in diesem Buch. (Zu testen wäre die folgende Aufstellung dann an anderen solcher Texte: Findet sich die Struktur dort auch, am Besten in Texten aus verschiedenen Jahrzehnten und Ländern, könnte man schon von einer gewissen Beständigkeit der Argumentationsstruktur ausgehen.)

  • Immer wieder findet sich die Vermutung, dass wir gerade jetzt, wenn der Text verfasst wird, an einer neuen Schwelle der Mediennutzung zu stehen. Bislang hätte sich die Kultur um das Buch gruppiert, jetzt stehe bevor, dass sich das ändern wird. Die ersten Anzeichen seien unübersehbar.
  • Es gibt immer wieder die Vermutung, dass neue Medien und neue Geschäftsmodelle die alten verändern werden. Der Verweis darauf, dass innovative Veränderungen bevorstehen, finden sich auch immer wieder. Manchmal sind sie mehr ausbuchstabiert – wie bei Piault, der spezifische Techniken aufzählt, die seiner Meinung nach in Zukunft treibend sein werden –, mal weniger.
  • Daran an schliesst dann die Vermutung an, dass diese neuen Medien und Geschäftsmodelle auch zu neuen Formen der Nutzung von Büchern, Texten, Medien führen werden. Auch hier machen einige Texte eher Andeutungen, andere klarere Aussagen. Manchmal wird das als radikale Veränderung beschrieben, auf die man schnell reagieren muss, manchmal – wie bei Piault – als normaler Lauf der Dinge. Aber immer sollen sich die Einrichtungen, die etwas mit Medien zu tun haben (Verlage, Buchhandlungen, Bibliotheken und so weiter) auf solche grossen Veränderungen in der Nutzung vorbereiten. (Um für solche Vorbereitungen auf grosse Veränderungen zu werben, werden ja viele diese Texte erst geschrieben.)
  • Es gibt immer wieder Vorhersagen, was wohl untergehen wird. Selbst in einem eher vorsichtig argumentierenden Buch wie dem von Piault, in dem es eher um eine «Multimedialisierung» geht, gibt es solche Vorhersagen (hier vor allem das Verlagssystem, die Bedeutung des Redaktionellen, die besondere Aura des Buches). Aber ohne Untergang geht es wohl nicht.
  • Zudem gibt es immer eine Aufzählung von neuen Medien, die in Zukunft eine Relevanz haben werden. Bei Piault geht das, wie gesagt, recht schief: Die Medienformen, die er kommen sieht, sind heute fast wieder verschwunden. Aber die Vermutung ist immer wieder, dass es neue Medien / Medienformen / Techniken geben wird und es nötig wäre, nach ihnen Ausschau zuhalten.
  • Kaum je geht es in diesen Vorhersagen darum, dass das gesamte Mediensystem untergehen würde. Zwar gibt es immer wieder einmal Überschriften, die zum Beispiel vom Ende des Buches reden. Aber in den Texten selber wird auch in solchen Fällen versucht, abzuwägen. Es geht eher um eine Verschiebung im Feld der Medien: Bücher (oder manchmal auch gedruckte Medien) würden an Bedeutung verlieren. Die Frage ist immer, wie und wie viel.
  • Was sich in solchen Texten kaum findet, ist eine Reflexion darüber, dass sich diese Vorhersagen auch wiederholen. Wie gesagt: Bei jedem Antiquariatsbesuch kann ein Buch auftauchen, das vor 25 Jahren ähnliche Aussagen gemacht hat. Oder vor zehn Jahren. (Die interessante Frage wäre eher, wie weit sich das dehnen lässt. Wann wurde damit angefangen, solche Bücher zu schreiben? Zu vermuten ist das Ende der 1970er Jahre. Aber das müsste auch überprüft werden.)

Fazit

Was kann man also aus solchen «alten» Büchern über das Ende des Buchzeitalters lernen? Einmal, dass sie weniger die tatsächliche Entwicklung der Zukunft vorhersagen. Sicherlich können sie auf Entwicklungen aufmerksam machen, aber gerade dann, wenn sie einzuschätzen versuchen, wie diese Entwicklungen weitergehen werden, sind sie oft nicht in der Lage tragfähige Vorhersagen zu machen. (Davon leben dann Beratungsfirmen, die versuchen, methodischer bei der Bewertung vorzugehen.)

Die Hinweise von Piault auf die Konzentrationsprozesse im französischen Verlagswesen oder die Tendenzen zu Mehrfachverwertungen der gleichen Publikationen sind wohl weit relevanter, als sein Vorhersagen. Die waren, wie gesagt, nicht sehr erfolgreich: Der Minitel hat die Verbreitung des Internets in Frankreich nicht gestoppt. Die CD hat sich nicht durchgesetzt. E-Book-Reader benötigen keine Speichermedien, egal ob Mini-CD oder andere. Die Buchhandlungen wurden nicht von den Megastores abgelöst. Das Buch ist offenbar auch nicht ganz so «banal» geworden, wie Piault es vorhergesehen hat.

Insoweit mahnen solche Bücher dazu, die Aussagekraft aktueller Publikationen dieses Genre kritisch einzuschätzen. Diese beschreiben oft, was an bestimmten Entwicklungen im Verlagswesen, der Mediennutzung und so weiter beobachtungswert und vielleicht auch reformbedürftig ist. Aber man sollte gerade ihre Aussagen über die zukünftige Entwicklung nicht zur Basis von, zum Beispiel, Bestandsstrategien im Bibliothekswesen machen.


Exkurs: Bibliotheken

Öffentliche Bibliotheken kommen bei Piault an zwei Stellen vor (S. 56f., S. 182f.). An der ersten Stelle werden sie erwähnt, weil sie in Literaturkampagnen staatlicherseits eingebunden sind. Die zweite Stelle ist interessanter: Hier erwähnt Piault kurz, dass sich Bibliotheken aktuell (nochmal: 1995) transformieren würden: Sie würden immer mehr neue Medien anschaffen und sich mehr als Orte zu etablieren suchen. Anstreben würden sie, Mediatheken zu werden. Er erwähnt das als Hinweis darauf, wie sich die «Multimedialisierung» in der Gesellschaft und den Institutionen verbreitet und sieht es offenbar als selbstverständliche Entwicklung an.

Veränderung, oder zumindest der Versuch sich zu ändern, ist auch für Öffentliche Bibliotheken (in Frankreich) nichts neues, sondern vor 25 Jahren genauso normal, wie heute. Auch wenn manchmal der Eindruck erzeugt wird, erst gerade wären Bibliotheken dabei, sich neu zu finden.


Fussnoten

1 Ehrlich gesagt, auch schon vorher. Ich erinnere mich an Diskussionen aus den 1990er Jahren in verschiedenen politischen Szenen und Gruppe darüber, ob und wie man «neue Medien» für die eigene Kommunikation und Diskussion nutzen könnte. Irgendwann in der zweiten Hälfte der 90er Jahre habe ich selber an einem Konzept für die Nutzung des Internets für die kinder- und jugendpolitische Gruppe, in der ich damals – lange, lange her – aktiv war, geschrieben. Das Thema ist wirklich schon länger virulent.

2 Sicherlich: Um das umfassend zu beantworten, müsste man weit mehr als ein Buch heranziehen. Dafür wäre eine Übersicht und systematische Auswertung solcher Literatur notwendig. Das werde ich hier nicht leisten. Mir geht es darum, von diesem zufälligen Fund im Antiquariat ausgehend, ein wenig weiter zu denken.

3 Die französischen supermarchés sind meiner Erfahrung nach im Allgemeinen viel grösser als im DACH-Raum, insoweit sind solche Abteilungen nicht undenkbar.

4 https://fr.statista.com/marches/1158/themes/1237/livres-et-edition/

5 https://www.culture.gouv.fr/Sites-thematiques/Livre-et-lecture

6 Hier, in der Schweiz, gilt das tendenziell sogar für Buchhandlungen in den unterschiedlichen Sprachregionen. Während Buchhandlungen in Zürich, Chur, Basel nicht leer, aber gut sortiert und aufgeräumt wirken (so, als wäre die Idee, eine kleine, aber dafür gute Auswahl zu treffen), sind die in Lausanne, Neuchâtel oder Yverdon angefüllt, überquellend, fast erschlagend und vermitteln ein ganz anderes Gefühl: Eines der Ansammlung möglichst vieler Bücher. In Berlin kann man auch zwei «französische» Buchhandlungen (Zadic und librarie française) besuchen – die fühlen sich auch viel voller an, als andere Buchhandlungen in der Stadt. Es ist nicht leicht zu fassen, aber – nach der Pandemie – gut auszuprobieren.

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Genf: Buchhändler des Vertrauens

Wenn man aus Berlin stammt, macht in der Schweiz alles, wirklich alles zu früh zu. Oder gar nicht auf. (Restaurationen haben zum Beispiel Sonntags oft gar nicht auf oder servieren erst ab halb acht Essen. [What?] Und nicht zu vergessen: Geschäfte machen Mittagspause, [How is that even possible?] Clubs in Zürich oder Lausanne machen am Wochenende um vier zu [Why?]… so was.)

Aber gleichzeitig ist es die Schweiz, nicht Berlin. Offenbar gibt es ein weites Vertrauen (letztes Jahr hab ich kurz über die Lesebänke in Chur und Arosa geschrieben, die auch auf diesem Grundvertrauen in die Ehrlichkeit und Selbstkontrolle der Menschen basiert). In Genf, wenn man unbedingt etwas zu lesen braucht, aber die Buchläden und Bibliotheken zu haben, kann man in den Durchgang neben einer Buchhandlung gehen und findet dies hier: Ein Regal mit mittelmässigen Second-Hand-Büchern mit (genferischen, also schweizerischen plus noch mal 30% oder so) Preisen auf der Innenseite und der Bitte, dass Geld in den Schlitz der Tür zu werfen. Sicher: Das findet sich auch anderswo, ein Bild aus West Virgina geht immer wieder einmal durchs Internet. Aber hier in der Schweiz irritiert das nicht einmal. Ist halt so.

Links der Eingang zu normalen Öffnungszeiten
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Rechts das Buchregal im Durchgang.
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Please pay as you leave.
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