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Über einige Bibliotheken in Ontario, Kanada

So, also, der Urlaub hat die Kollegin Eliane Blumer und mich dieses Jahr nach Ontario, Kanada (und ein wenig nach Quebec) gebracht, sowohl in die Metropole Toronto als auch 300-400 Kilometer höher in den Norden, um das Kleinstadtleben und die Parks zu sehen; so mit richtigen Touridingen wie den Niagarafällen und mit richtig kanadischen Dingen wie schlechtem Essen und echten Bären, die auf der Strasse stehen. Alles ganz nett und entspannend, aber am Rand haben wir selbstverständlich auch die Bibliotheken besucht, die sich auftaten. Nicht alle, in Toronto gibt es z.B. über 100 Branches der Public Library, die alle zu besuchen ein eigenes Projekt wäre;1 sondern eher eine Zufallsauswahl, wenn es sich halt unterwegs ergab. (Deshalb leider auch keine Bibliothek in Quebec, weil die zu hatten, als wir gerade vorbeikamen.) Die ganzen Besuche waren auch Besuche ohne Vorbereitung, d.h. ohne vorherige Anmeldung oder Recherche. Einerseits soll man im Urlaub eh nicht so viele Pläne machen, sonst wäre es kein Urlaub. Andererseits: Wenn man sich anmeldet kriegt man manchmal nicht die alltägliche, normale Nutzung mit, die mir aber immer interessanter erscheint, als vorbereitete Touren. So sieht man zwar nicht unbedingt immer die spannendsten Dinge und hört nicht unbedingt von den allerneusten, allerinnovatisten Plänen, die Bibliotheken so haben, aber man sieht die Bibliotheken so, wie sie tatsächlich genutzt werden.

Ich kann das immer nur empfehlen für längere Urlaubsreisen. Man erfährt so anderes, als in Überblicktexten zu den Bibliothekswesen in bestimmten Ländern oder in Berichten zu gerade als innovativ geltenden Bibliotheksbauten. (Protipp: reingehen, jemand finden, die oder der Verantwortlich aussieht und sich vorstellen – „We are librarians from Switzerland on a holiday trip through Canada. We take a look on every library we see.“ – und fragen, ob man Bilder machen kann. Es ist in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich, was man sozial „darf“ oder nicht darf, deshalb ist nachfragen immer gut. Oft hat man dann auch nette Gespräche, weil so eine Vorstellung ein guter Gesprächsöffner ist. Und dann einfach durchgehen und offen beobachten, nicht gleich werten – weder positiv noch negativ –, sondern akzeptieren, dass das, was man sieht, sich aus Gründen so entwickelt hat, die man mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht kennt.)

Hier ein kurzer Überblick zu diesen Besuchen.

Allgemein

Der allgemeine Eindruck ist, dass die Bibliotheken in Ontario grundsätzlich gut ausgestattet sind und auch von ihren jeweiligen Communities genutzt werden – wobei wir selbstverständlich vor allem die Nutzung während der Urlaubszeit gesehen haben – und etabliert sind. Die Standardangebote, die man in schweizerischen oder deutschen Bibliotheken der jeweils ähnlichen Grösse erwarten würde, fanden sich auch in Ontario: Gedruckte und andere Medien, Arbeits- und Leseplätze, Kinderecken, E-Books, WLAN etc. Teilweise schienen sich auch noch ältere Angebote erhalten haben, zumindest von den Infrastruktur her. Es hatte manchmal den Eindruck, als wären die 90er nicht so richtig vorbei, mit den vielen Mikrofichereadern, Hinweisschildern in Folie an den Wänden etc. Die ganz grossen Bibliotheken (insbesondere die Toronto Reference Library, die grösste Öffentliche Bibliothek in Toronto) verstehen sich explizit als innovativ. Als wir dort waren, liefen z.B. gerade die Vorbereitungen für den Maker-Day am nächsten Tag. Aber ansonsten scheint die Nutzung sehr, tja— sagen wir einmal: traditionell.

Während die deutschsprachigen bibliothekarischen Debatten von der Vorstellung geprägt scheinen, dass (a) die gedruckten Medien weniger und die anderen Nutzungsweisen mehr Raum benötigen würden und (b) man ständig neue Angebote entwerfen müsse, um „neue Zielgruppen“ „zu gewinnen“, scheinen die Bibliothek in Ontario ihren Fokus auf Bücher und Zeitschriften nicht aufgegeben zu haben und sich auch eher mit lange etablierten Angeboten zu beschäftigen. Die Öffentlichen Bibliotheken verschiedener Grössen und Communities – also in Toronto’s Innenstadt und weiter draussen, bei einer First Nation und auch in kleineren Gemeinden im Norden – waren alle mit dem gleichen Sommerleseprogramm beschäftigt. Nicht nur war dieses landesweit organisiert, sondern auch viel weiter beworben, z.B. in den U-Bahnen und Strassenbahnen Torontos, viel stärker etabliert und organisiert – bei der Nipissing First Nation wurde z.B. der Schulbus eingesetzt, um Kinder aus anderen Siedlungen für diese Veranstaltung zur Bibliothek zu bringen (während der Ferien, die gerade waren) – , als die Lesesommer-Programme in deutschen und schweizerischen Bibliotheken (die selbstverständlich für sich genommen grossartig sind), und war zudem stark inklusiv angelegt; nicht nur im „liberalen“ Toronto, sondern auch in den kleinen Bibliotheken fanden sich z.B. die Flyer dazu in Braille. Zudem war das Progamm so etabliert, dass es als vollkommen selbstverständlich galt.

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Die Bibliotheken, zumindest die Öffentlichen, haben allesamt Veranstaltungen und kleine Angebote, die zur jeweiligen Community zu passen scheinen, z.B. Veranstaltungen dazu, wie man Library Ressorces nutzen könnte, um ein kleines selbstständiges Unternehmen aufzubauen in Toronto (in der grossen Bibliotheken gleich beim Financial District) oder die Ausleihe von Angelsachen in North Bay (das direkt am Nipissing und zwischen zahllosen anderen Seen und Flüssen liegt). Aber diese Angebote standen alle relativ am Rand. Die Bibliotheken scheinen nicht so sehr davon besessen zu sein, wir in Europa, noch mehr „öffentlich“ zu werden, als sie es schon sind. Nur die grosse ÖB und die Universitätsbibliothek in Toronto (aber nicht die in North Bay) hatten ein Cafe bzw. eine Cafeteria. Die anderen… einfach nicht.

Zudem boten die Öffentlichen Bibliotheken immer einen Bestand über die lokale Geschichte, meist Sammlungen von Broschüren und Zeitungsausschnitten in einem gesonderten Schrank. Ich habe niemand gesehen, der oder die diese Sammlungen benutzte, aber auch sie gehören offenbar einfach zu einer ÖB in Ontario (und ich vermute mal, auch im Rest von Kanada).

Akzeptiert scheint, dass die Bibliotheken Angebote für Kinder machen. Sonst vor allem: Bücher, Bücher, Bücher und Plätze zum Lesen.2

Dabei, dass muss man sagen, sind die Bibliotheken sehr gut besucht. Ausserhalb der Kinderabteilungen war es überall erstaunlich ruhig, aber nicht, weil keine Menschen da waren, sondern weil sie ruhig dasassen und lasen bzw. am Rechner sassen (eher an Bibliotheksrechnern als am eigenen Laptop) bzw. durch die Regalen gingen. Eine Bibliothek haben wir z.B. besucht, gleich nachdem sie nach der Mittagspause aufmachte3 und während wir uns mit der Bibliothekarin unterhielten, kamen mehrere ältere Menschen, nahmen eine Zeitung, setzten sich in die Ecke und liessen sich von nichts mehr ablenken. Das geschah so ruhig, dass ich sie erst nach dem Gespräch bemerkte, als wir Bilder der Bibliothek machten; obwohl die Bibliothek nur aus einem (grossen) Raum bestand.

Es gibt selbstverständlich auch in Kanada Kolleginnen und Kollegen, die ständig Neues versuchen, aber ich habe von den Besuchen auch mitgenommen, dass gute Bibliotheken in Kanada, wenn sie etabliert in ihrer Community sind, nicht unbedingt ständig innovativ etc. sein müssen, sondern von vielen Menschen offenbar als offener Raum mit vielen Büchern, Arbeitsplätzen, Computern, einer ruhigen Atmosphäre und Angeboten für Kinder geschätzt und genutzt werden. (Das ist nicht polemisch gemeint. Etabliert heisst wirklich etabliert. Als es an einem Tag überheiss war, bemerkte die Moderatorin im lokalen Radio z.B., dass die Bibliothek ein super Ort wäre, um den Tag im Innern zu verbringen; eine Bibliothek, die aussah, wie seit den 1980ern nicht mehr gross verändert, aber doch so etabliert, dass für sie von anderen Werbung gemacht wird.)

Die Bibliotheken

University of Toronto: Robarts Library, iSchool, Thomas Fisher Rare Book Library

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In diesem Auswuchs des Brutalismus (was eine wirkliche Architektur-Richtung ist) befindet sich die University Library der University of Toronto (Robarts), in einem Seitenflügel die Thomas Fischer Rare Book Library und in einem anderen die iSchool, also die School of Library and Information Science.

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Auch vom Nahen ist es eine „Festung der Bücher“ (eine Bezeichnung, die sich im Gebäude tatsächlich findet).

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Man sieht dem Gebäude die 80er Jahre an. In der Bibliothek bewegt man sich frei zwischen den Etagen, aber es hat den Eindruck einer Parallelwelt.

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Ein bedienter Tresen.

Die iSchool

Thomas Fischer Rare Book Library

Der interessanteste Teil des Gebäudes ist die Rare Book Library. Hier sind die Bücher noch einmal durch einen gesonderten Zugang gesichert. Aber… imposant. Gleichzeitig ist dies (wie auch andere Teile des Gebäudes) Platz für Ausstellungen, aktuell über Lesepropaganda unter Mao.

Art Gallery of Ontario, Library

Die Art Gallery of Ontario zeigt u.a. viele kanadische Kunst (Wobei, was ist kanadische Kunst? Das ist so einfach nicht zu beantworten, da lange ein Grossteil der Kunst, die in Kanada gemacht wurde entweder ignoriert wurde – wenn sie von First Nations kam – oder sehr europäisch war, und selbst dann, als sie – mit der Gruop of Seven, wie wir gelernt haben – „kanadisch“ wurde, sehr am skandinavischer Kunst orientiert war, halt nur besessen von der „great canadian landscape“… Aber das ist eine andere Frage.) und hat eine Museumsbibliothek, die auch für die langfristige Nutzung von Forschenden genutzt wird.

Toronto Reference Library

Die grösste Öffentliche Bibliothek in Toronto ist die Reference Library. Vorne mit Café (eine Kette) und Buchladen (spezialisiert auf gut gedruckte Bücher), selber mehrere Etagen hoch und beeindruckend weitläufig, mit Infrastruktur wie Veranstaltungsflächen und schliessbare Glaskästen zum ruhigen Lernen, zudem Computercentre und Mediaspace, in dem man selber Bücher drucken kann. Teile sind offensichtlich renoviert und neu gemacht (dann auch oft mit Namen der Sponsoren), aber im ganzen hat sie auf den Charme einer etwas verbrauchten Einrichtung, die gut genutzt wird. Es ist erstaunlich ruhig. Gleichzeitig mit vollem Programm.

Die Bibliothek liegt an einer Ecke, in der aktuell die richtige Stadt (also die lebendige, mit Wohnhäusern, kleinen Geschäften, Leben auf der Strasse) von Condos und Finanzbauten (die dann selber mehrere Dutzend Etagen hoch sind) „vertrieben“ wird (d.h. abgerissen und überbaut). Das wird sich die Nutzung der Bibliothek auswirken.

Toronto: High Park Public Library, Beaches Branch Public Library

Diese beiden Filialen der Öffentlichen Bibliothek in Toronto sind beide noch in Original-Gebäuden, die als „Carnegie-Bibliotheken“ geplant und finanziert wurden untergebracht (es gibt noch eine dritte im Stadtgebiet). Carnegie hatte damals ja strenge Regeln, für welche Bibliotheken er Geld zuschoss, so dass die Strukturen immer gleich sind. Das sieht man auch in diesen Branches (die beide später Anbauten erhielten und beide fast 100 Jahre alt sind): zwei Etage, unter die Kinder und ein Veranstaltungsraum, oben der Pult an zentraler Stelle mit Überblick in den Raum, Kamin, lichtdurchlässig, diese zweite Etage auch auf das stille Lesen ausgerichtet. Obwohl umgebaut, ist die Grundstruktur immer noch klar zu sehen.

High Park Public Library

Beaches Branch Public Library

Temagami Public Library

Temagami ist eine Siedlung mit rund 850 Einwohnerinnen und Einwohnern (und, wenn ich das richtig verstanden habe, noch einer Zahl Menschen drumherum, für die diese Siedlung ein Zentrum darstellt). Direkt am Lake Temagami gelegen gibt es ein Community Center mit einer Bibliothek (es gibt auch ein Post Office, Supermarkt und Imbissstände; erstaunlich viel für 850 Personen). Angesichts dieser Lage ist die Bibliothek erstaunlich gross und hat ein sehr komplettes Angebot.

North Bay Public Library

North Bay ist eine Stadt von rund 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, etwas weniger als 400 Kilometer nördlich von Toronto, mit einer gewissen Zentrumsfunktion. Im Vergleich zu anderen Städten der Region, die wir besucht haben, erstaunlich gut funktionierend. Die kulturelle Infrastruktur ist schon erstaunlich, z.B. Hipster-Bar, Health-Shop, Comicladen etc. Die Bibliothek liegt gleich neben der City Hall (wobei die City dort steht, wo lange eine Carnegie-Library stand, die dann als City Hall genutzt wurde, als 1966 das neue Bibliotheksgebäude eröffnet wurde. Der Eindruck ist komisch: Einerseits sieht die Bibliothek verbraucht und irgendwie in der Zeit irgendwann in den 80er, 90er Jahren steckengeblieben; andererseits ist sie voll und etabliert.

Nipissing First Nation Public Library

Die Nipissing First Nation ist ebenso eine kleine Gemeinschaft von rund 1500 Menschen, in deren Siedlung Garden Village, direkt am Nipissing, gibt es neben dem Community Centre eine Public Library, untergebracht in einem eigenen Gebäude, dass von aussen nicht sehr gross, von innen dann aber doch ausreichend gross aussieht. (Benutzt wird in dieser Bibliothek die DDC. Ich hatte zuvor von der Brian Deer Classification gelesen, die von First Nations in Kanada, USA, Australien und Neuseeland verwendet werden und ganz anders funktionieren soll, als die DDC. Aber leider habe ich die nicht „in Aktion“ gefunden.)

Harris Learning Library, Nipissing University Library, North Bay

Die Nipissiong University hat einen eigenen Campus, der zwar auf dem Stadtgebiet von North Bay liegt, aber so gebaut ist, dass man sich eigentlich nicht von ihm fortbewegen muss, d.h. alles Nötige ist da: Unterrichtsräume, soziale Angebote wie Sporträume, Wohnungen, Mensa, Blick auf den See und in die Wälder, und auch einen Bibliothek. Man sieht, dass sie recht neu ist und mit Platz nicht sparen muss (was kanadisch zu sein scheint: ausser in der Mitte Torontos ist einfach alles viel grösser und weiter). Sichtbar ist auch, dass die Bibliothek eine Bibliothek zum Lernen ist, erstaunlich ist aber auch hier, wie viele Bücher in dern Regalen stehen. Zudem gibt es, was sich aus der Ausbildung von Lehrpersonen erklärt, Sammlungen von Lehrmitteln.

Sudbury, Ontario: Free Speech

Sudbury ist die nächste grosse Stadt von North Bay aus, 160.000 Einwohnerinnen und Einwohner und ganz anders als North Bay eine der Städte, wie man sie aus der Literatur von untergehenden nordamerikanischen Städten kennt. Keine Ahnung, wie die wirtschaftliche Situation tatsächlich ist, aber die Innenstadt sieht aus, als wäre sie tot. Viele freie Flächen, viele geschlossene Geschäfte und Häuser, die verfallen, viele billige Läden, eine grosse Anzahl von Menschen, die obdachlos und/oder Teil der offenen Drogenszene sind. Dazwischen aber erstaunliche Restaurants, in die man eintritt und dann in einer ganz anderen Welt ist. Wir waren in einem, dass neben leeren Geschäften liegt, von aussen aussieht, wie eine Bierkneipe, aber dann drinnen auf einmal ein italienisches Restaurant mit Comic-Stil ist. Das Essen erstaunlich gut (aber viel zu viel, diese Megaportionen). Geht man raus, füllt man sich wieder wie in einem untergehenden Stadtzentrum.

Sudbury hat Öffentliche Bibliotheken, wir haben keine besucht. Aber ich fand diesen, well, interessanten Flyer an der Ampel, der dazu einlud, den revolutionären Kommunismus kennenzulernen, mit dem man den eigenen Boss, den Vermieter, die Bullen und andere Klassen-Feinde überwinden kann. Grossartig, oder? So einfach ist es offenbar. Und vierfarbig gedruckt, weil dass ist es, wie man sich revolutionären Kommunismus vorstellt. Was ich interessant fand, war, dass die drei Veranstaltungen dazu nicht irgendwo stattfanden, sondern in drei Branches der Public Library. Ich bin mir fast sicher, dass dies nicht passiert, weil die Bibliothekarinnen und Bibliothekare dem revolutionären Kommunismus anhängen, diese Räume für die Revolution enteignet und zu „richtigem Volkseigentum“ gemacht haben, sondern weil die Bibliotheken sich als das verstehen, was in den bibliothekarischen Ethik-Text immer wieder steht: Als Ort der Freien Meinungsäusserung.

(Hier steht mehr zu der Gruppe. Vielleicht ist der Plan doch nicht so gut, wie er dargestellt wird. Überraschend…)

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Fussnoten

1 Bzw., jemand hat das schon getan und ein Ausmal-Buch daraus gemacht: http://allthelibraries.ca/.

2 Man muss aber auch erwähnen, dass wir erstaunlich viele Buchhandlungen gesehen und besucht haben. Nachdem man über die USA hört, dass dort ausserhalb der grossen Städte fast alle Buchhandlungen eingegangen seien, war es doch erstaunlich – obwohl Kanada selbstverständlich nicht die USA ist –, wie viele Bücher zu kaufen waren. Fast überall. In North Bay, dass nur etwas grösser ist als Chur, gibt es z.B. eine riesige Second Hand Buchhandlung, nach Eigenangaben mit rund 2.5 Kilometern laufenden Büchern, zudem einen Comic-Buchladen und bestimmt noch mehr Shops, die wir nicht gesehen haben (weil die Koffer eh schon zu voll waren). Und Toronto… zu viele Bücher, um sie zu tragen. Aber alleine auf dem Weg zum Glad Day – der als ersten Gay Book Store der Welt gilt, keine Frage, das der besucht werden musste – sind wir an zwei anderen Buchläden vorbei (okay, hinein) und haben andere gekonnt ignoriert. Der Tod des Buches durch die E-Books… nicht in Kanada. Das wird sich auch auf die Bibliotheken auswirken.

3 Ja, Mittagspause, wo die Bibliothek geschlossen hatte. Und das war nicht nur in dieser Bibliothek so, sondern scheint in den kleinen Gemeinden normal. Nicht nur für Bibliotheken, sondern auch z.B. für Post Offices (weshalb ich keine Postkarte aus Nöelville schicken konnte, was sehr ärgerlich ist, weil… Nöelville; wer will denn keine Post aus einer Weihnachtsstadt schicken?). Aber mit einer Diskussion um Sonntagsöffnungszeiten muss man in diesen Gemeinden gar nicht erst anfangen. In Toronto ist die Situation selbstverständlich anders.

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Am Beginn der modernen Schulbibliotheksentwicklung (in den USA) (Zur Geschichte der Schulbibliotheken XIII)

„Today’s school library is not a dusty tomb of silence, but a beehive of varied, quiet, activity. Gone is the Victorian ‚keeper of the books‘, replaced by a dynamic, skilled professional with a keen knowledge of the age groups with which he works.“ (Joseph G. Hibbs in: Bowers, 1971:VII)

Die Zentralbibliothek Zürich hält, aus Gründen die wohl nicht mehr zu rekonstruieren sein werden, fünf Bücher aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren zu Schulbibliotheken in den USA, veröffentlicht im gleichen US-amerikanischen Verlag, Scarecrow Press, und zudem alle von der gleichen Person – Albert Daub – gespendet. (Bowers, 1971; Lowrie, 1970; Saunders, 1968; Saunders & Polette, 1975; Swarthout, 1967) Diese kleine Sammlung erscheint nicht ganz zufällig, aber sie ist nur eine Auswahl der Bücher welche in diesem Zeitraum zu US-amerikanischen Schulbibliotheken erschienen. Auffällig ist zum Beispiel, dass Medien aus anderen Verlagen nicht vorhanden sind. Angesichts dessen, dass die Zentralbibliothek Zürich in gewisser Weise darauf stolz ist, keine Medien auszusondern, sondern die einmal erworbenen zu behalten, scheint dies intendiert gewesen zu sein. Offenbar wurden die Medien der anderen Verlage nicht angeschafft. Wieso es gerade diese Bücher sind, die es nach Zürich geschafft haben, ist aber schwer zu sagen.

Dennoch vermitteln sie zusammengenommen einen Einblick in eine interessante Zeit der Schulbibliotheksentwicklung, nämlich den Zeitpunkt, an welchem in den USA Schulbibliotheken im modernen Sinne etabliert wurden; nur etwas früher als in den deutschsprachigen Staaten, wenn auch viel nachhaltiger. Zusammengenommen wird in den fünf Büchern sichtbar, dass diese Zeit zuerst von einem grossen gesellschaftlichen Reformwillen getragen war, der sich auch auf Schulbibliotheken niederschlug, vor allem von einem grossen Optimismus bezüglich der Möglichkeit, gesellschaftliche Infrastrukturen im grossen Rahmen planen und für eine gerechtere Gesellschaft zu nutzen. Gleichzeitig – hier vor allem im Vergleich von Saunders (1968) mit Saunders & Polette (1975) – wird auch sichtbar, wie schnell dieser Optimismus umschlug in ein „professionelles“, an der Verwaltung des Bestehenden orientiertes Denken. In der historischen Rückschau ist es ein wenig ein Blick in eine mögliche Zukunft, die dann – aus Gründen, die mit Schulbibliotheken wenig, aber mit gesellschaftlichen Umschwüngen viel zu tun hatten – nicht eintraten und gleichzeitig auf den Anfang der Wege, in denen sich heute Schulbibliotheken bewegen.

Bemerkenswert sind zwei Dinge: Erstens, wie modern die meisten dieser Texte heute noch klingen. Vieles findet sich in ähnlicher Diktion, wenn auch teilweise mit abweichenden Terminologien, noch heute in Texten zu Schulbibliotheken – nur oft vor einer anderen gesellschaftlichen Realität und ohne den Verweis oder auch das Wissen, dass die Aussagen nicht neu sind, sondern schon einmal getroffen wurden. Zweitens zeigen die Bücher auch, dass Schulbibliotheken, so wie heute über sie geredet wird, keine Einrichtungen sind, die unendlich weit in die Schulgeschichte zurückreichen, sondern um Einrichtungen, die so, wie sie heute existieren, erst mit den gesellschaftlichen Umschwüngen Ende der 1960er Jahre möglich wurden, insbesondere mit der Betonung der Individualität der Schülerinnen und Schüler und dem Ziel von Schulen, deren individuelle Entwicklungen zu unterstützen.

Umbruchzeiten

Mehrere der Bücher berichten in kurzen Abrissen davon, wie sich Schulbibliotheken zumindest auf der offiziellen Ebene in den 1960er entwickelten.

Standards und Gesetze

1960 wurden von der American Association of School Librarians (AASL), die damals rund zehn Jahren als eigenständiges Mitglied der American Library Association (ALA) existierte, in Zusammenarbeit mit einer Reihe von pädagogischen und bibliothekarischen Vereinigungen und staatlichen Einrichtungen „Standards for School Library Programs“ formuliert. Zuvor gab es eine kleine Anzahl von „Statements“ der AASL, die eine Verankerung von Bibliotheken in Schulen forderten. Wichtig war offenbar für die Standards – die ja per se noch nichts bedeuten, weil ihnen niemand folgen müsste – ein Projekt der ALA, das School Library Development Project, in welchem das Erstellen von solchen langfristigen Programmen für Schulbibliotheken in einzelnen Bundesstaaten finanziert wurde, die auf der Basis des allgemeinen Standards von mehreren Akteuren in den einzelnen Staates erarbeitet werden sollten. Dies führte – so zumindest die Darstellung bei Saunders (1968) und Saunders & Polette (1975) – dazu, dass diese auch verbreitet wurden. Zudem wurden 1965 der „Elementary and Secondary Education Act of 1965“ erlassen, der es unter anderem ermöglichte, Bundesgelder für Bibliotheken in allen Schulen der USA einzusetzen. Bei diesem Gesetz handelte es sich um das bis dahin umfangreichste und einflussreichste Werk dieser Art für die US-amerikanische Bildungspolitik; Schulbibliotheken kamen im Gesamt eher am Rande vor.

1969 wurden dann die Standards, die Saunders (1968) und Saunders & Polette (1975) als wichtige Meilensteine ansehen, überarbeitet und mit den „Standards for School Media Programs“ – die umfangreiche Forderungen zur Ausstattung von Schulbibliotheken stellten – ersetzt. In Saunders & Polette (1975) wird versucht, den Einfluss dieser Publikation positiv darzustellen, aber dies gelingt kaum:

„[…] the publication entitled Standards for School Media Programs was an attempt to define clearly the roles of the members of the library/media center team and to provide both quantitative and qualitative standards for library/media programs. […] However, many educators studied primarily the quantitative standards and reacted negatively to what they considered a [sic!] utopian view of materials, staffing and facilities. They ignored the rationale behind the Standards and thus, these Standards did not have quite the impact of the 1960 Standards.” (Saunders & Polette, 1975:5)

Die Standards scheinen – vielleicht vergleichbar mit dem Schicksal des kurz später in der Bundesrepublik erschienen der Bibliotheksplan ’73 – die eigentlich angesprochenen Verantwortlichen nicht überzeugt zu haben, egal wie sie argumentierten.

1975 zumindest wurden schon die nächsten, stark reduzierten Standards publiziert. Auch wenn Erfahrungen nicht direkt aus der US-amerikanischen Geschichte in europäische Verhältnisse übertragen werden können, ist es doch beachtlich, dass die Wirkungen der Standards – vor allem ohne finanzielle Rückendeckung – offenbar innerhalb weniger Jahre nicht mehr überzeugend waren, während heute in der Schweiz auf Richtlinien für Schulbibliotheken gesetzt und dies für Deutschland auch immer wieder als positives Beispiel hingestellt wird.

Knapp Foundation Project

Ein Projekt, dass – in zwei Phasen – von 1963 bis 1967 lief und von einer Knapp Foundation finanziert wurde, taucht in den fünf Büchern mehrfach auf. Dieses Knapp Foundation Project wurde in gewisser Weise umfangreicher, als heutige vergleichbare Projekte konzipiert: In einer ersten Phase wurden insgesamt acht Schulbibliotheken in Elementary Schools mithilfe des Geldes der Stiftung massiv ausgebaut, was nicht nur einen materiellen, sondern auch inhaltlichen Aufbau bedeutete. In einer zweiten Phase dienten diese Schulbibliotheken als Demonstrationseinrichtungen, die von über 100 Personen aus anderen Schulen jeweils einen Tag lang – inklusive Gesprächen mit den Schulkräften und Bibliothekspersonal – besucht wurden (wobei die Kosten für diese Besuche auch vom Geld der Stiftung getragen wurden).

In einem Artikel, der auf den Archivmaterialien zu diesem Projekt aufbaut, beschriebt Cara Bertram dessen Ziele wie folgt:

„The project had four objectives: The first was to demonstrate the educational value of school libraries. The second was to promote improved understanding and use of library resources by teachers and administrators. The third objective was to guide other libraries to develop their own programs by having them observe the demonstration schools. And the last objective was to increase interest and support for school library development by producing and circulating information about the program and the demonstration schools.“ (Bertram, 2014)

Diese Ziele lesen sich wie die ähnlicher Projekte, die seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum durchgeführt werden, zuletzt 2009-2011 in Hamburg (Schuldt, 2012): Schulbibliotheken werden mit finanzieller Unterstützung aufgebaut und relativ intensiv gefördert, dies wird mal mehr mal weniger dokumentiert und sich dann erhofft, dass dies dazu führt, dass anderswo eigenständige Schulbibliotheken in der gleichen Form entwickelt werden. Gleichzeitig wird gehofft zu zeigen, dass Schulbibliotheken funktionieren können, weil angenommen wird, dies sei bislang nicht ausreichend geschehen. Das Knapp Project ging darin weiter, direkt die Verbreitung des Wissens aus den geförderten Schulbibliotheken heraus zu organisieren.

Wenn es in den fünf Büchern erwähnt wird, dann mit grossem Wohlwollen. Offensichtlich versprachen sich in den USA diejenigen, die zu Schulbibliotheken publizierten, viel von diesem Projekt. Die Auswirkungen des Projektes sind aus den Büchern allerdings nicht zu ersehen, interessant ist aber, dass grundsätzlich – wenn auch oft auf der Seite „Verbreitung der Ergebnisse“ vermindert – viele Projekte im Schulbibliotheksbereich immer noch so funktionieren, wie in den 1960er Jahren (obgleich sie – aber das ist Projektlyrik, die so sein muss, um überhaupt Geld zu beantragen – immer wieder behaupten, innovativ zu sein).1

Das Wachstum der Schulbibliotheken und das Moderne der modernen Schulbibliotheken

Das Buch von Jean Elizabeth Lowrie (Lowrie, 1970), welches die ZB Zürich besitzt, ist die zweite Auflage. Die erste wurden 1960 publiziert, Besuche in Grundschulbibliotheken, die als Grundlage des Buches dienten, fanden 1957 statt. Die Autorin reflektiert die Entwicklung zwischen diesen Besuchen und der zweiten Auflage als rasantes Wachstum von Schulbibliotheken in den USA und gleichzeitig als eine Zeit, in welcher sich diese als unabkömmliche Einrichtung etablierten:

„The growth of the elementary school library program over the past three decades has been tremendous. It has become a segment of the modern elementary school program which has more than justified its existence in situations where it has been allowed to come to fruition. This can be attributed to research in child growth and development, to new methods of teaching, and to changes in the concepts of school library service.” (Lowrie, 1970:12)

Diese Darstellung vermittelt eine Haltung, die sich auch in den anderen Büchern – ausser in Saunders & Polette (1975) – findet: Die Überzeugung, dass die modernen Schulbibliotheken sich ungefähr in den 1960er Jahren verbreitet und etabliert hätten. Die Bücher, die zum Teil eigentlich den Anspruch haben, die Entwicklung von Schulbibliotheken zu unterstützen – ebenso wie das Knapp-Projekt – scheinen deshalb in gewisser Weise „zu spät“ erschienen zu sein: Nämlich nach dem Wachstum, mit dessen Auswirkungen umzugehen ist. Auffällig ist, dass sich durch die gesamten Texte eine optimistische Grundhaltung finden lässt, einzig die spätere Publikation von Saunders & Polette (1975) – die ebenso eine überarbeitete zweite Auflage darstellt – ist weniger optimistisch und klingt eher fordernd; so, als ob die Zeit des Neubeginns vorbei sei und jetzt Professionalität herzustellen wäre.

Was alle der Bücher versuchen, ist, die modernen Schulbibliotheken – auch in Abgrenzung zu den Schulbibliotheken zuvor, die es offenbar auch gab, wenn auch lange nicht so verbreitet – zu beschreiben:

  • Lernen in den Elementary School hiesse Lernen in vielen unterschiedlichen Kontexten, unter Einbezug von verschiedenen Medien, sowohl individuell als auch in Klassen, Problem-solving statt Faktenlernen, Kinder würden als Individuen ernst genommen. Einen solchen Kontext müssten die Kinder eine Schulbibliothek haben, um sowohl Lesen zu lernen als auch Nachschlagewerke nutzen zu können. (Lowrie, 1970)

  • Eine moderne Schulbibliothek würde bestehen als space (inklusive Arbeitsplatz für Klassen, „Space is necessary to help create the friendly, helpful, pleasant climate that will both attract patrons to the facility and be condicive to a healthy study and browsing environment.“ (Bowers, 1971:9)), material (alle Medien der Schule, die direkt zur Verwendung bereitstehen würden), service (Schulbibliotheken seien definiert durch die Services, die sie zum „educational program of the school“ (Bowers, 1971:10) beitragen würde, sowie speziellen Angeboten), instructional center (für die Bibliotheksbenutzung und das für das Lesen) sowie dem personnel (bibliothekarisch ausgebildet, aber mit Unterrichtserfahrung, denn „The professional librarian should be many things to a school, but first and above all he is a teacher.“ (Bowers 1971:13))

  • Schulbibliotheken würden benötigt, da es immer mehr Materialien gäbe, die im Unterricht benutzt würden (Bowers 1971)

  • Unter den neuen Medien, die von der Schulbibliothek zu verwalten wären, würden sich vor allem audiovisuelle Medien finden, wobei Bücher beziehungsweise Texte für moderne Unterrichtsformen weiter notwendig wären. (Swarthout, 1967)

  • Schulbibliotheken würden den Unterricht verändern, nicht nur ergänzen, können: „Good school libraries make curriculum change and educational innovation possible: Their collections of materials make it possible to extend the scope of learning beyond that available from any single textbook. To achieve its potential for curriculum development, the school library must become a fully functioning part of the instructional system.“ (Swarthout, 1967:205)

  • Schulbibliotheken müssten das Ziel haben, effektiv zu arbeiten und alle Mitglieder der Schulgemeinschaft zu erreichen: „The goal of the school library administrator is effective utilization of the materials and services by every student and teacher in the school; consequently, all other activities of the library lead to this objective.“ (Saunders, 1968:3)

Oder anders: Grundsätzlich scheinen sich die Versprechen davon, was Schulbibliotheken können und die Forderungen, was für und mit ihnen zu tun wäre, die in den 1960er und 1970er Jahren in den USA publiziert wurden, kaum von dem zu unterscheiden, was heute (noch) in Deutschland oder der Schweiz über Schulbibliotheken gesagt wird. Ebenso scheint der „moderne“ Unterricht in den späten 1960ern sich nicht so sehr von „modernen“ Unterricht, wie er in den letzten Jahren etabliert wurden oder zumindest werden sollte, zu unterscheiden. (Was auch erstaunlich ist: Hat sich das mit dem „Kinder als Individuen anerkennen“ in den 1970ern einfach nicht durchgesetzt? Ist es zurückgegangen? Oder warum wird das heute wieder betont?) Der „grosse Bruch“ scheint nicht in den letzten Jahren, sondern in den 1960er und 1970er Jahren stattgefunden zu haben.2

Utopien sterben

Interessant ist der Unterschied von The Modern School Library: Its Administration as a Materials Center (Saunders, 1968) und The Modern School Library (Saunders & Polette, 1975). Ersteres ist ein Versuch, alles, was für das Führen einer Schulbibliothek benötigt wird, zusammenzufassen, letzteres ist die Überarbeitung dieses Buches, wobei relativ weitläufige Änderungen vorgenommen wurden.

Das erste Buch spriesst über von Optimismus und Begeisterung. Die Autorin gliedert das Buch zwar in Kapitel, aber ansonsten springt sie thematisch immer wieder zwischen der Schilderung grosser, teilweise abstrakter Zusammenhänge und der Schilderung einzelner Beispiele und Projekte. Jedes Kapitel enthält eine lange Liste von Quellen. Teilweise will das Buch Überzeugen, teilweise Anleiten. Es ist nicht immer stringent, aber motivierend. Die Überarbeitung ist das Gegenteil. Hier ist der Text auf eine einheitliche Abstraktionshöhe getrimmt, es wird wenig argumentiert, dafür werden klarere Anweisungen gegeben. Alles ist klarer: Es werden nur noch wenige, genauer ausgewählte Quellen genannt und das auch nur an einer Stelle. Der Text ist aufgeräumter. Die Schulbibliothek wird als professionell geführte Einrichtung beschrieben, aber es gibt keinen Ausblick auf Entwicklungen oder Fragen nach der Sinnhaftigkeit von Schulbibliotheken mehr. Schulbibliotheken gelten als gut, also müssen sie geführt werden. Es ist ein wenig so, als wäre das erste Buch die Widerspiegelung des von den Hippies und sozialen Bewegungen geprägten Aufbruchs in eine besser Gesellschaft, in der Zukunftsentwürfe und der persönliche Einsatz zählten und das zweite Buch dann eine Widerspiegelung eines scheinbar abgeklärten, aber wenig einfallsreichen und vor allem nichts mehr gross verändernden Liberalismus – oder anders: als würden die beiden Bücher die grundsätzlichen Entwicklungen der US-amerikanischen Gesellschaft der damaligen Jahre mitvollzogen haben. Das ist schon erstaunlich, beziehen sie sich doch nicht auf Gesellschaft, Kunst oder Musik – und vermeiden es zum Beispiel, über den Vietnam-Krieg zu reden –, sondern auf Schulbibliotheken.

Scheinbar ist das Schreiben über Schulbibliotheken – auch wenn es sich um Handbücher dreht – sehr stark an die vorherrschenden gesellschaftlichen und pädagogischen Diskurse gebunden, was die Frage aufwirft, was genuin „schulbibliothekarisch“ an den Texten über Schulbibliotheken ist. Das sichtbarste Zeichen dieser Verschiebung ist das jeweils letzte Kapitel der beiden Bücher. Bei Saunders (1968:176-191) heisst dieses „The Future: A Forecast of Things to Come“ – wobei quasi alle Vorhersagen falsch sind, insbesondere die, dass in den folgenden Jahren Soziale Gerechtigkeit ein Hauptthema der US-amerikanischen Gesellschaft sein würde –, bei Saunders & Polette (1975:162-181) „Evaluation of the LMC [Library Media Center, KS.] Program and Personnel“. Ging es Ende der 1960er Jahre noch um die Zukunft, geht es Mitte der 1970er um die Überprüfung der Arbeit von Schulbibliotheken und um wenig mehr.

Literatur

Bertram, Cara (2014). Knapp School Libraries Project. In: American Library Association Archives at the University of Illinois Archives (Blog), http://archives.library.illinois.edu/ala/knapp-school-libraries-project/

Bowers, Melvyn K. (1971). Library Instruction in the Elementary School. Metuchen, N.J. : The Scarecrow Press, 1971

Lowrie, Jean Elizabeth (1970). Elementary School Libraries. Metuchen, N.J. : The Scarecrow Press, 1970

Saunders, Helen E. (1968). The Modern School Library: Its Administration as a Materials Center (First Edition). Metuchen, N.J. : The Scarecrow Press, 1968

Saunders, Helen E. ; Polette, Nancy (1975). The Modern School Library (Second, completely revised Edition). Metuchen, N.J. : The Scarecrow Press, 1975

Schuldt, Karsten (2012). Doppelarbeit und Wiederholungen beim Versuch, Schulbibliotheksnetzwerke aufzubauen. In: LIBREAS. Library Ideas 20 (2012) 1, http://libreas.eu/ausgabe20/texte/03schuldt.htm

Swarthout, Charlene R. (1967). The School Library as Part of the Instructional System. Metuchen, N.J. : The Scarecrow Press, 1967

Fussnoten

1 Es existiert ein Evaluationsbericht – Sullivan, Peggy (ed.) (1968) / Realization : the final report of the Knapp School Libraries Project. Chicago : American Library Association –, aber den an den bin ich bislang nicht gelangt. Falls jemand den zur Hand hat, würde ich ihn gerne einmal ausborgen.

2 Ähnliches findet sich in deutschsprachigen Publikationen ab den 1970er Jahren. Zuvor wurden Schulbibliotheken beispielsweise oft mit der Aufgabe in Verbindung gebracht, gegen „Schundliteratur“ vorzugehen. Das findet sich nach 1970 nicht mehr.

Bewegen sich Bibliotheken vielleicht einfach mit der Gesellschaft mit?

Silvester 2014/2015 und die Tage drumherum verbrachte ich in Amsterdam. Für Bibliothekarinnen und Bibliothekare ist diese Stadt bestimmt auch wegen der Openbare Bibliotheek Amsterdam bekannt, beziehungsweise dem 2007 bezogenen neuen Gebäude der Zentralbibliothek dieser Stadtbibliotheken auf dem Oosterdok gleich um die Ecke von der Centraal Station. Dieser Neubau erhielt nach der Eröffnung reichlich Beachtung, beispielsweise ‒ allein auf deutsch ‒ mit Beiträgen von Gernot U. Gabel in der B.I.T. online, von Sarah Dudek in der BuB oder Hermann Romer in der SAB-Info/Info-CLP (S. 6). In fast jeder Publikation zu Bibliotheksbauten in Europa, die in den letzten Jahren erschienen ist, kommt die Bibliothek ebenso vor. Der Ruf ist gut: Jung ist die Bibliothek, attraktiv, innovativ, mit einem grossen Angebot von Veranstaltungen.

Da meine Begleitung zum Glück ebenso bibliotheksaffin ist wie ich, war es überhaupt kein Problem, dass Gebäude gleich am ersten Abend zu besuchen. Und ja: es ist eine schöne, passende und attraktive Bibliothek; die in der offenen und liberalen Grossstadt Amsterdam offenbar gut funktioniert. Gross, hell, mit vielen flexibel zu nutzenden Arbeitsplätzen, mit vielen Veranstaltungen.

Ausgeschilderter Weg zu Bibliothek.

Ausgeschilderter Weg zu Bibliothek.

Ordentliche Öffnungszeiten.

Ordentliche Öffnungszeiten.

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Obwohl wir am 30.12. vorbeigingen, war die Bibliothek in voller Nutzung. Und es gibt in ihr wirklich vieles, was heute in Öffentlichen Bibliotheken zur Innovation gezählt wird: flexibel zu nutzende Flächen, Ausstellungen (sowohl im Untergeschoss, als auch zwischen den Beständen, teilweise passend zu den jeweiligen Teilbereichen), ein Veranstaltungsprogramm, das mit Workshops, Konzerten und vielem mehr über die einfache Lesung hinausgeht, freundliches Personal, dass auf der gleichen Höhe wie die Nutzerinnen und Nutzer sitzt, Plätze mit viel Licht und Ruhe zum Arbeiten und Plätze mit gemütlichen Sitzgelegenheiten und Blick über die Stadt; Medienstationen für Musik, ein kleines Kino mitten im Bestand, Kunst in der Kunstabteilung, eine lockere und liberale Atmosphäre. Es gibt nichts auszusetzen.

Und dennoch: als wir am Ende unseres Rundgangs im Restaurant im Stockwerk über der Bibliothek (mit gesundem, nachhaltigen und im Vergleich zu den Preisen in der Altstadt durchschnittlichen Preisen; obwohl es von einer Kette betrieben wird) sassen, hatte ich das Gefühl, dass alles schon zu kennen. Dieses übermässige Weiss überall; diese Einbindung unterschiedlicher Medien; diese lockere Atmosphäre. Irgendetwas stimmte nicht. Ich denke es ist Folgendes: Nichts an dem, was zu sehen ist, war besonders grossartig, innovativ oder neu. Alles war okay, aber bei allem Respekt hatte ich überhaupt kein Neuigkeitsgefühl in dieser Bibliothek.

Wie gesagt: Ich finde sie gut. Soweit ich das mit einem Besuch (an einem etwas untypischen Tag) bewerten kann, ist es eine gut integrierte und gut funktionierende Bibliothek, die sich aktuell hält.

Musikabspielstation.

Musikabspielstation.

Kleines Kino für Bibliotheks-DVDs

Kleines Kino für Bibliotheks-DVDs

Radio direkt in der Bibliothek gemacht.

Radio direkt in der Bibliothek gemacht.

Das Restaurant auf dem Dach, mit direktem Zugang aus der Bibliothek.

Das Restaurant auf dem Dach, mit direktem Zugang aus der Bibliothek.

Weiterentwicklung

Genau das war, glaube ich, mein Problem mit dieser Bibliothek, beziehungsweise mit dem Bild von der Bibliothek im Vergleich mit ihrer Realität: Die Zentralbibliothek der Openbaren Biblioteek Amsterdam ist eine moderne Bibliothek, die sich an die aktuellen Möglichkeiten anpasst. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Ein ähnliches Gefühl hatte ich, als ich letztens in Köln den Makerspace in der dortigen Stadtbibliothek besuchte. Ich kannte ihn vorher aus Texten (s. 295-297) und Vorträgen, in denen er als etwas erstaunlich Innovatives und Neues dargestellt (und mit der Q-thek im unteren Stock der Bibliothek verbunden) wurde. In der Realität ist der Raum erstaunlich klein, der 3D-Drucker ist vor allem am Samstag in Betrieb, die Workshops sind zahlreich, bewegen sich aber meist auf der Ebene “Einstieg in…” beziehungsweise “Einführung in…”. Gleichwohl funktioniert der Raum, die vorhandenen Geräte sind sinnvoll und beschriftet. Das Angebot passt in die Bibliothek. Vielleicht ist es das, was genau in diese Stadt passt.

Sowohl in Amsterdam als auch in Köln hatte ich den Eindruck (allerdings jeweils nur von kurzen Besuchen während Kurzurlauben), dass es sich um sinnvolle Weiterentwicklungen handelte. Wenn zum Beispiel Musik vor allem elektronisch vorhanden ist, ist es für einen Bibliothek nur sinnvoll, wenn es Abspielstationen wie in Amsterdam (oder der Q-thek in Köln) gibt. Das ist in den Medienformen angelegt. Wenn die Aufgaben der Bibliotheken breiter werden, ist es nur sinnvoll, dass es auch mehr und andere Workshops gibt, wie das in Amsterdam und Köln der Fall ist. Man kann sich wohl bei all diesen Angeboten streiten, welche Entwicklung genau sinnvoll ist, ob zum Beispiel (so würde ich das behaupten) bestimmte Angebote in bestimmten Städten oder Gemeinden funktionieren und in anderen nicht. Aber so oder so sind all diese Weiterentwicklungen genau das: Weiterentwicklungen von schon vorhandenen Angeboten. Manche Dinge kommen uns in Deutschland und der Schweiz vielleicht unerhört neu vor, zum Beispiel Radio in der Bibliothek, wie das in Amsterdam gemacht wird. Aber auch da scheint mir oft, dass unser Blick einfach zu sehr auf spezifisch deutsche oder schweizerische Traditionen eingeengt ist. Ich hatte kurz vorher “L’action culturelle en bibliothèque” von Bernard Huchet und Emmanuèle Payen (edit.) gelesen, das ein Standardwerk für kulturelle Veranstaltungen in französischen Bibliotheken ist und fand, dass das Radiostudio in Amsterdam gut als weiteres Beispiel in dieses Buch gepasst hätte.

Nicht Innovation

Warum das alles hier erzählen? Weil es (wieder einmal) zu dem Punkt führt, dass ich ein grosses Unbehagen mit dem Begriff “Innovation” und seiner Verwendung im Bibliothekswesen habe. Die Bibliothek in Amsterdam und der Makerspace in Köln wurden in der deutschsprachigen bibliothekarischen Literatur beide als neu und innovativ vorgestellt. In der Realität scheinen sie aber vor allem sinnvoll auf neue Anforderungen und Möglichkeiten zu reagieren, immer im Rahmen ihrer lokalen Gegebenheiten. Mir ist nicht klar, warum man das nicht auch einfach so darstellen und begreifen kann. Ist es etwa etwas Schlechtes, sich “einfach” weiterzuentwickeln?

Der Begriff Innovation impliziert eine bis dato nicht bekannte Veränderung, hin in Richtung Zukunftsfähigkeit und ‒ in der Wirtschaft ‒ auch einem grösseren Gewinn. Er impliziert, dass Einrichtungen in einer Konkurrenz stehen und das eine Einrichtung mit Innovationen einen Vorteil gegenüber den anderen Einrichtungen erlangen kann. Aber: Darum geht es im Bibliothekswesen doch überhaupt nicht. Die Openbare Biblioteek Amsterdam hat mit ihrem neuen Gebäude keinen Vorteil gegenüber der Biblioteek Rotterdam. Sie hat auch keinen Vorteil gegenüber den Buchläden oder Restaurants in Amsterdam. Ebenso hat die Stadtbibliothek Köln mit dem Makerspace keinen Vorteil gegenüber den Stadtbüchereien Düsseldorf oder der Stadtbibliothek Bonn. Niemand nimmt sich etwas weg oder gewinnt etwas an Vorsprung gegenüber den anderen Bibliotheken.

Versteht man die Weiterentwicklung als Normalität, dann würden solche Beispiele wie Amsterdam oder Köln auch die Möglichkeit bieten, gemeinsam als Bibliothekssystem über die normalen Weiterentwicklungen zu diskutieren. Solche Weiterentwicklungen sind notwendig, aber selten so aufregend neu und unvorhergesehen, wie gerne behauptet wird. Beispielsweise die hellen, weissen Bibliotheksräume, die in fast allen neugebauten Bibliotheken der letzten Jahre zu sehen sind: die sind weder überraschend neu, noch anders als zum Beispiel Buchhandlungen und Einkaufzentren, noch sind sie falsch. Sie sind auch nicht aufregend. Aber sie sind passend für den Habitus einen modernen, offenen Bibliothek. Passend, sinnvoll ‒ nicht weniger, nicht mehr.

Wenn man davon ausgeht, dass Bibliotheken immer dann, wenn sie die Möglichkeit dazu haben, neu zu bauen oder grundsätzlich etwas zu verändern beziehungsweise zu erneuern, auch versuchen, jeweils zeitgenössisch gute und sinnvolle Lösungen zu finden, dann wird der Diskurs auch anders. Ohne die Konkurrenzsituation, die über den Begriff “Innovation” hergestellt wird, lässt sich viel besser gemeinsam diskutieren, was notwendige Weiterentwicklungen sind. Ein Beispiel: Jetzt hat die Stadtbibliothek Köln einen Makerspace und ist damit innovativ. Wenn jetzt eine andere Bibliothek einen Makerspace baut, ist das dann altbacken, falsch, unmodern? Selbstverständlich nicht. Ein Makerspace kann auch in anderen Städten angebracht sein, aber es lässt sich nicht so einfach verbreiten. Innovation kann per Definition nur einmal vorkommen. Sicherlich kann man tricksen, denn Innovation ist immer innovativ im Bezug auf ein System. Demnächst wird einen schweizerische Bibliothek einen Makerspace eröffnen, damit ist sie dann die erste in der Schweiz und für das schweizerische Bibliothekssystem innovativ. Aber danach? Darf das dann niemand mehr in der Schweiz? Oder schlimmer: Wenn einen weitere Bibliothek einen Makerspace einrichtet, verlieren dann Köln und “die erste schweizerische Bibliothek mit Makerspace” irgendetwas? Sicherlich nicht.

Das ist der Punkt, der mir in Amsterdam, am Ende, auf dem Dach der Bibliothek, wieder einmal aufstiess: Wenn in den deutschsprachigen Bibliotheken nicht der Diskurs von Innovation (und Krise, die durch Innovation zu lösen sei) vorherschen würde, könnten sich (a) die Diskussionen um die Entwicklungen von Bibliotheken beruhigen und weniger aufgeregt, dafür mehr gemeinsam geführt werden, (b) würde es weniger grosser Versprechen benötigen, um Neuerungen und Weiterentwicklungen vorzustellen und durchzusetzen (weniger Bling-Bling und mehr Realness, um die Metapher aus dem Hip-Hop aufzugreifen). Gleichzeitig würden sich (c) Debatten um Veränderungen in den einzelnen Bibliotheken wohl einfacher führen lassen. Genügend oft führen Veränderungsprozesse in Bibliotheken zu internen Konflikten, die auch damit zu tun haben, dass die Veränderungen als alles verändernde und umwerfende Innovation verkauft werden, teilweise um der Innovation willen. Das ist nicht notwendig, wenn man gemeinsam über normale Weiterentwicklungen diskutieren und andere Bibliotheken als Beispiele, die man nicht unbedingt übertreffen muss, sondern von denen man lernen darf, nutzen kann. Zudem: (d) Wenn man akzeptiert, dass Bibliotheken sich per se entwickeln, wird auch der Dikursort für tatsächlich radikale Änderungen, also Innovationen, wieder frei, weil die dann sinnvoll von anderen Veränderungen abgegrenzt werden können.

Gleichzeitig hatte ich da auf dem Dach in Amsterdam, aber auch beim Rundgang durch die Bibliothek, nicht das Gefühl, dass die Nutzerinnen und Nutzer irgendein Interesse daran hatte, ob ihre Bibliothek jetzt innovativ war oder nicht. Sie schienen einen Bibliothek zu wollen, die für sie funktioniert, in ihrem Alltag und in ihrer Stadt. Wie die sein soll, wissen die wohl auch nicht. (Sichtbar war aber, dass Bereiche, die als “überraschend” konzipiert waren, zum Beispiel mit von der Decke hängenden Sitzgelegenheiten, kaum genutzt wurden, während die “klassischen” Arbeitsplätze gut belegt waren.) Jetzt, nicht in Zukunft. Nicht mehr, nicht weniger.

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 4 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

20.10.2014 ‒ Buea University Library

Buea University Library

Die Universität in Buea, in der englisch-sprachigen Region Kameruns, wurde 1991 gegründet und hat 1993 die ersten Studierenden aufgenommen. Heute wächst die Universität, wie auch die anderen Universitäten Kameruns, stetig. Sie ist, im Gegensatz zur Universität Yaoundé 1, die in der Mitte Yaoundés steht, eine Campus-Universität, die für uns sehr englisch aussah. Die Leiterin der Bibliothek ist extrem pro-aktiv, setzt auf beständige Professionalisierung und ist, wie bereits erwähnt, aktiv in der IFLA (Zur Zeit ist sie Secretary der Africa Section der IFLA). In Ihrer Universität legt sie Wert darauf, an den Budgetsitzungen teilzunehmen und auch 10% des Universitätsbudgets für die Bibliothek einzufordern. Zudem ist die Bibliothek an weiteren Universitätsgremien beteiligt.

In der Bibliothek arbeiten zur Zeit 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, alle in Vollzeit, die regelmässig weitergebildet werden. Zu Höchstzeiten waren es 70, von denen aber ein grosser Teil nach Europa oder Amerika ausgewandert ist. Dies ist ein Beispiel für das paradoxe Problems des Braindrains, mit dem sich Bibliothek in Entwicklungsländern auseinander setzten müssen: wenn das Personal nicht gut ausbildet wird, können sich auch die Bibliotheken nicht weiterentwickeln. Wenn das Personal aber gut ausgebildet ist, besteht die Gefahr, dass es in reichere Länder auswandert.

Der Bestand der Bibliothek ist höchstens zehn Jahre alt, ist in Open Stacks zugänglich und wird kontinuierlich gepflegt. Es soll eine Collection Development Policy existieren. Der Bestand ist nach Fakultäten gestaffelt, es gibt eine Mitarbeiterin, die regelmässig Literaturlisten von Universitätslehrkräften einfordert. Zudem existiert, neben zahlreichen Arbeitsplätzen zwischen dem Bestand, eine ganze Anzahl von frei zugänglichen Rechnern.

Zwei Zweigbibliotheken ‒ Medizin und Kunst ‒ existieren bereits, weitere sind dem Ausbau der Universität folgend, geplant. Die Zweigbibliotheken sind der Hauptbibliothek untergeordnet, für den Datenaustausch besteht ein gemeinsamer Katalog.

Alle Abschlussarbeiten stehen den Nutzerinnen und Nutzern frei zugänglich zur Verfügung. Für den Abschluss des Studiums muss die Bibliothek unterzeichnen, dass die Arbeit eingegangen ist. Die Arbeiten werden von der hauseigenen Buchbindewerkstatt einem Farbcode entsprechend gebunden (blau: Masterarbeit, schwarz: Doktorarbeit, rot: Medizin, grün: Reparatur). Nicht nur zum Abschluss sondern auch zu Beginn des Studiums müssen alle Studierenden in die Bibliothek, um sich einen Ausweis ausstellen zu lassen, der sowohl als Bibliothekskarte wie auch als Studierendenausweis gilt.

Die Ausleihe funktioniert sowohl für Studierende als auch für das Universitätspersonal, wobei uns berichtet wurde, dass dies für Kamerun ungewöhnlich ist. Die meisten Menschen haben keine eindeutige Adresse, deswegen verleihen Bibliotheken selten Medien. Nach Aussage der Leiterin sind dabei in Buea aber nicht die Studierenden das Problem, sondern das Personal der Universität. Deshalb wird sogar jemand regelmässig in die Büros geschickt, um Medien zurückzuholen. Zusätzlich zur funktionierenden Ausleihe existiert ein Reference Service.

Aufgrund von Platzproblemen verfolgt die Bibliothek eine elektronische Strategie. Möglichst viele Medien sollen online zugänglich gemacht werden. Dabei muss man erwähnen, dass Internetzugang in Kamerun immer ein Problem darstellt. So wurde uns auf der Konferenz berichtet, dass die meisten Universitätsbibliotheken überhaupt keinen Internetzugang haben. Auf dem Campus in Buea soll es ein funktionierendes Intranet geben. Der Leiterin zufolge existiert auch ein Repository der Abschlussarbeiten, welches über das Intranet verfügbar ist. Die Strategie der Bibliothek ist praktisch, sich auf den Tag vorzubereiten, an dem der Zugang zum Internet garantiert werden kann und dann sofort alle Dienste anbieten zu können.

Relevant ist zudem, dass die Bibliothek angefangen hat, an der Universität Information Science zu unterrichten, vorerst als Minor (Bachelornebenfach), mit den Bibliothekarinnen und Bibliothekaren als Lehrkräften. Angestrebt wird allerdings ein eigenständiger Master.

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Zum Abschluss

Selbstverständlich kann man ein Land nicht in einer Woche kennenlernen. Dennoch haben wir bei unserer Reise einige Beobachtungen gemacht, die es Wert sind, zum Abschluss noch einmal hervorgehoben zu werden.

  • Bibliotheken in Kamerun gehen gänzlich anders mit Fragen des Urheberrechts um, als in Deutschland oder der Schweiz. Die lässt sich durch die finanzielle Situation und die mangelnde Infrastruktur des lokalen Buchhandels erklären. Relativ oft wurde uns berichtet, dass häufig benötigte Materialien ‒ beispielsweise Lehrmaterialien ‒ nicht ausgeliehen, sondern kopiert und dann den Nutzerinnen und Nutzern die Kopie mitgegeben wird. Dies ist keine Eigenheit von Bibliotheken, sondern offenbar in der Gesellschaft verankert, die Urheberrecht immer auf Musik, aber nicht auf andere Medien bezieht (wobei es keine Kinos und damit auch keine Filmindustrie mehr gibt, die das Urheberrecht einfordert).
  • Fast alle Bibliotheken, die wir besucht haben, nutzen mit PMB das gleiche Open Source Bibliothekssystem. Ebenso nutzen sie fast alle die Dewey Decimal Classification. Insoweit gibt es, obwohl immer wieder über fehlende Zusammenarbeit geklagt wurde, eine gewisse Einheitlichkeit. Dies müsste eigentlich die Weiterbildung untereinander erleichtern.
  • Obgleich wir nur kurz im Land waren und immer wieder Klagen darüber gehört haben, was alles nicht funktionieren soll, hatten wir das Gefühl, dass es im Bibliotheksbereich recht eigenständig vorwärtsgeht.

 

Und jetzt: Landschaft

Was uns in Kamerun erstaunt hat, ist, dass eigentlich niemand vom Wetter redet. Es ist heiss, aber niemand beklagt sich. Wenn es regnet ‒ wie bei den Workshops auf der Konferenz im Goethe-Institut ‒, rücken die Menschen zur Not einfach näher zusammen, aber verlieren darüber kein Wort. Dafür ist der Verkehr, bevorstehende Strassensperrungen oder Staus, ein ständiges Thema des Smalltalks.

Das Buch, welches uns bei unserem Bibliotheksbesuchen immer wieder unterkam, und welches den Aussagen der Kolleginnen und Kollegen nach von den Kindern ständig gelesen wird, ist erstaunlicherweise die Geschichte des “Regenbogenfisches” (Arc-en-ciel).

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(Photos: Eliane Blumer / Karsten Schuldt)

Lausanne, Oktober 2014


Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 3 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

17./18.10.2014 ‒ Konferenz

Die Konferenz, auf der wir beide als Referentin und Referent geladen waren, wurde vom Goethe-Institut und dem Bibliotheks-, Archiv-, Dokumentalisten- und Museographenverband Kameruns (ABADCAM) statt. Der ABADCAM wurde, zumindest den Berichten nach, erst vor Kurzem wiederbelebt. Dafür erschien uns das Direktorium des ABADCAM allerdings recht aktiv und zielorientiert. Im Vorfeld wurde schon am Erfolg der Konferenz gezweifelt, am Ende funktionierte sie aber gut. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer partizipierten aktiv, die Stimmung war sehr offen und kritisch. Zumindest wir sind mit einem guten Gefühl fortgegangen.

Teilgenommen haben rund 70 Kolleginnen und Kollegen aus mehreren, aber nicht allen Regionen Kameruns. Was unsere Rolle an der Konferenz sein sollte, wurde uns allerdings bis zum Ende nicht klar. Wir hatten nicht das Gefühl, dass wir oder unser Wissen benötigt wurden. Teilweise hatten wir schon das Gefühl, das unsere Namen als Werbemittel eingesetzt wurden; aber letztlich hat sich das für uns zumindest nicht negativ ausgewirkt. Wir haben viel gelernt und konnten mitdiskutieren. Ob die Kolleginnen und Kollegen von uns etwas gelernt haben, bleibt offen.

Unsere Vorträge (Bibliotheken und Armut, pädagogische Möglichkeiten von Bibliotheken, Dépôt légal sowie Identifikatoren) eröffneten, nach dem offiziellen Teil ‒ mit Gruppenphoto ‒, die Konferenz, die weiteren Vorträge am ersten Tag behandelten die Themen cultural heritage, Bibliotheksnutzungsstatistiken, mobile Anwendungen und Bibliotheken sowie academic excellence and libraries. Selbstverständlich bezogen sich die Vorträge immer wieder auf Kamerun oder Afrika, aber ansonsten unterschieden sie sich wenig von Themen auf deutschen oder schweizerischen Bibliothekskonferenzen. Insbesondere der letzte Vortrag war allerdings erkennbar vom Diskurs in der IFLA geprägt. Die Kollegin, welche den Vortrag hielt, ist auch aktiv in der IFLA, insoweit war dies nicht erstaunlich. Aber wir haben uns zum Teil gefragt, ob die Richtlinien der IFLA tatsächlich mit der Realität in Kamerun übereingebracht werden können und ob das überhaupt sinnvoll wäre. (Seitennote: Allerdings hat die Kollegin viele ihrer Ansprüche in der eigenen Bibliothek, die wir als letztes besuchten, umgesetzt. In der Konferenz erschien es aber so, als ob die Universitätsbibliotheken in Kamerun weit von den Vorstellungen, die hinter den IFLA-Richtlinien stehen, entfernt sind.)

Interessanter war der zweite Tag der Konferenz, auf dem in Rotationsworkshops (fünf Gruppen zu 10-15 Personen, die je eine halbe Stunde zu einem Thema diskutierten) für verschiedene Bereiche (Bibliothek und Gesellschaft, Wissenschaftliche Bibliotheken, Konservierung und Bewahrung, Schulbibliotheken, professionelle Weiterbildung) die näheren Aufgaben des Verbandes und die politischen Forderungen erarbeitet wurden. Die Abschlussdokumente dieser Arbeitsgruppen, welche beizeiten auf der Homepage des Verbandes veröffentlicht werden sollen, waren recht eindeutig und weitreichend. Beispielsweise wurde gefordert, diejenigen, die Geld veruntreuen, welches für bibliothekarische Aufgaben vorgesehen ist, auch rechtlich belangt werden sollen. In einem Land, in dem uns ständig erzählt wurde, wo und wie Korruption funktioniert ‒ und wir das auch einmal live bei einer Polizeikontrolle erleben durften ‒, war das schon eine erstaunlich direkte Forderung.

Bei den Diskussionen auf der Konferenz wurde offenbar, dass bei den Kolleginnen und Kollegen ein reichhaltiges bibliothekarisches Wissen vorhanden ist. Aufgefallen ist uns, wie offen Probleme von Bibliotheken benannt wurden. Diese Offenheit scheint es so in der deutschen oder schweizerischen Bibliotheksszene selten zu geben.

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Bibliothek des Institut Français

Sehr kurz und spontan besuchten wir die Bibliothek des Institut Français, die sich am Marché Central befindet. Der Marché (Markt) ist das Zentrum der Stadt, aber gleichzeitig ‒ angeblich ‒ eine gefährlichsten Gegenden und gleichzeitig immer vom Mfoundi-Fluss überschwemmt (weswegen das Goethe Institut von dort fortgezogen ist). Die Bibliothek ist die grösste funktionierende Öffentliche Bibliothek in Yaoundé. Allerdings: Genauso, wie die Bibliothek des Goethe-Instituts eine deutsche Bibliothek in Kamerun ist, ist die dies eine französische Bibliothek in Kamerun, wenn auch angereichert mit Kunstobjekten aus Kamerun.

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Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 2 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

15.10.2014 ‒ Schulbibliotheken

An diesem Tag nahmen wir an einem Workshop mit über 30 Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren teil. In gewisser Weise waren wir der Grund für dieses Treffen, wobei die Idee hinter dem Treffen war, die Anwesenden zu einem Austausch zu animieren. Gleichzeitig haben wir uns in dieser Position etwas unwohl gefühlt. Am Ende haben wir gelächelt, unser Bestes gegeben und vor allem betont, dass die Kolleginnen und Kollegen, die vor Ort handeln, wichtiger sind, als wir Eingeflogenen. Nichtsdestotrotz war das Treffen für uns lehrreich.

 

Schulbibliothek des College Vogt (katholisches Gymnasium)

Das College stellt eine der Eliteschulen in Yaoundé dar und wird von Trappisten ‒ einem katholischen Orden ‒ geleitet. Die Schulbibliothek hat bei uns einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Der Raum ist gross und gilt als so schön, dass er für offizielle Treffen der Schule genutzt wird. Der Bibliothekar erscheint sehr engagiert und weiss auch, wo er mit der Bibliothek in Zukunft hin will. Sowohl bei den Lernenden als auch beim Schulpersonal, bishin zum Principal (Schulvorsteher, der uns in Ordenstracht empfing), ist die Bibliothek bekannt und wird stark benutzt. Gleichzeitig vermittelte die Bibliothek uns einen etwas sehr verbrauchten Eindruck, der auch auf den Bildern zu sehen ist.

Es gibt rund 5000 Medien in dieser Bibliothek, aber viele sind recht alt. Das Mobiliar war funktionell ‒ ausreichend Regale, eine grosse Theke, einige Rechner sowie ein Raum mit Lehrmaterialien ‒, aber gleichzeitig verbraucht. Besonders aufgefallen sind uns Matratzen an den Wänden, die so angebracht sind, dass sie leicht abgenommen und von Kindern für das Spielen benutzt werden können.

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Schulbibliothek des College Efoulan-Nsam

Aus protokollarischen Gründen, die uns nicht so richtig klar wurden, fuhren wir anschliessend in ein benachbartes öffentliches College, da das Treffen der Kolleginnen und Kollegen dort begann, um nach im College Vogt wieder weitergeführt werden zu können. Es war ein offizieller Empfang. Wir beide, plus die Kollegen aus dem Goethe Institut und der Bibliothek des College Vogt sowie der Direktor des College Efoulan-Nsam sassen vorne an einem geschmückten Tisch, die Kolleginnen und Kollegen davor. (Seitennote: Offenbar muss die wichtigste Person an einem solchen Treffen immer zuletzt kommen, weshalb viele selber später kommen. Am Ende kam der Direktor erst, als wir unsere Grussworte sprachen.) Dieser Empfang fand in der Schulbibliothek statt, während draussen die Schülerinnen und Schüler für einen anderen Empfang übten und / oder Wahlkampf (mit Musik) für ihre Klassensprecherinnen und Klassensprecher führten. So genau wurde es uns auch bei Nachfragen nicht klar.

Um auf die Bibliothek zu sprechen zu kommen: Diese ist improvisiert in einem Klassenraum untergebracht. Der Status der Bibliothek in der Schule ist eher schlecht. Wenn der Raum zum Beispiel für den Unterricht oder andere Sitzungen benötigt wird, werden die Bibliothekarinnen und Bibliothekare hinausgeschickt.

Dennoch gibt es eine Bibliotheksorganisation. Der Bestand ist nach der Dewey Decimal Classification aufgestellt, es wird ein Ausleihregister, organisiert nach Schulklassen und Geschlecht, auf Papier geführt und auch die Kollegin scheint auch einen Plan davon zu haben, wie ihre Bibliothek funktionieren sollte.

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Treffen mit Schulbibliothekarinnen und Schulbibliothekaren

Zu unserer Überraschung fuhren wir nach der Begrüssung und einer kurzen Bibliotheksvorstellung wieder ins College Vogt zurück, wo der Rest des Workshop in einer Mehrzweckhalle ‒ nicht der Schulbibliothek, die vom Principal für einen anderes Treffen belegt war ‒ stattfand. Trotz dem für uns viel zu formell anmutenden Anfangs hinterliess dieser Teil des Workshops bei uns einen sehr guten Eindruck. Die Kolleginnen und Kollegen können sehr klar ihre Probleme aufzeigen und sind an Lösungen interessiert.

Insgesamt nahmen 13 Männer und 19 Frauen aus unterschiedlichen Einrichtungen in Yaoundé teil, was das bisher grösste Treffen dieser Art darstellte. Zwei ähnliche Treffen hatten zuvor jeweils weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu verzeichnen gehabt. Diese Verteilung scheint uns interessant, weil sowohl in der Schweiz als auch Deutschland Schulbibliotheken fast durchgängig von Frauen geführt werden. Eine offizielle Bibliotheks- oder Dokumentationsausbildung hatten drei Teilnehmende. Der Grossteil der Anwesenden waren Lehrerinnen und Lehrer, die ‒ so die Darstellung einer Teilnehmerin ‒ auf dem Bibliotheksposten “abgeschoben” wurden. Wir sind uns nicht sicher, wie genau das zu verstehen ist. Die meisten Anwesenden schienen uns sehr engagiert. Ein wichtiger Unterschied zu Deutschland und der Schweiz scheint zu sein, dass die Anwesenden die jeweilige Bibliothek als Volljob leiten und nicht Lehrkörper sind, die daneben noch die Bibliothek betreiben.

Nach einer weiteren kurzen Ansprache unsererseits begann die essentielle Vorstellungsrunde, in der jede und jeder Anwesende nicht nur sich selbst und seine Institution vorstellte, sondern auch explizit die Probleme der eigenen Einrichtung schilderte.

Zur Verdeutlichung hier die genannte Probleme (in Klammern, wie oft sie genannt wurden):

  • Zu alter und überholter Bestand, teilweise ist er mehrere Jahrzehnte alt. (8)
  • Diebstahl von Büchern. Dabei gibt es mehrere Arten von Diebstahl: Von Studierenden und von Lehrerinnen und Lehrern. Gestohlen wird vor allem die Belletristik, nicht die Unterrichtsbücher. Eine Frage die aufkam war, ob Diebstahl auch vorkommt, weil einfach die Ausleihmodalitäten der Bibliothek nicht bekannt sind. (7)
  • Platzprobleme, weil der Raum zu klein ist oder weil der Raum auch für andere Dinge benutzt wird. (7)
  • Die Bibliothek ist sehr jung, gerade erst eröffnet. (4-5) (Seitennote: Dies ist auch eine interessante Aussage, weil es ja heisst, dass neue Bibliotheken gegründet werden.)
  • Es ist den Kolleginnen und Kollegen nicht klar, wie sie Management und Organisation der Bibliothek (Möbel, Personal, Ausleihsystem, Aufgaben) handhaben sollen. (4)
  • Es ist nicht genug Personal für die Aufgaben vorhanden. (3)
  • Die Bibliothek wird in der Schule nicht wahrgenommen, die Bibliothekarinnen und Bibliothekare haben Angst, zum Beispiel vor Jobverlust, das zu verändern. (3)
  • Die Bibliothek lebt von Geschenken, kann als nicht die Medien besorgen, die sie eigentlich braucht. (3)
  • Ein Verständnis dafür, was die Bibliothek macht, ist bei der Schulgemeinschaft nicht gegeben. (3)
  • Die Aufgaben, für die eine Schulbibliothek nötig ist, müssen erst beworben werden. (2)
  • Es ist nicht klar, wie Medien katalogisiert werden sollen. (2)
  • Es gibt ein Sprachproblem zwischen den französischsprachigen und den englischsprachigen Regionen Kameruns, das sich auch auf die vorhanden Medien und den fachlichen Austausch auswirkt. (1) [Seitennote: Uns erinnerte das stark an die Schweiz, in der theoretisch auch alle mindestens die drei grossen Landessprachen verstehen, was aber praktisch nicht funktioniert.]
  • Die Schulbibliothek ist eine One Person Library, die sich alles selber beibringen muss. (1)

Weiterhin gab es Hinweise auf die immer wieder in Gesprächen während unseres Besuchs auftauchende Korruption, beispielsweise, dass Geschenke, die bei Schulen für die Bibliothek hinterlegt werden, in den Schulen umgewidmet werden. Uns irritierte auch die Aussage, die in einer hitzigen Diskussion aufkam, dass die Bibliothek am College Vogt recht gut funktionieren würde, weil es an der Schule “ehrliche Menschen” (“des personnes honnêtes”, gemeint waren die weissen Ordensbrüder) gäbe. Es schien, als ob das niemand anders gestört hätte.

Gleichzeitig sprachen die Kolleginnen und Kollegen, je länger das Treffen dauerte, je mehr auch von positiven Beispielen:

  • An einem College kam eine grosse Buchspende an. Die Association des Parents (Elternorganisation) hat aus diesem Grund eine Schulbibliothek gegründet, die Position der Bibliothek an der Schule war wegen der Gründung durch die Association gut.
  • Eine Bibliothek war überlaufen. Die Bibliothekarin hat einen Zeitplan erstellt, in der jede Klasse eine Stunde für die Bibliotheksnutzung zugewiesen bekam, was auch funktionierte.
  • Es gab Bibliotheken, die erfolgreich Software einsetzen, genauer das schon erwähnte PMB, und damit ihre Arbeit organisieren.

Vom Bibliothekar des College Vogt und dem Kollegen des Goethe-Instituts wurde das Treffen zum Teil als Weiterbildung benutzt. Es wurden Texte zur Bibliotheconomie (Bibliotheksmanagement) verteilt sowie Hinweise dazu gegeben, wie Nutzungsstatistiken erstellt und für das Lobbying in der Schule genutzt werden können.

Am Ende des Treffens wurden Vorschläge zur Verbesserung der Situation gemacht. Zum Beispiel gab es die Vermutung, dass die Schulbibliotheken in den Schulen einfach als Teil der Infrastruktur verstanden werden, über die von der Schulleitung einfach verfügt werden kann. Es gab deshalb die Forderung, sie aus den Schulen herauszulösen und als eigenständige Einrichtungen zu führen. Es wurde klar, dass die Bibliotheken in einer komplexen, zu grossen Teilen von ungeschriebenen Regeln beherrschten Umgebung strategisch kommunizieren müssen, um etwas erreichen zu können. Seit drei Jahren versucht der Kollege vom Goethe-Institut ein Treffen / Workshop, ähnlich diesem, mit Schulleiterinnen und Schulleitern zu organisieren, um über Schulbibliotheken zu sprechen. Dieses Treffen ist bis jetzt aber nicht zustande gekommen. Die auf dem Treffen entwickelte Idee ist es jetzt, ein Communique mit den gängigen Problemen aufzusetzen, von möglichst vielen Kolleginnen und Kollegen unterzeichnen zu lassen, um dies dann politisch (in der jeweiligen Schule und darüber hinaus) nutzen zu können.

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16.10.2014 ‒ Ministerium für Kultur, CLAC und Maison des Saviors

Ministerium für Kultur, Direction du livre

Eigentlich wollten wir in die Nationalbibliothek, die in Yaoundé ‒ der Hauptstadt Kameruns ‒ steht. Das ist nicht so einfach. Offenbar darf man diese nicht einfach besuchen, sondern muss sich vorher beim Directeur du livre (Direktor des Buches) im Kulturministerium anmelden. Der Kollege im Goethe-Institut hat dies für uns mit einem offiziellen Brief versucht. Allerdings wird, so wurde uns nach einiger Zeit beschieden, die Nationalbibliothek zur Zeit renoviert, deshalb hat die Ministerin den Besuch untersagt. Uns kamen aber auch Gerüchte zu Ohren, dass die Nationalbibliothek zur Zeit nur auf dem Papier bestehen würden. Wir konnten weder das eine noch das andere überprüfen. Kurzum: Wir haben die Nationalbibliothek nicht gesehen, dafür erhielten wir einen Termin beim Directeur du livre, der offiziell für die gesamte Bibliothekslandschaft Kameruns zuständig ist. (Seitennote: Offiziell ist Kamerun eine Demokratie, allerdings gibt es seit Mitte der 1980er Jahre immer den gleichen Präsidenten. Nicht direkt gesagt, aber offen genug angedeutet ist, dass deshalb die Aufgabe des Directeur auch die Zensur der Bücher ist.)

Der aktuelle Directeur ist seit rund einem Monat im Amt und vermittelte einen recht offenen Eindruck. Wir unterhielten uns vorwiegend über das Pflichtexemplar. Dieses ist in Kamerun eigentlich per Gesetz geregelt, die Pflichtabgabe bei Büchern umfasst sechs Exemplare (es gibt auch Regelungen für audiovisuelle Medien), die in der Nationalbibliothek und in Regionalbibliotheken aufbewahrt werden sollen. In der Realität funktioniert dies aber nicht. Wie angedeutet wissen wir nicht einmal, ob es eine funktionierende Nationalbibliothek gibt.

 

CLAC

Das Centre de Lecture et d’Animation Culturelle de Yaoundé (CLAC, Zentrum des Lesens und der kulturellen Animation in Yaoundé) ist eine erstaunliche Einrichtung. Gelegen in einem ärmeren Viertel der Stadt vermittelt es einen sehr aufgeräumten, gepflegten und vor allem modernen Eindruck. Wie wir erfahren haben, ist das “Aufgeräumtsein” Teil der Identität.

Das Zentrum umfasst eine Bibliothek mit rund 10.000 Medien (für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, inklusive eines Bestandes “Bibliotheconomie”), aber darüberhinaus auch einen Multifunktionsraum, inklusive Bühne und X-Box, Internetplätze, eine kleine Druckerei und Buchreparatur sowie einen Schulungsraum mit über 30 Rechnern. Geführt wird das CLAC von einem sehr motivierten und selbstbewussten jungen Mann, der sich mit dem CLAC selbstständig gemacht hat. Er hat das Zentrum fast vollständig selber aufgebaut und weiterreichende Pläne.

Seine Ausbildung hat er zum Teil in Frankreich (enssib in Lyon) absolviert, was nicht so ungewöhnlich war. Wir haben eine Anzahl von Menschen getroffen, die jetzt in Kamerun leben, aber ihre Ausbildung im Ausland genossen haben.

Eine der Erfolgskriterien des CLAC ist der enge Kontakt zu Fördereinrichtungen und das erfolgreiche Abschliessen von Förderprojekten. Vom kamerunischen Staat erhält das CLAC kein Geld. Insbesondere das Institut Français (das französische Pendant zum Goethe Institut) und die Bibliotheques sans frontières (Bibliotheken ohne Grenzen, Genf / Dakar), aber auch die US-Embassy unterstützen das CLAC. Ein Musterbeispiel dafür ist der Schulungsraum. Die Rechner in diesem Raum sind von Institut Français bezahlt, die Open Learning Ressources, die dort für Kurse benutzt werden, stammen von der Non-Profit Organisation Khan Academy. Als interner Server für diesen Raum dient ein RasberryPi.

Für die Kurse werden die Schülerinnen und Schüler aus aktuell sieben Schulen per Bus zum CLAC transportiert. Laut Statistik kommen rund 70% der Nutzerinnen und Nutzer nicht aus dem Quartier, sondern mit dem Taxi (Seitennote: Wobei Taxis in Kamerun das normale Transportmittel darstellen.) Dennoch gibt es auch Aktionen für das Quartier.

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Maison des savoirs

Auch das Maison des Savoir (Haus der Wissen) befindet sich in einer ärmeren Gegend. Die seit zehn Jahren bestehende Institution, welche sich als Stadtkulturinitiative versteht und sowohl eine Bibliothek mit rund 7.000, zum Teil veralteten, Medien beinhaltet als auch Alphabetisierungskurse und Gesundheitsarbeit in der Umgebung durchführt, wird von drei jungen Angestellten geführt, welche ebenso einen sehr engagierten Eindruck machen. Eine Angstellte ist ausgebildete Bibliotheksassistentin, die zuvor an der Nationalbibliothek (die es vielleicht oder vielleicht auch nicht mehr gibt) gearbeitet hat. Die Finanzierung erfolgt offenbar auch über Fördergelder der Gründerin, die in Frankreich ansässig ist.

Die Bibliothek besitzt eine Sektion für Erwachsene und Jugendliche sowie einen Zeitschriftenraum, ein Regal mit Neuigkeiten, einen Informatikraum mit zwei Rechnern, welche zur Zeit ausser Betrieb sind und einen Schulungsraum für Kinder. In diesem wird gebastelt, es finden Lesungen und Alphabetisierungskurse statt. Für kulturelle Events wie Konzerte, Kunst oder Lesungen steht ein zusätzlicher Raum im danebenliegenden Gebäude zur Verfügung. Das Maison des Savoirs betreibt aktiven Outreach zur Gewinnung von neuen Nutzerinnen und Nutzern, zum Beispiel mittels Flyern.

Eigentlich ist die Ausleihe per Rechner mit PMB geregelt. Da dieser jedoch ständig abstürzt, wird die Ausleihe auf Papier organisiert.

Das Maison des savoirs hat, im Gegensatz zu anderen Einrichtungen, die wir besucht haben, eine Wunschbox mit der sich Nutzerinnen und Nutzer einbringen können. Auf diese Weise wünschten sich Schülerinnen und Schüler Bücher, welche sie in der Schule benötigen. Diese wurden angeschafft, aber sehr schnell geklaut, was darauf hinweist, dass sie tatsächlich benötigt werden. Jetzt ist die Ausleihe für diese Bücher anders geregelt worden.

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Alle Teile des Berichts:

Bibliotheksreise Kamerun, 2014 (Teil 1 von 4)

Eliane Blumer, Karsten Schuldt

Einleitung

Dankenswerterweise hat das Goethe Institut Kamerun uns, Karsten Schuldt und Eliane Blumer, zu einer Bibliotheksrundreise durch Kamerun sowie einer Konferenz des kamerunischen Bibliotheks-, Archivs-, Dokumentalisten- sowie Museographenverbandes (ABADCAM) eingeladen. Auf der Konferenz haben wir beide jeweils zwei Vorträge gehalten und an den Workshops teilgenommen.

Der folgende Text gibt eine Übersicht unserer Eindrücke während des Aufenthalts. Im Vorfeld wurde uns eher ein negativer Eindruck von der Bibliotheksszene in Kamerun vermittelt. Zahlreiche Bibliotheken sollen nur auf dem Papier existieren und, wenn vorhanden, kaum benutzt sein. Teilweise sei dies Ergebnis verfehlter Entwicklungshilfepolitik, durch die Bibliotheken gegründet wurden, welche dann im Nachhinein keine Weiterentwicklung erfuhren. Wir können das nicht bestätigen. Die Bibliotheken, die wir besucht haben, vermittelten uns den Eindruck einer zukunftsgerichteten Bibliotheksszene, die selbstbestimmt Projekte umsetzt. Sicherlich muss diese Szene, wie das gesamte Land, mit mangelnder Infrastruktur, Armut und Korruption umgehen. Allerdings haben wir nur bestimmte Bibliotheken ‒ diejenigen, die sich bereiterklärten, uns zu empfangen ‒ gesehen und waren nur eine gute Woche im Land. Insoweit können wir kein umfassendes Urteil abgeben.

 

14.10.2014 ‒ CDDR und Goethe Institut Kamerun

Centre de Documentation pour le Developpement Rural (CDDR) ‒ Yaoundé

Das Centre de Documentation pour le Développement Rural (Dokumentationszentrum für landwirtschaftliche Entwicklung) ist ein 1988 gegründetes Informationszentrum für den Bereich Landwirtschaft. Das CDDR definiert seine Hauptaufgaben wie folgt:

  • Popularisieren von landwirtschaftlicher Information und Demokratisieren des Zugangs zu dieser.
  • Organisation der landwirtschaftlich relevanten Information, damit sie einfach zugänglich ist.
  • Anlaufstelle zur Überwindung von Schwierigkeiten bei der Informationversorgung für Akteure und Akteurinnen des landwirtschaftlichen Bereichs (Bauern, Bäuerinnen, Agronomen, Agronominnen etc.). [Quelle: Informationsflyer des CDDR]

Das CDDR umfasst eine Dokumentationsstelle und eine Bibliothek, bietet aber vor allem Beratungsangebote. Dafür unterhält es einen eigenen Telefondienst “âllo ingénieur”. In der Regel läuft die Beratung folgendermassen ab: Eine Person kontaktiert (persönlich während der Öffnungszeiten 8.00-15.00 Uhr, per Mail oder Telefon) das CDDR und stellt eine Frage, die sich auf die Landwirtschaft bezieht. Dies kann eine ganz einfache Frage, zum Beispiel zum Anbau von Mais oder dem Verkauf von Maniok sein. Aber auch komplexe agronomische Fragestellungen, wie zum Umbau von landwirtschaftlichen Nutzgeräten, werden behandelt. Im Anschluss an dieses Gespräch erstellt das CDDR ein “dossier documentaire”, welches Informationen zur Beantwortung der Frage und Kontaktadressen von Expertinnen und Experten des jeweiligen Themas organisiert und aufbereitet beinhaltet. Pro Jahr werden etwa 1200 Fragen von überall in Kamerun und teilweise aus dem Ausland beantwortet und circa 400 Dossiers erstellt, täglich besuchen circa 10-15 Personen das Zentrum. Wenn möglich sollen die Dossiers zukünftig auch elektronisch angeboten werden.

Ein langfristiges Ziel des CDDR ist es, den agronomischen Beruf zu professionalisieren. Bäuerinnen und Bauern sollen agronomisches Wissen erwerben und einsetzen. Um dies zu unterstützen, wird der Service für Agronominnen und Agronomen gratis angeboten.

Um noch weiter wahrgenommen zu werden, unternimmt das CDDR einiges:

  • Informationstag über Projekte
  • Bücherschränke in Schulen auf dem Land
  • Infoblatt für jede Nutzerin und jeden Nutzer
  • je drei Seiten pro Ausgabe der Zeitung “La voix du paysan” (Die Stimme des Bauern), in der das CDDR agronomische Informationen vermittelt

Obwohl beim CDDR die Information und nicht Bücher im Mittelpunkt stehen, betreibt das Zentrum auch eine funktionierende Bibliothek. Für die Bestandsentwicklung hingegen gibt es keine Ressourcen, das CDDR lebt von Geschenkgaben. Als integriertes Bibliothekssystem benutzt das Zentrum PMB, ein französisches Open Source Library System, welches uns im Verlauf der Reise immer wieder begegnete.

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Goethe Institut Kamerun ‒ Yaoundé

Eigentlich ist die Bibliothek des Goethe Instituts in Yaoundé eine deutsche Bibliothek in Kamerun und keine kamerunische Bibliothek. Dies ist erst einmal nicht erstaunlich, da alle Goethe-Institute als Hauptaufgaben die Förderung der deutschen Sprache, die Vermittlung eines “aktuellen Deutschlandbildes” und den interkulturellen Dialog bearbeiten. Absurd wird es aber, wenn das Corporate Design des Instituts dazu führt, dass jede Bibliothek eines Goethe-Instituts mit Möbeln der ekz ausgestattet ist. Ganz recht, für jedes Institut werden die Möbel in Reutlingen bestellt und an den jeweiligen Ort transportiert, was in den meisten Fällen, zum Beispiel Kamerun, umständliche Logistik und teilweise Praktiken im legalen Graubereich mit sich bringen. Und das, ohne dass es dafür einen Grund gibt. Uns leuchtet diese Corporate Design Idee nicht ein, da sie zum Beispiel dem interkulturellen Dialog entgegensteht. Wie wir selbst gesehen haben, gibt es zum Beispiel in Yaoundé selber eine sichtbare Möbelproduktion.

Wir finden das absurd, es heisst aber nicht, dass die Bibliothek schlecht ist, im Gegenteil. Mit 260 Besucherinnen und Besuchern pro Tag, rund 55.000 Besuchen im vergangenen Jahr, für welche 80 Quadratmeter und zusätzliche Leseplätze an der freien Luft zur Verfügung stehen, ist die Bibliothek die meistbesuchte Bibliothek eines Goethe-Instituts weltweit. Dies bezieht sich nicht nur auf die Bibliothek, sondern auf das gesamte Institut, welches mit 500 Lernenden pro Tag in zwei Häusern boomt. Die Bibliothek in Yaoundé wird vor allem von Jugendlichen, die Deutsch lernen, genutzt. Es gibt einen grossen Drang kamerunischer Jugendlicher zur Auswanderung nach Deutschland, der teilweise mit der politischen Situation erklärt wird. Im Gegensatz zu Frankreich existiert ein positives Deutschlandbild, obwohl Kamerun sowohl deutsche, französische als auch englische Kolonie war. Gleichzeitig wurde uns erklärt, dass Jugendliche zu Hause nicht lernen können, da sie als Abhängige der Familie behandelt werden und zum Beispiel ständig zu Botengängen oder anderen Aufträgen herangezogen werden.

Insoweit ist der Bestand vor allem aus Lehrbüchern für die Deutschkurse des Instituts zusammengesetzt. Andere Bereiche des Bestands, zum Beispiel deutsche Literatur, werden wenig benutzt. Die Bibliothek ist, wie alle Bibliotheken der Goethe Institute, im SWB-Verbund integriert und arbeiten für den Verbund mit Pica. Lokal arbeitet die Bibliothek mit Allegro und ist damit eine Ausnahme in Kamerun. Die Beschaffung neuer Medien stellt eine logistische Aufgabe dar. In Kamerun kann niemand die Lieferung deutschsprachiger Medien anbieten, deswegen werden sie über einen Vertragspartner in Deutschland gekauft und dann per Logistikunternehmen eingeflogen.

Eine weitere Aufgabe des Goethe Instituts ist die “bibliothekarische Verbindungsarbeit” zwischen lokalen und deutschen Bibliotheken. Unser Besuch war Teil dieser Verbindungsarbeit (obwohl wir beide zum grössten Teil in der Schweiz und nicht in Deutschland arbeiten).

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Alle Teile des Berichts: