Internetcritics – Medienkritisches Handeln der „Internet-Generation“

Ein Ziel der Medienpädagogik ist die Fähigkeit zur kritischen Aneignung von Medieninhalten. Dieses Ziel wird in relativ vielen Projekten – vor allem in Schulen und in der Sozialen Arbeit für Kinder und Jugendliche – auch durch die Produktion eigener Medien geübt. Schulzeitungen sind beispielsweise nicht nur als eine Form der Meinungsäußerung – und damit Teil der Bildung zu kritischen und verantwortlichen Bürgerinnen und Bürgern – anzusehen, sondern auch als medienpädagogisches Projekt, dessen Ziel es ist, zumindest den Beteiligten die Entscheidungsprozesse bei der Erstellung von Medien praxisnah zu vermitteln, um darüber hinaus einen aufgeklärten Umgang mit Medien zu initiieren: Wer einmal eine Zeitung gemacht hätte, so etwas heruntergeborchen die dahinterstehende Überlegung, würde auch bei „großen“ Zeitungen und Medien eher quellenkritische Fragen stellen.
(Selbstverständlich: die Schülerinnen und Schüler, die eine Schulzeitung machen, tun dies nicht, um den Umgang mit Medien zu lernen. Zumeist haben sie etwas zu sagen und sollen es – Demokratie ist ja bekanntlich ein Lernprozess – auch tun. Das steht für sie, berechtigterweise, im Vordergrund.)
Es ist ein Allgemeinsatz, dass sich die verfügbaren der Medienformen in den letzten Jahren immer komplexer gestalten, nicht nur durch die Entwicklungen, welche unter dem „Web 2.0“-Label gefasst werden, sondern auch dadurch, dass sich andere Medienformen wie Comics oder Computerspiele als bedeutungstragende Medien im Alltag etabliert haben. Gleichzeitig hat die Vielzahl der Medien – auch dass ein Allgemeinsatz – zu einer Ausdifferenzierung der Mediennutzungsformen geführt, die sich auch, aber nicht nur, mit Alter/Generation und sozioökonomischen Status zusammen denken lässt. Medienformen werden durch Personen und Personengruppen sehr unterschiedlich genutzt. Teilweise werden Medienformen aus dem Medienalltag von Menschen ausgeschlossen (so zum Beispiel bei der wachsenden Zahl von Menschen, die auf Fernseher verzichten), den Medienformen werden sehr unterschiedliche Bedeutungen zugewiesen.
Dies geht einher mit einer Pluralisierung der Subkulturen, die zudem immer mehr nicht nur als Jugendkulturen gelten können, sondern weitere Teil der Gesellschaft umfassen, einher. Nicht, dass es nicht schon spätestens seit den 1960er Jahren differenzierte Jugendsubkulturen nebeneinander gegeben hätte. Aber seit den 1990er Jahren scheint sich nicht nur die Zahl der Subkulturen vervielfacht, sondern auch deren Nebeneinandersein als gesellschaftliche Normalität etabliert zu sein. Waren Subkulturen zuvor Teilgruppen der Jugendlichen vorbehalten, gilt es heute fast schon als Anforderung an Jugendliche, sich mehr oder weniger eine subkulturelle Identität zuzulegen, welche auch mehrere Subkulturen vereinen kann. Zudem ist die Zugehörigkeit zu Subkulturen weit über das 30 Lebensjahr hinaus zumindest für einige Subkulturen immer akzeptierter.
Wichtig ist hier, dass sich diese Subkulturen zu großen Teilen über Medien und Mediennutzung definieren und organisieren. Teilweise handelt es sich bekanntlich um Subkulturen, die sich um eine Medienform gruppieren (hier kann auf die Cosplay-Szene verwiesen werden, die sich um Mangas gruppiert), während bei anderen Subkulturen andere Merkmale im Mittelpunkt stehen (hier sei auf die Antifa-Szene verwiesen, die sich um ein politisches Grundverständnis gruppiert, obgleich eines ihrer Merkmale die aktive Mediennutzung und -erstellung darstellt).
Auf der einen Seite hat also die Nutzung von Medien als Alltagsinhalt – auch als Objekt, über das inhaltlich kommuniziert wird – zugenommen. Auf der anderen Seite wird die medienkritische Nutzung und Erstellung eigener Medien als wünschenswerter Qutcome medienpädagogischer Programme verstanden.
Internetcritics, die hier im Weiteren besprochen werden sollen, zeigen, dass sich innerhalb der letzten vier bis fünf Jahren eine Internet-Subkultur etabliert hat, in welcher gerade diese medienkritische Anneignung, Reinterpretation und Verarbeitung von Medien umgesetzt wird. Diese Szene zeichnet sich nicht nur durch einen fluenten Umgang mit Medien, Bedeutungsebene von Medien für Alltag und unterschiedliche Subkulturen aus, sondern auch durch eine erstaunliche eigene Kreativität. Sie übernimmt auch eine Selbstermächtigungsfunktion für Medienkonsumierende. Sicherlich ist es nicht einfach, den Einfluss dieser Internetcritics zu bestimmen. Angesichts dessen, das sie in einzelnen Veranstaltungen auf Conventions jeweils mehrere hundert Gästinnen und Gäste anziehen und sich von ihnen geprägte Meme in anderen Subkulturen wiederfinden – sogar in deutschsprachigen, obgleich die einflussreichsten Internetcritics englischsprachig sind – lässt sich davon ausgehen, das sie zumindest für Teile der Jugend- und Subkulturen relevant sind. [Vgl. beispielsweise den Anfang der „Live-Show“ von Linkara auf dem Magfest 2011 (in Alexandria, Virginia): http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/linkara/at4w/29508-the-live-show.]

Internetcritics: Merkmale und tgwtg.com als Hub
Internetcritics sind Personen, die sich in Serien in meist kritischer Absicht über andere Medien äußern. Diese Serien werden im Internet verbreitet, wobei teilweise bestehende Videoplattformen, teilweise aber auch eigenständige Homepages – die allerdings technisch oft auf Videoplattformen aufbauen – genutzt werden. Die einzelnen Folgen dieser Serien sind zumeist zwischen zehn und zwanzig Minuten lang, obgleich die Länge der Folgen eher vom jeweiligen Gegenstand der Kritik als von anderen Grenzen abhängig ist.
Nahezu alle Critics haben sich für ihre Serien Figuren geschaffen, die sie – und hier zeigt sich sehr schnell, dass medienkritisches Handeln auch beinhaltet, zu verstehen, wie Medien funktionieren – mit jeweils spezifischen Merkmalen ausgestattet haben. Dazu zählt nicht nur ein oft ähnliches Aussehen – bis hin zu spezifischen immer benutzen Kleidungs- und Ausstattungsstücken, beispielsweise der Hut und Mantel bei Linkara oder der blaue Roboter bei Spoony –, sondern ebenso ein wiederholtes Setting – beispielsweise die grüne Couch vor leerer Wand bei Linkara oder das Jugend/Studierendenzimmer bei PushingUpRoses. Weiterhin bemühen sich die Critics jeweils, den Grundton ihrer Kritiken ähnlich zu gestalten. Sie arbeiten dabei gekonnt mit jeweils zu den einzelnen Critics „gehörenden“ Catchphrases, Haltungen und Gesten, symbolischen Elementen, aber auch der Beibehaltung des jeweiligen Abstands zum kritisierten Medium.
Objekt der Kritik sind (fast) immer Objekte der Medienkultur, wobei sich die einzelnen Critics zumeist auf bestimmte Formen festlegen: Nostalgia Critic bespricht „nostalgische“ Filme und Fernsehserien der 1980er und 1990er Jahre, Linkara bespricht Comics, Angry Joe vor allem aktuelle Videospiele, MikeJ Fortsetzungen von Kinofilme (also American Pie 3, Halloween 2 etc.), Todd in the Shadows Popmusik, Phelous explizit schlechte Horrorfilme, Cinema Snob explizit schlechte „Z List movies“, JewWarrior japanische Famicom-Games (das japanische SNES) und so weiter. Es gibt dabei immer wieder Überschneidungen. Gleichzeitig gibt es auch Critics, die sich inhaltlich nicht ganz klar festlegen und, wie zum Beispiel Sponny, Filme, Fernsehserien und Spiele gleichzeitig besprechen. Darüber hinaus haben einzelne Critics sich mehr oder weniger Nebencharaktere geschaffen, die andere Medien besprechen. Angry Video Gema Nerd, der zumeist SNES-Spiele bespricht, hat mit Board-James eine Figur beziehungsweise Serie, in welcher er Brettspiele bespricht. Nostalgia Critic hat mit The Bum eine Figur, welche aktuelle Filme bespricht.
Dabei darf man das „besprechen“ nicht missverstehen: Die meisten Critics setzen sich nicht vor den Rechner und reden einfach frei (dies wird zum Teil in Vlogs getan, beispielsweise von Brad Jones/Cinema Snob oder wieder Spoony). Vielmehr sind die gesamten Reviews gescriptet, oft verbunden mit eigenen schauspielerischen Elemente. Umfangreich produzierte Reviews erhalten zum Teil in einer weiteren Veröffentlichung „Commentaries“, in welchen die Beteiligten über die eigentliche Folge und deren Produktion selber sprechen, während diese im Hintergrund abgespielt wird.
Einige Critics gehen soweit, ein Figurenensemble aufzubauen, welches in unregelmäßigen Abständen in ihrer Reviews auftritt, so Linkara mit 90’s Kid (von ihm selber gespielt) oder Spoony mit Doctor Insano, Warrior und anderen (ebenfalls von ihm selber gespielt) oder Nostalgia Chick mit Nela und der Make-Over Fairy.
Die Rezeptionshaltung der Internetcritics ist zumeist die der „normalen“ Konsumentinnen und Konsumenten, welche die Medien nutzen (also die Filme sehen, die Spiele spielen, die Comics lesen) würden. Wobei gleichzeitig ein hohes Wissen über andere Medien vorausgesetzt wird. Die Critics sprechen aus der Sicht als kritische Konsumentinnen und Konsumenten zumeist sehr fundiert darüber, warum Filme schlecht, Spiele unspielbar und so weiter sind. Nur selten werden die Medienprodukte vollständig gut besprochen, gleichwohl wird für die einzelnen Bewertungen eine oft sehr ausführliche Begründung gegeben. Dies ist selbstverständlich durch die relativ frei variable Laufzeit der Kritiken möglich.
Diese Haltung führt dazu, die Medien als Objekte der Mediennutzung ernstzunehmen, gleichzeitig aber die Herstellungs- und Produktionsprozesse zu thematisieren und in eine gewisse Form von direktem Kontakt mit den „Fans“ (eine Bezeichnung, die bei den Critics als Bezeichnung für alle Zuschauenden benutzt wird). Letztlich stellen die Critics an die besprochenen Medien den Anspruch als Nutzende in ihrer Intelligenz ernst genommen zu werden.

Das im Folgenden beschriebene Beispiel ist der Homepage tgwtg.com (beziehungsweise in langer Schreibweise: thatguywiththeglasses.com) entnommen. Diese Seite hat sich in gewisser Weise als ein Hub für die englischsprachigen Internetcritics etabliert. Sie besteht seit 2008 und wurde eigentlich erstellt, als Nostalgia Critic mehrere Probleme mit seinem Youtube-Account hatte. Die von ihm produzierten Reviews wurden von Youtube beständig entfernt, so dass die Entscheidung getroffen wurde, eine eigene Homepage aufzusetzen. Als diese etabliert war, wurde sie relativ schnell ausgebaut und nahm weitere Critics auf, wobei der Auswahlprozess unterschiedlich verlief: ein Teil der Critics hatte sich zuvor mit eigenen Accounts auf Videoplattformen und eigenen Blogs etabliert (beispielsweise Spoony, Cinema Snob, Linkara), andere wurden in gewisser Weise auf tgwtg.com als Critics begründet (beispielsweise Nostalgia Chick, die in einem Wettbewerb als weibliches Pendant zu Nostalgia Critic gesucht wurde, heute aber auch stilistisch sehr eigene Wege geht, oder Obscurus Lupa, die ihre ersten Kritiken im Forum von tgwtg.com postete und sich dort etablierte). Heute werden pro Tag zwischen fünf und sechs Episoden unterschiedlicher Critics auf der Seite eingestellt, wobei offenbar ein in mehreren Reviews erwähntes Schuedle existiert. Einige Critics stellen regelmäßig (beispielsweise Nostalgia Critic, mindestens jeden Dienstag oder Linkara, mindestens jeden Montag) Reviews bereit, einige in unregelmäßigeren Abständen. Obgleich einige Critics mit der Zeit aufhören, Reviews zu produzieren (beispielsweise Little Miss Gamer, die eigentlich als Vorbild für weibliche Computerspielerinnen galt, aber Anfang 2010 aufhörte, weitere Videos zu veröffentlichen), kommen regelmäßig neue Critics hinzu, so dass die Seite bislang einem ständigen Wachstumsprozess unterliegt. Die Seite ist so erfolgreich, dass ein Teil der produktivsten Reviewers und unterstützender Personen sich über die Arbeit an diesen Reviews finanzieren kann. Ende 2010 wurde mit Blistered Thumbs eine Unterseite eröffnet, auf der die Reviews zu Videospielen veröffentlicht werden. Gleichzeitig wurden beispielsweise mit The Rap Critic (der, wie dem Namen zu entnehmen ist, Hiphop-Tracks bespricht) Medien anderen Subkulturen als Thema aufgenommen.
Obgleich es weiterhin Critics gibt, die nicht auf tgwtg.com publizieren – allen voran Angry Video Game Nerd, der als einer der Begründer dieser Subkultur gelten kann –, ist die Homepage doch als Hub für diese Szene zu verstehen; nicht nur wegen der schieren Anzahl der Reviewer, die hier regelmäßig Videos (sowie Podcasts und schriftliche Kritiken) einstellen, sondern auch, weil sich zwischen diesen Reviewers eine eigene Kultur entwickelt hat, die sich nicht nur in Kooperationen, sondern auch in beständigen direkten und indirekten Bezügen aufeinander niederschlägt.
Besprochen wird im Weiteren nicht die Community, welche sich um die Seite selber in den Foren und Blogs aufgebaut hat. Aber selbstverständlich ist auch eine solche vorhanden und wird – ebenso wie die Kommentarfunktionen bei den einzelnen Videos – aktuell intensiv genutzt.

The Room Accident
The Room ist ein 2003 veröffentlichter Film, der teilweise als einer der schlechtesten Film aller Zeiten gilt. Grundsätzlich wird in ihm eine Soap-Opera-ähnliche Geschichte eines heterosexuellen, verlobten Paares erzählt. Die weibliche Hauptfigur, Lisa, betrügt ihren Verlobten, Johnny, beständig mit dessen besten Freund, Mark, und scheint wenig Interesse an der Beziehung selber zu haben. Der Film endet, nachdem sich Johnny erschossen und Mark Lisa abgewiesen hat. Diese an sich nicht herausragende Geschichte ist allerdings schlecht umgesetzt, das Schauspiel und die Dialoge sind tatsächlich erstaunlich schlecht. Gleichwohl soll sich der Film eine Fan-Gemeinde, die ihn wegen des „so bad its good“-Charakters feiert, aufgebaut haben.
Wichtig wurde dieser Film für Internetcritics allerdings, weil sich die Produktionsfirma dagegen verwahrte, dass Ausschnitte bei den Kritiken des Filmes bei Nostalgia Critic verwendet wurden.
Die erste Kritik des Film bei tgwtg. erschien am 09.07.2010, als Obscurus Lupa mit dieser Kritik ihren Einstand als regelmäßige Beiträgerin zur Seite feierte. Zuvor hatte Lupa in den Foren der Seite schon Kritiken veröffentlicht, die teilweise viele schauspielerische Elemte enthielten; obgleich die Hauptposition der Serien in einem Jugend/Studierendenzimmer spielt, mit Lupa offensichtlich vor einem Rechner sitzend und in diesen hinein sprechend. [http://www.youtube.com/watch?v=fDEGDMEL77Y] Aufgrund ihrer Popularität wurde Lupa offenbar auf die Frontpage der Seite befördert. [http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/teamt/ol/olp/23496-the-room]
Die Review wurde von Lupa als explizit „groß“ angekündigt: „If I go on thatguywiththeglasses, I’ll go big.“ Während die Kritik selber relativ einfach den Film von Anfang bis Ende durchgeht, auf die signifikanten Punkten mit der Unterstützung von Einspielungen eingeht sowie eine Einführung und einem Fazit endet, etabliert Lupa dennoch eine Anzahl von Catchphrases, die im weiteren Verlauf der Rezeption relevant wurden. Sie geht beispielsweise auf die unnötig langen und sich wiederholenden Sexszene ein, betont, dass sich zahlreiche Szene des Films inhaltlich wiederholen – so gibt es ein Gespräch zwischen der Lisas Mutter und Lisa, welches im Film mehr als einmal geführt wird und die Geschichte eigentlich vorantreiben soll, realistisch betrachtet aber immer wieder den gleichen Inhalt hat: Lisa ist gelangweilt von Johnny, die Mutter findet das nicht richtig, zumal Johnny Lisa offenbar finaziert, anschließend ist alles wieder okay –, mehrere Figuren, die während des Films einfach verschwinden (weil mehrere Schauspieler die Produktion während der Drehzeit verließen). Zudem werden mehre, relativ absurde Dialogstellen herausgestellt:

  • Folgender Themenwechsel bei einem Gespräch zwischen Johnny und Mark: „I can not tell you, it’s confidential. Anyway. How’s about your sexlife?“
  • Johnny gegenüber Lisa, vollkommen überzogen und inhaltlich unangebracht: „Don’t you know anything about life? Don’t you?“
  • Ebenfalls Johnny gegenüber Lisa, mit großer theatralischer Geste: „Why Lisa, why?“ „You tearing me apart, Lisa.“ [http://www.youtube.com/watch?v=Plz-bhcHryc], „I gave you seven years of my life.“
  • Johnny gegenüber Mark und anderen: „You just a little chicken. Sheep-sheep-sheep-sheep.“ (Dabei die Arme wie Flügel schlagend.) [http://www.youtube.com/watch?v=okaNIRTXvV0], „Everybody betrayed me. I feed up with this world.“
  • Eine Szene in einem Blumenladen, die etabliert, dass Johnny des Öfteren Blumen für Lisa kauft. [http://www.youtube.com/watch?v=7S9Ew3TIeVQ] Allerdings wird in der Szene ein relativ unverständlicher Dialog geführt. Johnny: „Hi.“ Verkäuferin: „Can I help you?“ Johnny: „Yeah. Can I have a dozen red roses, please?“ Verkäuferin: „Oh hi Johnny, I didn’t know, it was you. Here you go.“ Johnny: „That’s me. How much is it?“ Verkäuferin: „That will be 18 Dollars.“ Johnny: „Here you go. Keep the change. (Streichelt einen Hund, der auf dem Tresen sitzt.) Hey Doggy.“ Yerkäuferin: „You’re my favorite costumer.“ Johnny: „Thanks a lot. Bye.“ Verkäfuerin: „Bye bye.“
  • Eine Szene einem Dach, nachdem Johnny erfahren hat, dass Lisa das Gerücht verbreitet, er wäre gewalttätig. In einer sehr eigenwilligen Diktion führt Johnny ein Selbstgespräch, um am Ende Mark zu begrüßen, den er auf dem Dach antrifft: „I did not hit her. It’s not true. It’s bullshit. I did not hit her. I did not! Oh hi Mark.“

Am Ende des Review hat Lupa nicht nur den Film nachvollziehbar dargestellt, sondern auch seine zahlreichen Schwächen herausgearbeitet. Interessant unter dem Fokus des medienkritischen Handelns ist die Abschlusssequenz ihrer Review nach dem Fazit. Dort spielt ein Bekannter von Lupa einen Auftritt des Hauptdarstellers, Regisseurs, Produzenten et cetera des Filmes, Tommy Wiseau, und beweist dabei ein hohes Verständnis für die im Film eingesetzten Stereotype. Der Dialog mit Lupa ist fast vollständig aus den Catchphrases der Hauptfigur des Filmes zusammengesetzt und zeigt noch einmal das vollkommen unrealistische Handeln dieser Figur, inklusive seines Selbstmordes im Film, auf.
Wenige Tage später, am 13.07.2011, veröffentlichte Nostalgia Critic seine eigene Kritik des Filmes. [http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/nostalgia-critic/25743-the-room] Die Review beginnt mit einem eigenständigen Twist, bei dem der Critic ankündigt, einen seiner „College Films“ zu besprechen, dann aber von ihm selber „from the Future“ in die Zukunft geholt wird, damit der Film als nostalgisch gelten kann (normalerweise bespricht er Filme aus den 1980er und 1990er Jahren). Dieser Plot ist eine Kopie aus „Zurück in die Zukunft“, was nicht verheimlicht wird. Vielmehr wird auf dem Wissen über diesen Film aufgebaut.
Die anschließende Review selber wiederholt zahlreiche Punkte, die auch Lupa angesprochen hat, ergänzt allerdings eine Punkte. Beispielsweise die Figur Danny, einen Schüler, der ohne erkennbaren Grund ein Quasi-Sohn für Johnny spielt, aber einige erstaunliche Szenen im Film erhielt. So stört er das Paar quasi beim Sex, später erzählt er Johnny, dass er selber Lisa lieben würde. Diese Szene ist tatsächlich erstaunlich, da Johnny nur mit einem „Don’t worry about that. Lisa loves you too, as a person, as a human being.“ reagiert. Außerdem stellt der Kritik die schlechten schauspielerischen Leistungen im Film durch Reenactments klar und betont zu Recht, als wie dumm, egoistisch und eindimensional die Figuren, insbesondere Lisa, entworfen wurden.
Interessant ist neben der Einbindung der Review in den „Zurück in die Zukunft“-Plot der Auftritt mehrere anderer Internetcritics – Lupa, Linkara und Sponny –, welche als Einspielungen versuchen, den Critic vom Schauen des Films abzuhalten. Diese kurzen Szenen tragen zur Kritik selber nichts bei, reflektieren allerdings gekonnt mit den ständigen Übertreibungen des Films.
Innerhalb der nächsten Woche wurde die Review von Nostalgia Critic vom Netz genommen, obgleich sie auf anderen Kanälen selbstverständlich wieder auftauchte und jetzt auch wieder am originalen Ort zu sehen ist. Stattdessen erschien am 20.07.2010 anstelle der wöchentlichen Episode des Critics das Video „The Tommy Wiseau Show“. [http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/thatguywiththeglasses/nostalgia-critic/26252-the-tommy-wiseau-show] In diesem Sketch spielt Nostalgia Critic nicht nur einen als geistig beschränkt dargestellten Tommy Wiseau, der selbstverständlich immer wieder Catchphrases aus „The Room“ benutzt, sondern auch „John“ von theroommovie dot com. Offensichtlich ging von diesem John eine Klage gegen die Review von Nostalgia Critic ein, die dazu führte, dass das Video für eine Weile wegen Copyright-Claims vom Netz genommen wurde. Dieser John wird als jemand dargestellt, der alles und jeden verklagt und dabei die Argumente der Filmindustrie auf The Room anwendet. Interessant an der Reaktion von Nostalgia Criitc – der sich auf Fair Use Klauseln beruft, da es sich um eine Review handeln und er deshalb Bilder aus dem Film verwenden dürfte – ist nicht nur, dass er dies in einem Sketch tat, sondern in diesem Sketch über einen Anruf seine eigene Meinung äußern konnte, ohne die einzelnen Rollen zu überschreiten. Zudem zeigte er mit John, der am Ende des Sketches Tommy Wiseau selber verklagen will, weil dieser das Bild von Tommy Wiseau benutzen würde, die Absurdität mancher Argumente der Filmindustrie im Bezug auf das Copyright auf.
Angesichts dessen, dass der Sketch innerhalb weniger Tage entstanden sein muss, ist er tatsächlich eine erstaunliche kreative Leistung. Ganz offensichtlich ist Nostalgia Critic in der Lage, mit den unterschiedlichen Film-Genres umzugehen und diese sogar für seine eigenen Argumentationen zu benutzen. Es ist nicht erstaunlich, dass er in diesem Sketch auch auf dem Streisand-Effekt anspielt. [http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt]
Ebenfalls am 20.07.2010 stellte Cinema Snob eine Reaktion auf die Sperrung der Review von Nostalgia Critic in seinen Blog ein. [http://thecinemasnob.com/2010/07/20/brad-and-jerrid-watch-the-room.aspx] Dabei tritt Cinema Snob in einer seiner anderen Rollen, als Brad, auf, der mit seinem Mitbewohner Jerrid eine eigene Review von The Room produziert. Nachdem beide allerdings festgestellt haben, dass Videos, die eine Meinung über The Room verbreiten und dabei Bilder aus dem Film benutzen, um ihre Meinung zu untermauern, verklagt werden, spielen sie die herausstechensten Szenen des Filmes – den sie als schlecht bezeichnen – nach. Das ist selbstverständlich absurd, zeigt aber gerade die Absurdität, die auftritt, wenn Filmfirmen tatsächlich das Recht hätten, Reviews der eigenen Filme zu untersagen, wenn in diesen Videoreviews – die ja ein visuelles Medium darstellen – keine Bilder des jeweiligen Filmes verwendet werden. Auch dieser Sketch in offenbar in sehr kurzer Zeit entstanden, er ist auch kürzer, als die sonstigen Beiträge von Cinema Snob, aber er ist trotzdem relativ wirkungsvoll. Vor allem zeigt er auch, wie selbstverständlich Cinema Snob (und Jerrid) mit dem Medium Film umgehen.
Mit diesem Backup wurde die Sperrung der einen Review tatsächlich gemäß dem Streisand-Effekt zu einem Thema zahlreicher Blogbeiträge, Podcasts und anderen Äußerungen, zumindest im englischsprachigen Netz. Der Großteil dieser Beiträge folgte der Argumentation, dass es sich bei der Verwendung von Bildern in Reviews um eine gerechtfertigte Nutzung handeln würde. Gleichwohl finden sich auch einige Äußerungen, die – allerdings sehr oft in der polemischen Terminologie, die zur gleichen Zeit von der Tea Party Bewegung genutzt wurde – dem widersprechen. Zudem wurde das Thema größer, als sich nur auf eine Website zu beschränken.
Eine relativ späte Äußerung, die erst am 16.08.2010 erschien, als die Review von Nostalgia Critic schon wieder freigegeben war, ist ein Sketch von Obscurus Lupa, der sich im Rückblick als ein gewisses letztes Nachtretten interpretieren lässt. [http://thatguywiththeglasses.com/videolinks/teamt/ol/sketches/27503-day-tommy-wiseau] „A Day in the Life of Tommy Wiseau“ stellt zu Beginn eine Verballhornung von Tommy Wiseau dar, inklusive einer Szene, in der Obscurus Lupa von Tommy niedergeschlagen wird, geht dann aber sehr schnell in eine Collage unterschiedlicher Internetcritics (Linkara, Cinema Snob, Nostalgia Critic, Todd in the Shadows und Phelous) über, die allesamt als Tommy Wiseau absurde Gespräche über das Telefon führen. Dieser Sketch kann seine Anlehnung an britische Comedy nicht verhehlen, auch wenn er nicht ganz die Qualität erreicht. Für das einmalige sehen – und zudem unter den gegebenen technisch und infrastrukturell geringen Mitteln – ist er erstaunlich vielschichtig und spielt mit der Figur Tommy Wiseau genauso wie mit dem gesamten Gestus von The Room.
Alles in allem zeigt diese Reihe von Videos, die sich auf The Room bezogen, dass Medienkompetenz im Sinne der Beherrschung von Medien und der kritischen Aneignung derselben zumindest von den sogenannten Internetcritics ausgebildet wurde. Sicherlich stellen diese eine besonders aktive Gruppe der „Internet-Generation“ dar. Aber zumindest für diese Gruppe ist ersichtlich, dass sich das demokratisierende Versprechen, welches oft mit dem Internet verbunden wurde, ebenso erfüllt hat wie die Hoffnung, dass der Umgang mit Medien und die Demokratisierung der Produktionsmittel für Internetmedien zu einem medienkritischen Handeln führen wird.

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