20 Jahre Linux

Ab kommenden Sonntag feiert die Linux Foundation den 20. Jahrestag von Linux. Das ist vielleicht etwas verfrüht (die berühmte „What would you like to see most in minix?“-Nachricht wurde am 26.08.1991 von Linus Torvalds geschrieben), aber auch nicht ganz falsch. Betriebssysteme brauchen ihre Zeit. Die Geschichte von dem finnischen Studenten, der in den Ferien seinen Computer besser verstehen wollte und deshalb eine Terminal-Simulation schrieb, die sich zum Kernel anwuchs, die dann mit der Userland-Software aus dem GNU-Projekt verbunden und damit zum vollwertigen Betriebssystem wurde, ist oft genug erzählt worden. Das muss man eigentlich nicht nochmal wiederholen.
Seit diesen Experimenten ist Linux einen weiten Weg gekommen. Nicht nur im Umfeld der Nerds und der Informatik. Wer heute nicht zumindest einmal eine Distribution aufgesetzt und ausprobiert hat, sollte das Wort „Informationskompetenz“ nicht in den Mund nehmen, so einfach und selbsterklärend ist der Betrieb von Linuxsystemen geworden. (Und auch, wer nicht begründen kann, warum er oder sie das Betriebssystem benutzt, was er oder sie gerade benutzt.) Aber das ist ein anderes Thema.
Interessant und auch anziehend finde ich neben der hohen Funktionalität und der theoretischen Möglichkeit, alles am Betriebssystem und Userland untersuchen, verstehen und verändern zu können, dass der Streit zwischen technischer Machbarkeit (repräsentiert durch Linus Torvalds) und politischem Anspruch (repräsentiert durch Richard Stallman) in der Linux-Community immer noch nicht beendet wurde, sondern – durchaus intellektuell anregend – immer weiter ausgetragen wird. Das war vor 20 Jahren so, das wird hoffentlich auch so weitergehen. Hinzugekommen ist der beständige Streit darum, ob man Nutzerinnen und Nutzer erziehen sollte oder möglichst frei entscheiden lassen sollte. Die aktuellen Diskussionen um Gnome 3.0 und die Gnome-Shell sind da ein gutes Beispiel für. Linux ist halt nicht nur ein (meist, aber nicht immer, besseres) Betriebssytem, sondern ebenso die Grundlage einer äußert aktiven Community, in der auch über die Freiheit der Mediennutzung der Zukunft verhandelt wird. Deswegen bin ich ehrlich gesagt immer wieder einmal erstaunt, wie selten Linux (oder die anderen freien Betriebssysteme) und die mit dieser Software zusammenhängenden Debatten im bibliothekarischen Rahmen wahrgenommen werden. Vielleicht ist der Geburtstag ja ein Grund, dass zu ändern.

Die Überblicksseite zu den Feierlichkeiten mit vielen Pinguinen und Informationsmaterialien findt sich hier: www.linuxfoundation.org/20th

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