Schülerbüchereien in der DDR. Die Artikel aus Der Bibliothekar (Zur Geschichte der Schulbibliotheken, IV)

In den Diskussionen um Schulbibliotheken wird oft der Eindruck erzeugt, als hätte es bislang nur wenige Aktivitäten in diesem Bereich gegeben und als würde, nach einigen Vorarbeiten in den 1970er und 1980er Jahren, heute damit begonnen, Schulbibliotheken zu fordern und aufzubauen. Eventuell ist eine solche Argumentation für die heutige Arbeit notwendig, historisch korrekt ist sie nicht. Interessant ist dabei, dass nicht nur in der BRD, sondern auch in der DDR Schulbibliotheken aufgebaut und betrieben wurden. Es scheint sogar so zu sein, dass diese Förderung in der DDR intensiver betrieben wurde, als in der BRD.

Ob dieser Eindruck richtig ist, müsste eine tiefergehende Archivrecherche zeigen. Außerdem sollte man aufpassen, aus der heutigen Sicht die Entwicklungen in beiden deutschen Staaten zu sehr miteinander vergleichen zu wollen. Nur, weil sie heute einen Staat darstellen, kann man dies nicht in die Vergangenheit zurück projizieren. Lange Zeit galt der jeweils andere deutsche Staat als Feind oder – nach der Entspannung in den 1970er Jahren – zumindest als ein weiterer Staat im Ausland. Zumindest aber lassen sich in der bibliothekarischen Literatur der DDR nicht weniger Texte und Äußerungen zu Schulbibliotheken finden, als in der bibliothekarischen Literatur der BRD. Bislang ist die Literatur der DDR zu diesem Thema allerdings nicht aufgearbeitet worden. In diesem Text soll damit begonnen werden.

Dies ist nicht nur von historischem Interesse: In der DDR wurden im Laufe der Zeit mehrere Modelle von Schulbibliotheksarbeit ausprobiert. Aus diesen Erfahrungen sollte zu lernen sein. Ebenso sollte diese Geschichte einige Hinweise darauf geben, welche Modelle nicht funktioniert haben und vielleicht auch, wieso. Sicherlich: wir leben in anderen Zeiten, die Gesellschaft, das Schul- und das Bibliothekssystem haben sich verändert. Aber man sollte die Beharungstendenzen der beiden betreffenden Systeme nicht unterschätzen. Strukturen, Ideen und Vorstellungen ändern sich nicht so schnell so grundlegend, als das man nicht aus den Erfahrungen aus der DDR lernen könnte. Gleichzeitig ist es aber auch erstaunlich, was im Bereich der Schulbibliotheken in diesem Staat diskutiert und geplant wurde, ohne das davon heute noch etwas bekannt zu sein scheint. Eventuell ist der historische Abstand gegeben – bei aller notwendigen Beachtung des Faktes, dass es sich bei der DDR letztlich um eine Diktatur handelte (wenn sie auch selbstverständlich von weit ehrenvolleren Zielsetzungen ausging, als die nationalsozialistische oder andere, gerade erst beim Stürzen befindliche Diktaturen und trotz aller Menschenrechtsverletzung weit humaner handelte, als andere Diktaturen) – die damals geleistete Arbeit zur Kenntnis zu nehmen.

Es drängt sich aber auch die Frage auf, was eigentlich mit diesen Schulbibliotheken, die es offensichtlich in nicht zu unterschätzender Zahl gab, geschehen ist. Tendenziell wurde das Bibliothekssystem der DDR zurückgebaut, gerade die zahlreichen Ausleihstellen und Zweigbibliotheken wurden geschlossen. Darin enthalten werden auch zahllose Schulbibliotheken gewesen sein. Zugleich wurde zahlreiche eigenständige Kinderbibliotheken in die Öffentlichen Bibliotheken integriert, was ebenso eine Anzahl der Schulbibliotheken betroffen haben wird.

Der Textkorpus und einige Auffälligkeiten

Zusammenfassend besprochen werden hier alle Texte, die in der zentralen Publikation für Öffentliche Bibliotheken in der DDR – terminologisch richtiger „Allgemeinbibliotheken“ – „Der Volksbibliothekar“ (1946/47-1949) beziehungsweise „Der Bibliothekar“ (1950-1990) veröffentlicht wurden. In den letzten drei Monaten wurden dazu die gesamten Ausgaben dieser beiden Zeitschriften durchgeschaut. Selbstverständlich besteht immer noch die Chance, das einzelne Texte oder Textstellen übersehen wurden. Dennoch bietet der Korpus einen ersten Einstieg in das Thema, obgleich die gesamte pädagogische Literatur noch nicht mit einbezogen wurde. Die groben Linien der Diskussionen um Schulbibliotheken in der DDR lassen sich allerdings mithilfe dieser Texte nachzeichnen.

Einige Auffälligkeiten sind zu Beginn festzuhalten:

  • Im Gegensatz zum heutigen Vorgehen in der BuB gab es in Der Volksbibliothekar und Der Bibliothekar keine Schwerpunktausgaben zu Schulbibliotheken. Die Texte erschienen allesamt alleinstehend. Insoweit gab es kaum Querverweise zwischen Ihnen, was bei Schwerpunktausgaben leichter möglich wäre. Allerdings bezogen sich relativ oft Texte über Zitationen aufeinander.
  • Ein sehr großer Teil der Artikel, insbesondere in den ersten Jahrzehnten der DDR, beschäftigt sich mit Schulbibliotheken in „sozialistischen Ausland“, vor allem im der Sowjetunion. Späterhin werden Schulbibliotheken auch im Rahmen der Vorstellung von Bibliothekssystemen in anderen Staaten besprochen. Dies ging offenbar einher mit der Aufgabe, die Der Bibliothekar erteilt wurde, über die Bibliothekssysteme anderer Staaten zu berichten. Die Frage ist allerdings, ob und wenn ja, wie dies auf die Schulbibliotheken in der DDR wirkte.
  • Die intensivsten Diskussionen um Schülerbüchereien fanden in den frühen 1960er Jahren statt. (Das heißt ungefähr zehn Jahre, bevor in der BRD der systematische Ausbau der Schulbibliotheken angestrebt wurde.) Hervorzuheben ist der „Zwickerau Weg“ – die Einrichtung von Zweigstellen durch Kinderbibliotheken in möglichst allen Schulen einer Stadt –, welcher offenbar eine so starke Debatte im Bibliothekswesen auslöste, dass sie sich mehrfach in Artikeln in Der Bibliothekar niederschlug.
  • Die Entwicklungen und Diskussionen zu Schulbibliotheken in der BRD wird nur selten aufgegriffen und dies auch nur, wenn es sich negativ gegen die BRD wenden lässt. Mit dem Ende der 1960er Jahre – also im Gleichklang zur Entspannungspolitik, die 1972 im Anerkennungsvertrag zwischen BRD und DDR kumulierte – endet dies. Die weiteren Entwicklungen in der Schulbibliotheksdiskussion in der BRD werden in Der Bibliothekar nicht besprochen. (Dies gilt allerdings auch in anderer Richtung. In der BuB, den Informationen für den Schulbibliothekar und der schulbibliothek aktuell wird bis zum Ende der DDR auch nicht auf deren Schulbibliotheken eingegangen.)
  • In den ersten beiden Jahrzehnte der DDR finden sich regelmäßig Beiträge zu Schulbibliotheken. Die Zahl nimmt nach den 1970er Jahre ab, rapide fällt sie in den 1980er Jahren, wo solche Texte eine Seltenheit darstellen. Allerdings erscheint in den wenigen Texten die Situation so, als wenn Schulbibliotheken weiterhin einen verbreiteten Bibliothekstyp darstellen.
  • Der Grund für dieses Abnehmen der Texte scheint unter anderem damit tun zu haben, dass Schulbibliotheken immer weniger als eigenständige Einrichtungen wahrgenommen wurden und immer mehr als Ausleihstellen oder Zweigstellen der Öffentlichen Bibliotheken betrieben werden. Man kann daraus nicht schließen, dass die Zahl der Schulbibliotheken abgenommen hätte.

Eine Erweiterung des Korpus kann in mehreren Richtungen geschehen:

  • Einbezug der Texte, die in pädagogischen Publikationen erschienen sind. Es gibt in den bibliothekarischen Texten der DDR nur selten einen Bezug zur pädagogischen Literatur. Allerdings ist auch heutzutage zu beobachten, dass die Texte, die in pädagogischen Zeitschriften zu Schulbibliotheken erscheinen und solche, die in bibliothekarischen erscheinen, kaum Bezug aufeinander nehmen. Insoweit ist zu vermuten, dass eine Anzahl von Texten, die sich eher mit der pädagogischen Nutzung von Schulbibliotheken beschäftigten, in der pädagogischen Literatur zu finden sein wird.
  • Schulgeschichten und behördlichen Unterlagen zu Schulen.
  • Darstellungen der Arbeit von Öffentlichen Bibliotheken. Schon bemerkt wurde, dass eine Anzahl von Schulbibliotheken in der DDR als Ausleihstellen von Öffentliche Bibliotheken betrieben und als solche in der Statistiken aufgeführt wurden. Allerdings betrieben Öffentliche Bibliotheken weit mehr Ausleihestellen – beispielsweise in Ferieneinrichtungen, Jugendeinrichtungen, bibliothekarisch noch nicht erschlossenen neuen Wohngebieten, kleinen Betrieben ohne Gewerkschaftsbibliotheken et cetera – und wiesen diese nicht immer getrennt voneinander in den Bibliotheksstatistiken aus. Allerdings kann vermutet werden, dass in anderen Darstellungen zur Arbeit Öffentlicher Bibliotheken mehr Angaben zur Arbeit der Ausleihstellen in den Schulen enthalten sind.
  • Ausführungsvorschriften der Kultus- und Schulbehörden. Im Korpus finden sich einigen Gesetzestexte und Verweise auf Gesetze, zudem war die Steuerung durch behördliche Anweisungen und Überprüfungen in der DDR die Grundlage der politischen Steuerung der Gesellschaft. Insoweit lassen sich auch in behördlichen Texten weitere Hinweise auf die angedachte und tatsächliche Arbeit von Schulbibliotheken vermuten.

Bei der Auswertung des Korpus ist zudem darauf zu achten, dass die Terminologie – und damit teilweise auch die dahinter stehenden Einrichtungen – nicht vollständig mit der Terminologie, wie sie zeitgleich in der BRD verwendet wurde oder heute verwendet wird, übereinstimmt. Als Gegenstück zu Öffentlichen Bibliotheken / Büchereien gab es – die meiste Zeit der DDR über – die Allgemeinbibliotheken, auch öffentliche Allgemeinbibliotheken genannt sowie die Wissenschaftlichen Allgemeinbibliotheken. Die bibliothekarischen Einrichtungen in den Schulen hießen zumeist Schülerbüchereien und nicht Schulbibliotheken.

Im Weiteren soll der Korpus der Texte vorgestellt werden. Im Anhang findet sich eine Vereinbarung aus dem Jahr 1963, deren Relevanz unter dem bibliographischen Nachweis des Textes 1964 dargestellt ist.

1946-1949: Der Volksbibliothekar

Der Volksbibliothekar war die erste regelmäßige Publikation auf dem Gebiet der späteren DDR, die sich mit der Arbeit der Allgemeinbibliotheken beschäftigte. Auffällig ist, dass das Thema der meisten Texten der Aufbau beziehungsweise Wiederaufbau von Bibliotheken war. Gleichzeitig fanden sich relativ viele Texte, welche das Bibliothekswesen der Sowjetunion als Vorbild darstellen.

Zu beachten ist, dass die DDR bekanntlich 1949 gegründet wurde. Zuvor erschien Der Volksbibliothekar in der Sowjetischen Besatzungszone.

Alliierter Kontrollrat. (1946). Befehl Nr. 4 des Alliierten Kontrollrates: Einziehung nationalsozialistischer und militaristischer Literatur. Der Volksbibliothekar, 1(1), 15.  

Der in der ersten Nummer von Der Volksbibliothekar (und anderswo) veröffentlichte Befehl des gesamten Alliierten Kontrollrates weist unter anderen „Leiter von G y m n a s i e n und höheren oder niederen E l e m e n t a r s c h u l e n“ an, „aus den ihnen unterstellten Büchereien […] nationalsozialistische und militärische Literatur zu entfernen“ (Alliierter Kontrollrat 1946, S. 15) und sie den alliierten Behörden zu übergeben. Insoweit wird vom Vorhandensein von Schulbibliotheken auch in nationalsozialistischen Schulen zumindest ausgegangen.

Snimschtschikowa, G. J. (1946). Das Bibliothekswesen in der Sowjetunion. Der Volksbibliothekar, 1(2), 85-98.  

In diesem Überblickstext zählt G. Snimschtschikowa „Studienbibliotheken, d.h. Bibliotheken der Schulen, technischen und höheren Lehranstalten“ (Snimschtschikowa 1946, S. 91) als eine von vier in der Sowjetunion vorhandenen Bibliothekstypen auf. Weiter geht sie auf diese nicht ein, betont aber mehrfach, dass die Bibliotheken in der Sowjetunion allesamt Teil eines ineinander verzahnten Systems seien.

Wichtig ist festzuhalten, dass es sich bei diesem Text um den ersten Überblick zum sowjetischen Bibliothekswesen handelt, der in Der Volksbibliothekar publiziert wurde. Obgleich dessen reale Wirkung nicht bekannt ist, kann doch postuliert werden, dass er einen explizit programmatischen Charakter haben sollte.

1950-1954

Ab 1950 erscheint anstatt Der Volksbibliothekar in fortgesetzter Zählung, mit neuen Layout und leicht veränderter Zielsetzung – mehr Diskussionen und Beiträge aus der Praxis – Der Bibliothekar.

Makarow, M. (1950). In einer sowjetischen Schulbibliothek. Der Bibliothekar, 4(1), 13-14.  

Sehr kurz wird die angeblich prototypische Arbeit einer namenlosen Bibliothekarin in einer sowjetischen Schulbibliotheken (in der 6. Jungenschule in Kalinin, heute Tver, Russland) dargestellt. Der Text beginnt mit der Darstellung einer Pause, in welcher „Kinder in den großen, hellen, freundlichen Raum [eintreten]“ (Makarow 1950, S. 13) und Ausleihgespräche führen. Anschließend wird aufgezählt, dass die Bibliothekarin Empfehlungslisten und Arbeitsempfehlungen für die Schulklassen angefertigt habe, der Bestand der Bibliothek auch Zeitungen und Zeitschriften enthält die – was in deutschen Schulen tatsächlich nicht selbstverständlich war – Schülern und Lehrer […] zur Verfügung stehen.“ (Makarow 1950, S. 13) Zudem wird die Zusammenstellung einer Buchausstellung angesprochen, darauf hingewiesen, dass die Bibliothekarin über den Unterricht informiert sei und den Bestand entsprechend dieses Unterrichts und von Prüfungszeiten organisiert. Es werden Elterngespräche durch die Bibliothekarin angeführt, zudem auf die Hilfe von Schülerinnen und Schülern verwiesen. Abgeschlossen wird der Artikel mit einem Verweis auf das Erstellen von Ausleihstatistiken und das Besuchen von „lehrmethodischen Beratungen der Bibliothekare und Lehrer“ (Makarow 1950, S. 14) sowie einem Hinweis auf die Notwendigkeit einer eigenständigen Weiterbildung der Bibliothekarin.

Der sehr kurze Text schafft es, die in einer sowjetischen Schule verlangte Arbeit von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren idealtypisch darzustellen, wobei auf die ideologische Grundlage kaum, auf die gewiss auftretenden realen Probleme bei der Umsetzung des Ideals überhaupt nicht eingegangen wird.

Im Text wird interessanterweise das Buch „Was Lenin über die Bibliotheken geschrieben und gesagt hat“ erwähnt, allerdings ohne den Namen der Herausgeberin – Nadeshda Krupskaja – zu erwähnen. Dieses Buch wurde in der DDR – und damit das erste Mal in deutsch – erst 1956 unter dem Titel „Was Lenin über Bibliotheken schrieb und sagte“ veröffentlicht.

Rittinghaus, J. (1950). Zur Frage der Schüler- und Pionierbibliotheken. Der Bibliothekar, 4(5), 278-280.  

Im ersten Jugendgesetz der DDR wurde die Förderung von Schülerbüchereien explizit festgeschrieben. Johanna Rittinghaus nahm dies zum Anlass, um Grundmerkmale von Schülerbüchereien darzustellen. Dabei trifft sie – allerdings jeweils kaum begründet – Aussagen, die aus der heutigen Sicht auf Schulbibliotheken erstaunen.

Anfangs postuliert sie, dass die Schülerbüchereien zumeist so schlecht seien, dass sie von Grunde neu aufgebaut werden müssen. Zudem sieht sie diese Büchereien als besonders sinnvoll an, weil die Erziehung erwachsener Menschen weit schwieriger wäre, als die von Kindern und Jugendlichen und deshalb möglichst früh angesetzt werden müsste.

„Die Schülerbücherei kann ihrem ganzen Charakter nach unabhängig neben der Jugendabteilung der örtlichen öffentlichen Bücherei oder der örtlichen Jugendbücherei stehen. Sie hat den großen Vorteil […], sich in unmittelbarer Nähe ihrer Leser zu befinden.“ (Rittinghaus 1950, 278) Rittinghaus stellt die Schülerbücherei als eigenständigen Bibliothekstyp dar. Die Aufgabe dieser Einrichtung definiert sie wie folgt: „Grundsätzlich muß festgestellt werden, daß die Schülerbücherei ihrer Funktion nach eine reine ‚Bildungsbücherei‘ sein und bleiben muß. Sie darf nicht unmittelbar unterrichtlichen Zwecken dienen. Die sogenannten Klassenlesestoffe z. B. müssen von der Schülerbücherei völlig getrennt behandelt werden. Das Kind muß in der Wahl seiner Lektüre frei sein, die Ausleihe muß ohne spürbare pädagogische Beaufsichtigung vor sich gehen.“ (Rittinghaus 1950, S. 278) Dieser Auffassung stehen heute Vorstellungen gegenüber, welche Schulbibliotheken explizit im Unterricht verankern möchten. Auch in der DDR wurden explizit Vorstellungen vertreten, die Schülerbüchereien in den Unterricht oder der Leseerziehung von Kindern und Jugendlichen einsetzen wollten.

Pionierbibliotheken, welche in den Pionierhäusern eingerichtet werden sollten, stellt die Autorin den Schülerbüchereien prinzipiell gleich. Weiterhin betont sie, dass solche Bibliotheken planmäßig aufzubauen seien und deshalb in naher Zukunft Empfehlungslisten verteilt werden sollten. Als Untergrenze verlangt Rittinghaus zwei Bände pro Schülerin / Schüler, mindestens aber 200 Bände, zudem 0,70 DM pro Schülerin / Schüler im Jahr für die Ersetzung von verschlissenen Werken. Des Weiteren kündigt sie an, dass die Vereinheitlichung der Verwaltungstechnik für Schüler- und Pionierbüchereien bevorstehen würde und schlägt eine einfache Systematik mit neun Bestandsgruppen vor. Die weiteren Hinweise des Textes – Verwaltung der Büchereien an die Schülerinnen/Schüler übergeben, Zugangsbuch, Buchkarten, Lesekarten und Zettelkartei anlegen – sollen als Vorarbeit auf Richtlinien verstanden werden, welche ebenso demnächst erscheinen würden.

Korn, I. (1951). Die Mithilfe der Bibliothekare beim Neuaufbau der Schülerbibliotheken. Der Bibliothekar, 5(1/2), 83-85.

Im Zuge der Förderung von Schülerbüchereien im Rahmen des ersten Jugendgesetzes der DDR wurde an alle Schulen 40 Bücher für deren Büchereien verschickt. Ilse Korn geht aus diesem Anlass auf die Frage ein, wie und warum Allgemeinbibliotheken die Schülerbüchereien unterstützen sollten. Offenbar sah sie es als notwendig an, für eine solche Arbeit zu werben: „Wir wissen alle, daß die Bibliothekare durch den großen Personalmangel sehr stark mit Arbeit überlastet sind. Aber hier, beim Aufbau unserer Schülerbibliotheken, geht es um eine vordringliche Aufgabe, um die fortschrittliche Entwicklung unserer Kinder. […] Bibliotheken lassen sich aber nur ordnungsmäßig aufbauen, wenn eine fachliche Anleitung und Beratung gegeben wird. Unsere Schüler, die daran mitarbeiten sollen, sind unerfahren, und diese Aufgabe den Lehrern zu überlassen, wäre falsch, denn auch sie sind keine Bibliothekare und müssen in diesen Fragen bibliothekarisch beraten werden.“ (Korn 1951, 83) [Letzteres wird auch heute in bibliothekarischen Kreisen als Position vertreten.]

Anschließend formuliert Korn Erwartungen an Bibliothekarinnen / Bibliothekare: Kontaktaufnahme zu den Schulen, Kontrolle der Bibliotheken, Hilfe bei der Reorganisation, Anleitung der Schülerinnen / Schüler bei Verwaltungsarbeiten, der Buchpflege und Katalogisierung, Unterstützung bei der Gründung von Lesezirkeln.

Anschließend gibt Korn Einblicke in die weitergehenden Planungen zum Bibliothekssystem in der DDR: „Die Schülerbibliotheken bilden, wie alle anderen Bibliotheksarten, einen Bestandteil des einheitlichen Bibliothekswesens, das in seiner Gesamtheit nicht nur ausgebaut, sondern auch in zunehmenden Maße einheitlich gelenkt werden muß […].“ (Korn 1951, S. 84) Sie berichtet davon, dass mit den Buchlieferungen auch „Richtlinien und Arbeitsanweisungen zur Verwaltung der Schülerbibliotheken“ verschickt wurden. [Von diesen habe ich bislang leider kein Exemplar recherchieren können.] Zudem sei bei der „Abteilung Bibliotheken des Ministeriums für Volksbildung“ 1951 ein Referat „Kinderbibliotheken“ eingerichtet worden, welches auch für die Schülerbüchereien zuständig wäre und dafür Sorge tragen würde, dass „regelmäßige Vorschlagslisten der empfehlenswerten Jugend- und Kinderliteratur und Buchbesprechungslisten veröffentlicht werden, um allen Kinderbibliotheken bei der Buchbeschaffung und der Ausleihberatung zu helfen.“ (Korn 1951, S. 85)

Diese Planungen gehen einher mit den Bestrebungen, tatsächlich alle Formen von Bibliotheken zu einem einheitlich geplanten und gelenkten Bibliothekssystem zusammenzufassen.

Anonym. (1951). Die Schulbibliothek im neuen Polen. Der Bibliothekar, 5(4), 214-217.

Diese Darstellung polnischer Schulbibliotheken berichtet hauptsächlich über den Aufbau dergleichen in den zurückliegenden Jahren. Schulbüchereien werden als eigenständiger, allerdings wichtiger Bibliothekstyp angesehen: „In der Verordnung vom 17. April 1946 wird den Schulbüchereien unter den wissenschaftlichen und öffentlichen Büchereien die erste Stelle eingeräumt.“ (Anonym 1951, S. 214) 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Polen würden aktiv Schulbüchereien nutzen.

Die Bedeutung der Büchereien läge darin, dass sie schulische Arbeit unterstützen und zudem die Schülerinnen / Schüler sozialistisch erziehen würden: „Das Lesen guter Bücher unterstützt den Schüler beim Erwerb einer sozialistischen Moral, es prägt das richtige Verhältnis zur Arbeit aus, erzieht zum Patriotismus und Internationalismus, was sich in einem Gefühl des Stolzes und der Verbundenheit mit den demokratischen kulturellen Tradition der Vergangenheit des Volkes äußert, es hämmert der Jugend eine neue Erkenntnis des Eigentums ein […], es mobilisiert die Jugend zur Beteiligung am sich vollziehenden Umbauprozeß und verweist auf die konkreten Pflichten je nach seiner Möglichkeit.“ (Anonym 1951, S. 214f.)

Perspektivisch würde in Polen angestrebt, jede Schule mit einer Bücherei auszustatten, die aktiv genutzt wird. 1955 sollen alle Grundschulbibliotheken [der Text wechselt beständig die Terminologie] drei Bände pro Schülerin / Schüler anbieten. Weiterhin wird auf den Bestandsaufbau in den Schulbüchereien in Polen eingegangen, welcher sich an den Aufgaben der Schulen zu orientieren habe. Zur Größenordnung liefert der anonyme Autor / die anonyme Autorin – der oder die höchstwahrscheinlich für das polnische Ministerium für Volksbildung spricht – folgende Übersicht (Anonym 1951, S. 217):

Jahr Bibliotheken Bände

1945/46 13 605 1 800 000

1946/47 18 603 3 067 000

1947/48 20 600 4 500 000

Rittinghaus, J. (1951). Zur Lage der Dorfbibliotheken. Der Bibliothekar, 5, 347-349.

In diesem Text wird erwähnt, dass die Bibliothek auf dem Dorf oft räumlich in der Schule untergebracht sei, was allerdings „keineswegs eine Ideallösung“ (Rittinghaus 1951, S. 347) darstellen würde. Vielmehr hätten Schul- und Dorfbibliotheken unterschiedliche Aufgaben.

Ulrich, A. (1952). Entwicklung und Struktur der öffentlichen Bibliotheken in Polen. Der Bibliothekar, 6, 309-325.

In diesem Artikel wird das gesamte Bibliothekswesen in Polen – dass als gemeinsam gelenktes und ineinander verzahntes System begriffen wurde – vorgestellt. Der Abschnitt zu Schulbibliotheken (S. 216-218) stellt eine Fortschreibung des Textes aus dem Vorjahr (Anonym 1951) dar. Die Tabelle über die Anzahl der Bibliotheken und Größe der Bestände wird wie folgt weitergeführt (nach: Ulrich 1952, S. 217):

Jahr Zahl der Bibliotheken Bestand

1949 25 470 7,5 Millionen Bände

1952 31 200 17,0 Millionen Bände

Wolf, W. (1953). Wir sahen Bibliotheken an sowjetischen Schulen. Der Bibliothekar, 7, 381-382.  

In diesem Text stellt der Autor zu Beginn Schulbibliotheken an Sowjetischen Schulen vor, die allesamt gut ausgestattet, genutzt und von ausgebildeten Bibliothekarinnen / Bibliothekaren betrieben werden. „Bei einem Rundgang durch die 171. Leningrader Mädchenschule kamen wir auch in die Bibliothek. Die Direktorin sagte uns: ‚Wir sind eine neue Schule, wir bestehen erst seit zwei Jahren, demzufolge ist unsere Bibliothek noch klein; sie umfaßt erst 6000 Bände. Deshalb haben wir bisher nur eine Bibliothekarin. Unsere Bibliothek wird aber wachsen.’“ (Wolf 1951, S. 381)

Anschließend versucht der Autor Schlussfolgerungen für die Schulen in der DDR zu ziehen. „Die Sowjetunion ist ein reiches Land, deshalb sind die Bibliotheken größer als unsere Schulbibliotheken, deshalb stehen besonders besoldete Kräfte mit einer hochqualifizierten Ausbildung zur Verfügung. Trotzdem glaube ich, wir haben noch längst nicht alle Möglichkeiten in der Arbeit unserer Schülerbüchereien oder Schulbibliotheken ausgenutzt.“ (Wolf 1951, S. 382) Eine Schulbibliotheken habe sich ihrer Aufgabe bewusst zu sein, die Lektüre der Schülerinnen / Schüler zu steuern, sie müsse als Einrichtung sinnvoll geplant und geleitet werden, die Selbstverantwortung der Schülerinnen / Schüler bei der Benutzung der Bibliothek müsse gefördert und die Schulbibliothek in den Unterricht integriert sein.

Rössler, L. (1953). Bibliothek und Schule auf dem Lande. Der Bibliothekar, 7, 540-541.

Ein Diskussionsbeitrag. Lothar Rössler fand es notwendig, gegen Vorschläge zu argumentieren, im ländlichen Raum die Schulbibliotheken den Dorfbibliotheken anzugliedern. Seiner Meinung nach würde diese Position vertreten, weil die Bibliotheken in Dorfschulen zumeist sehr geringe Bestände hätten. Er argumentiert – mit Verweis auf den Text von Walther Wolf (Wolf 1953) –, dass die Bedeutung von Schulbibliotheken in naher Zukunft zunehmen würde und fordert stattdessen, diese Bibliotheken zum Zentrum des bibliothekarischen Interesses der Schülerinnen und Schüler zu machen: „Auf dem Lande eine Bibliothek für Kinder, die Schülerbibliothek!“ (Rössler 1953, S. 541)

Franke, G., & Walther, G. (1954). Eine Kinderbibliothek auf neuen Wegen. Der Bibliothekar, 8, 56-58.

Der Text beschreibt die Arbeit einer Kinderbibliothek der Stadtbücherei in Karl-Marx-Stadt, die in einer Schule als Schulbibliothek untergebracht ist und intensiv genutzt wird. Es wird sehr detailliert auf die konkrete Arbeit der Bibliothek eingegangen, inklusive der Öffnungszeiten, der Organisation der Ausleihe et cetera. Die Bibliothek wird von einer hauptamtlichen Bibliothekarin betrieben – ob sie gleichzeitig für die Öffentlichkeit offen steht, ist nicht ersichtlich – und in die Schule über eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Gruppen integriert: „Vorbildlich ist die Zusammenarbeit zwischen Schulleitung, Lehrerkollektiv, Pionierleitung, dem Sekretär der Betriebsgruppe der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und der Bibliothek.“ (Franke & Walther 1954, S. 56)

Außer einem anfänglich zu kleinen Bestand wird erstaunlicherweise über keine Probleme berichtet.

Boden, H. (1954). Gesetze, Verordnungen, Richtlinien und Anweisungen der Deutschen Demokratischen Republik, das Bibliothekswesen betreffend: Eine Auswahl. Der Bibliothekar, 8, 499-514.  

In dieser Übersicht werden drei Verordnungen angeführt, die sich auf Schülerbibliothek beziehen: (1) Richtlinie für den Aufbau und die Verwaltung von Schülerbibliotheken in den Betriebsberufsschulen und Berufsschulen. Vom 6. September 1952. (2) Ministerium für Volksbildung. Anweisung Nr. 109 (Schülerbüchereien für allgemeinbildende Schulen.) Vom 15. Mai 1951. (3) Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit der Schülerbibliotheken. Vom 22. September 1952.

1955-1959

Redaktion. (1956). Was steht in westdeutschen Schulbibliotheken? Der Bibliothekar, 10(9), 533-534.

Aus der Zeitschrift „Kultur“ (München) wird ein Artikel referiert, welcher darüber berichtet, dass in einer Anzahl der Schulbibliotheken in der BRD kaum moderne und / oder emanzipatorische Literatur enthalten sei.

Uhlig, E. (1957). Zur Frage der Schüler- und Kinderbibliotheken. Der Bibliothekar, 11(4), 433-434.

Diskussionsbeitrag zu der Frage, ob und wie Allgemeinbibliotheken die Schülerbüchereien unterstützen sollen. Die Autorin argumentiert, dass bisherige Versuche in der DDR, diese Arbeit anzustoßen, größtenteils nicht zum Erfolg geführt haben, sondern dass vielmehr in weiten Bereichen die Arbeit der Kinderbibliotheken nicht wahrgenommen würde. Weiterhin argumentiert die Uhlig, dass die Kinderbibliotheken nur dort, wo sie es leisten können, auch eine Unterstützung für Schulbüchereien leisten sollten und hingegen Schulen selber mit guten Schülerbüchereien die bibliothekarische Arbeit unterstützen können.

Irrek, M. (1958). Ein gelungener Versuch. Der Bibliothekar, 12, 304.  

Die Autorin berichtet aus Woltersdorf (Kreis Luckenwalde, heute Teil der Gemeinde Nuthe-Urstromtal, Brandenburg), dass eine Gemeinde- und eine Schulbibliothek nebeneinander bestehen, aber von der gleichen Leiterin geführt werden. Diese Bibliotheken organisierten zusammen mit der örtlichen Schule spezifisch ausgewählte Blockbestände als Klassenbibliotheken, wobei das Projekt als erfolgreich beschrieben wird.

Römpler, U. (1958). Zu einigen Fragen unseres Kinderbibliothekswesens. Der Bibliothekar, 4, 347-350.

Diskutiert wird vor allem die Frage, wie und wofür eine Kinderbibliothek arbeiten sollte. Schülerbüchereien werden kurz angesprochen, weil es eine Diskussion darüber gibt, wie sich diese zu den Kinderbibliotheken verhalten. Es wird nicht klar, welche Position die Autorin selber einnimmt.

Anonym. (1958). Schulbibliothekare an allen Schulen mit mehr als 450 Schülern. Der Bibliothekar, 12(9), 999.

Bericht darüber, dass in Polen die Personalfunktion „Schulbiliothekar“ geschaffen wurde, die in einem sechswöchigen Kurs ausgebildet beziehungsweise weitergebildet werden und in Schulen mit über 450 Schülerinnen / Schüler eingesetzt werden. Geplant ist, in Zukunft auch Schulen mit 300-450 Schülerinnen / Schüler mit diesem Personal auszustatten.

Anonym. (1958). Schülerbücherei und sozialistische Erziehung. Der Bibliothekar, 12(11), 1222.  

Hinweis auf die Zeitschrift „Neue Jugendschriften-Warte“ (Zentralvorstand der Gewerkschaft Unterricht und Erziehung), in welcher eine Diskussion um Schülerbüchereien begonnen worden sei.

Becker, W. (1959). Schule, Bibliothek und außerschulische Erziehung. Der Bibliothekar, 13(6), 659-662.

Berichtet über eine Kinderbibliothek, die – in der moderneren Terminologie – offenbar als „integrierte Schulbibliothek“ (das heißt geöffnet für die Allgemeinheit, aber auch als Schulbibliothek genutzt) betrieben wird. Die Bibliothek befindet sich, zusammen mit anderen Nicht-Unterrichtsräumen der Schule, in einem gesonderten Block der Pestalozzi-Mittelschule in Berlin-Hohenschönhausen. Der Bericht beschreibt die Arbeit der Bibliothek mit der Schule – inklusive Einführungsveranstaltung, Bestands- und Veranstaltungsarbeit – als erfolgreich.

Otto, M. (1959). Bibliotheksarbeit in der Schule. Der Bibliothekar, 13(12), 1318-1319.

Die Autorin bezieht sich auf den Text von Becker (1959) und beschreibt die Arbeit einer in Karl-Marx-Stadt agierenden Schulbibliothek, die von der dortigen Stadtbibliothek betrieben wird. Obgleich sie diese Institution als erfolgreich beschreibt – inklusive eines nicht weiter beschriebenen „Bibliotheksunterrichts“ –, weist sie auf einige Probleme hin. So gäbe es nach einer gewissen Zeit einen Rückgang der Leserinnen / Leser, weil „der Reiz des Neuen“ verflogen sei, aber auch, weil die Bestände „durchgelesen“ seien. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass die zusätzliche Arbeit nicht auf Kosten der bibliothekarischen Arbeit gehen würde. Die Autorin berichtet, dass in Karl-Marx-Stadt die Bibliothekarin anfangs in der Schule für fast alle außer-unterrichtlichen Aufgaben herangezogen wurde, was sich negativ auf die Qualität der Bibliothek ausgewirkt hätte.

Als neue Problematik bezeichnet die Autorin die Umstellung auf den polytechnischen Unterricht. Dies müsse sich auch im Bestand niederschlagen. Insoweit könnte die Schülerbücherei keine Kinderbibliothek sein.

1960-1964: „Zwickauer Weg“, Zweigstellen und Vereinbarung zwischen Volksbildungs- und Kultusministerium

In den ersten Jahren der 1960er Jahre ist eine Steigerung der Diskussionen um Schülerbüchereien zu verzeichnen. Nicht nur erscheint in diesen Jahren ein eigenständiges Buch zu Schülerbüchereien [Sallmon, H. (1962). Aufgaben der Schülerbüchereien an den zehnklassigen Oberschulen. Schriftenreihe Außerunterrichtliche Bildung und Erziehung. Berlin: Volk und Wissen.], es wird auch eine Diskussion um den sogenannten „Zwickauer Weg“ geführt, die sich in Der Bibliothekar niederschlägt. In Zwickau hatte die Kinderbibliothek in allen Schulen der Stadt Zweigstellen eingerichtet, die sie zum Teil anleitete, zum Teil selber führte. Hierfür mussten zum Teil bestehende Schülerbüchereien übernommen, zum Teil neue aufgebaut werden. Die Bibliothekarinnen / Bibliothekare in Zwickau sahen dieses Vorgehen als erfolgreich an. Es wurde offenbar – trotz einigen kritischen Erfahrungen – auch in anderen Städten diskutiert und umgesetzt. Die Frage, ob Zweigstelle von Kinderbibliotheken oder eigenständige Schülerbüchereien bessere Lösungen darstellen würden, wird auch in den Folgejahren noch diskutiert. Interessant ist, dass es dieses Modell, sogar mit einem eigenen Namen, offenbar in den 1960er Jahren in der DDR gab.

Weiterhin besonders zu erwähnen ist die Vereinbarung zwischen dem Kultus- und dem Volksbildungs-Ministerium im Bezug auf Schülerbüchereien. Diese legte fest, dass Bibliotheken und Schulen gemeinsam beim Betreiben von Schülerbüchereien Verantwortung tragen sollten und das gleichzeitig die Arbeit von Schülerbüchereien gefördert werden sollte. Diese Vereinbarung ist im Zusammenhang mit den Diskussionen um den „Zwickauer Weg“ zu sehen. Es ist aber auch auffällig, dass sie nur einige Zeit nach dem Mauerbau – und damit auch einer Phase der versuchten Neuorientierung in der DDR – getroffen wurde. Sie ist zum Teil von der Idee geleitet, schon vorhandene Arbeit festzuschreiben und organisatorisch aus einem Stadium der Beliebigkeit in ein nächstes Stadium – wohl als Professionalisierung zu beschreiben – überzugehen. Der Text dieser Vereinbarung ist im Anhang dokumentiert.

HgM. (1960). Kinderbuch und Schule. Der Bibliothekar, 14(12), 1328.

Bericht über eine „Zusammenkunft am 4. November im Berlin Klub der Kulturschaffenden“ (HgM. 1960, 1328) auf der festgestellt wurde, dass in der Schule beziehungsweise bei den Lehrkräften zu wenig über die aktuelle Kinderliteratur bekannt sei. Allerdings könnten die Schülerbüchereien nicht das gesamte Angebot dieser Literatur bereithalten, vielmehr wäre dies die Aufgabe der Kinderbibliotheken.

Krüger, H. (1962). Erlebnisse in Moskau: Eindrücke von der Woche des Kinderbuches in der sowjetischen Hauptstadt. Der Bibliothekar, 16(7), 699-707.

Hanna Krüger berichtet über einen Besuch in Moskau, inklusive des Buches mehrerer Bibliotheken. Hierzu zählte auch eine Schulbibliothek, in der 330. Schule im Bauman-Bezirk, Moskau. Über diese Schule – inklusive der helfenden Schülerinnen / Schüler, eines Bestandes für den Englisch-Unterricht und einem Album, in welchem zu Lenins Geburtstag als Auszeichnung literarische Arbeiten der Schülerinnen / Schüler aufgenommen werden – wird berichtet. Zudem wird herausgestellt, dass die Schulbibliothek, im Gegensatz zu Öffentlichen Bibliothek – zu denen es kein Konkurrenzverhältnis gäbe – auf die Schule und die Unterstützung der Schule bei deren Aufgaben begrenzt sei. Fernerhin wird eine alle zwei Monate stattfindende Weiterbildung der Schulbibliothekarinnen / Schulbibliothekare erwähnt.

Dressler, I. (1962). Die Zweigstelle der Kinderbibliothek in der Tagesschule. Der Bibliothekar, 16(8), 805-814.

Die Autorin [Mitarbeiterin der Zentralstelle für Bibliothekswesen und dort bis zur Verrentung 1989 für bibliothekarische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, damit auch für Schulbibliotheken, zuständig] konstatiert, dass mit der Einführung der Tagesschulen – das heißt der Ganztagsschulbetreuung – die Aufgaben der Bibliotheken in Schulen zunehmen würden. In diesem Rahmen stellt sie Thesen zur Arbeit von Zweigstellen, die von Allgemeinbibliotheken in Schulen betrieben werden, vor. Das es auch andere Schülerbüchereien gibt, wird erwähnt. Festgehalten wird zudem, dass es sehr unterschiedliche Lösungen für diese Zweigstellen gibt. Welche Form die beste sei oder ob beispielsweise von den Schulen betriebene Einrichtungen sinnvoller sind, müsse jeweils vor Ort entschieden werden.

Die Thesen zu den Zweigstellen befassen sich mit der Leitung („[…] muß von einem ausgebildeten Bibliothekar betreut werden.“ (Dressler 1963, 807)), dem Raum (ein Quadratmeter pro 40 Bände), dem Bestandsaufbau (muss sich an Kinderbibliotheken orientieren, gleichzeitig die Aufgaben der Schulen unterstützen), der Bestandserschließung, der Bestandsvermittlung, der Bibliothekswerbung (die Pionierorganisation muss einbezogen werden), den helfenden Schülerinnen / Schülern, der Zusammenarbeit mit Eltern, Lehrkräften und der Pionierorganisation.

Der gesamte Text zeigt, wie sehr versucht wurde, die Bibliotheken – bei der Akzeptanz unterschiedlicher Lösungen – als Teil eines einheitlichen Bibliothekssystems zu konzipieren, für die unter anderem die gleichen Grundregeln gelten würden.

Oswald, H. (1962). Der „Zwickauer Weg“. Der Bibliothekar, 16(10), 1080-1084.

Der im Text vorgestellte „Zwickauer Weg“ meint von den Kinderbibliotheken betriebene Zweigstellen in Schulen. In Zwickau wurde dies als stadtweites Netz – dem 1958 alle Schulen bis auf die Sonderschulen und zwei der zentralen Kinderbibliothek naheliegenden Schulen nicht angeschlossen waren – konzeptionell entworfen und umgesetzt. Die Autorin berichtet über diese Arbeit. Sie betont, dass die Übernahme schon bestehender Schülerbücherei zum Teil von den Schulen nicht gewünscht war. Nachdem dies offenbar dennoch möglich wurde, reorganisierte die Kinderbibliothek die Schülerbüchereien zu Zweigstellen um, die zum Teil von Bibliothekaren / Bibliothekarinnen, zum Teil von Helferinnen / Helfern geführt wurden. Die buchtechnischen Aufgaben werden allerdings in der Kinderbibliothek erledigt.

In den Zweigstellen seien die Werbung neuer Leserinnen / Leser sowie die „Propagierung des Buchbestandes“ (Oswald 1962, S. 1081) die wesentlichen Aufgaben. Alle zwei Monate findet ein Treffen der Leiterinnen / Leiter der Zweigstellen statt, welches offenbar zur gegenseitigen Weiterbildung genutzt wird. Es wird von einem Plan berichtet, „eine systematische, planmäßige Zusammenarbeit mit den Lehrern und Erziehern, eine regelmäßige Einflußnahme auf Teilnehmer von Weiterbildungslehrgängen, von Zusammenkünften der Fachlehrer usw. zu erreichen.“ (Oswald 1962, S. 1081f.)

Allerdings beklagt die Autorin, dass die Lehrerinnen / Lehrer, trotz einigen Ausnahmen, prinzipiell nicht besonders durch die Zweigstellen beeinflusst wurden. Sie würden „die Kinderliteratur und ihre erzieherische Bedeutung noch immer unterschätz[en].“ (Oswald 1962, S. 1082) Das gleiche gälte für die Zusammenarbeit mit der Pionierorganisation.

Weichelt, E. (1963). Noch einmal „Zwickauer Weg“. Der Bibliothekar, 17(5), 539-540.  

Eva Weichelt berichtet über die Zweigstellen der Kinderbibliothek in Hoyerswerda. Sie stellt fest, dass einige der Schülerbüchereien, welche die Bibliothek aufgebaut hatte, in den Schulen kaum genutzt würden und eine Auswirkung auf den Unterricht kaum nachzuweisen sei. Sie schlägt vor, dass pro Schule ein Lehrer / eine Lehrerin die Aufgabe erhalten sollte, die Verbindung zwischen Schulen und Kinderbibliothek aufrecht zu erhalten. Auf diese Weise sei es möglich, die Schulen beispielsweise regelmäßig über Neuerscheinungen zu unterrichten.

Rentzsch, E. (1963). [Rezension] Sallmon, Heinz: Aufgaben der Schülerbücherei an den zehnklassigen Oberschulen. Der Bibliothekar, 17(7), 743-747.

Die Rezension ist zu großen Teilen eine Nacherzählung des Werkes von Sallmon, ohne eigenständige Beiträge der Rezensentin. Es wird am Ende bemerkt, dass eine Übersicht zu den Verordnungen, welche Schülerbüchereien betreffen, fehlen würde. Ansonsten wird die Rezension mit der Bemerkung abgeschlossen, dass die bei Sallmon aufgeworfenen Fragen eine Diskussion entfachen sollten.

Dressler, I. (1963). Gedanken zur Arbeit mit dem Kinder- und Jugendbuch in der Tageserziehung. Der Bibliothekar, 17(8), 821-831.

Die Autorin bespricht – im Anschluss an ihren Text aus dem vorhergehenden Jahr (Dressler 1962) – die Aufgaben, die sich ihrer Einschätzung nach für die Bibliotheken mit dem Ausbau der Ganztagsschulbetreuung ergäben. Sie geht dabei davon aus, dass diese Erziehungsform zukünftig die Schulen dominieren wird, diese Situation würde auch für die Kinder- und Jugendbibliotheken zu Aufgabenveränderungen führen. Als zwei Möglichkeiten, diesen Veränderungen gerecht zu werden, wird der „Ausbau der Schülerbücherei und Ergänzung durch Leihsendungen“ (Dressler 1963, S. 826) und die Verlegung von Zweigstellen in die Schulen besprochen. Im Bezug auf die Schülerbüchereien wird vor allem über die Organisation von Leihsendungen berichtet. Nach Angaben der Autorin „erhält etwa jede 3. der zur Zeit bestehenden Tagesschulen Literatur durch Leihsendungen aus der allgemeinen öffentlichen Bibliothek.“ (Dressler 1963, S. 828)

Über die Zweigstellen berichtet die Autorin, dass bislang gute Erfahrungen vorliegen würden. Dabei verweist sie unter anderem auf die Tagesschule in Schwerin. Ein Vorteil dieser Zweigstellen, im Gegensatz zu Zweigstellen in anderen Schulen, sei, dass sie durch die Ganztagesbetreuung – also den Schulhort – die Möglichkeit hätten, die Kinder und Jugendlichen auch nach dem Unterricht zur Verfügung zu stehen. Allerdings postuliert sie, dass diese Zweigstellen aufgrund der zu erwartenden Anzahl der Ganztagsschulen, nicht die einzige Lösung für die bibliothekarische Arbeit darstellen könnten. Insbesondere die zu erwartende „Zersplitterung der Bestände und der Arbeitskräfte“ (Dressler 1963, S. 829) beschreibt die Autorin als Gefahr.

[Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1963). Verzeichnis der Buchtitel für den Bestandsaufbau der Schülerbücherei. Der Bibliothekar, 17(12), 1324-1326.  

Erstes Verzeichnis dieser Art, welches in Der Bibliothekar veröffentlicht wurde. [Längere Fassungen, inklusive bibliographischer Angaben – bei denen in Der Bibliothekar abgedruckten wurde nur Autorin / Autor und Titel genannt, teilweise nur der Titel – wurden auf anderem Wege verbreitet. Teilweise gab es dieser Listen schon in den Jahren zuvor. Siehe zum Beispiel: Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur Dresden. (1956). Empfehlungen zur Verbesserung der Arbeit der Schülerbüchereien in den Grund- und Mittelschulen. Manuskriptdruck, Dresden.] Weitere folgten in den Folgejahren. Die Liste enthält, nach Schulklassen differenziert, 101 Titel, die in den Schuljahren 1962/63 und 1963/64 in den Schülerbüchereien angeschafft werden sollen. In der Liste finden sich sowohl Erzählungen und Romane als auch, gemäß der polytechnischen Ausrichtung der Schulen, Einführungswerke in naturwissenschaftliche Themen.

Ministerium für Volksbildung & Ministerium für Kultur. (1964). Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Volksbildung und dem Ministerium für Kultur über die Zusammenarbeit der Oberschulen (insbesondere Schülerbüchereien) mit den allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (insbesondere Kinderbibliotheken) in den Städten und Gemeinden. Der Bibliothekar, 18(2), 213-216.  

Diese Vereinbarung legt die Grundzüge einer Zusammenarbeit von Schulen und Bibliotheken für die bibliothekarische Arbeit, aber auch für die Unterstützung von Schülerbüchereien fest. Die Vereinbarung wurde offenbar nicht bis zum Ende der DDR vollständig umgesetzt. So sollte laut Vereinbarung jährlich eine Vorschlagliste von Medien für Schülerbüchereien in Der Bibliothekar veröffentlicht werden, was aber nur eine gewisse Zeit lang erfolgte.

Bedeutung hat diese Vereinbarung aber, da in der westlichen Literatur, die sich auf Schulbibliotheken in der DDR bezog, diese als das Ende von Schülerbüchereien wahrgenommen wurde. Das ist dem Text der Vereinbarung nach erstaunlich, da in ihm das Gegenteil angestrebt wird. Da dieser Text bislang anderswo offenbar nicht veröffentlicht wurde, sich aber – zumeist mit unklaren Angaben wie: „Eine Vereinbarung in den 1960er“ – auf diese Vereinbarung bezogen wurde, ist der Gesamttext im Anhang zu dieser Darstellung der Textkorpus dokumentiert.

Redaktion. (1964). 60 Schulbibliotheken. Der Bibliothekar, 18(4), 446.

Notiz über die Eröffnung von 60 Schulbibliotheken in der Provinz Oriente, Kuba.

Medwedewa, N. B. (1964). Die bibliothekarische Betreuung der Kinder im Ausland. Der Bibliothekar, 18(9), 913-921.  

Der Artikel wurde aus einer sowjetischen Publikation übernommen und berichtet im Überblick über die bibliothekarische Arbeit für Schulen in mehreren, insbesondere sozialistischen Staaten, allerdings immer von der Sowjetunion ausgehend. Schulbibliotheken werden als Bestandteil aller sowjetischen Schulen geschildert, gleichzeitig wird darauf verwiesen, dass es in den meisten europäischen Ländern gleichzeitig Kinderbuchabteilungen in Öffentlichen Bibliotheken und Schulbibliotheken geben würde. Es wird darauf eingegangen, dass in einigen sozialistischen Staaten (Ungarn, Polen, DDR) eigenständige Kinderbibliotheken existieren und Diskussionen darüber geführt würden, diese oder aber die Kinderbuchabteilungen mit den Schulbibliotheken zusammenzuführen. Für die Sowjetunion wird dies abgelehnt.

Der Artikel geht im Weiteren die Themen Bestandsarbeit, Bestandserschließung und Arbeit mit den Leserinnen / Lesern, Einführungen in die Bibliotheksbenutzung, Fragen der Zusammenarbeit von Kinder- und Schulbibliotheken sowie die Ausbildung von Kinderbibliothekarinnen / -bibliothekaren und Schulbibliothekarinnen / -bibliothekaren durch. Dabei wird jeweils die Situation in mehreren Staaten angesprochen und mit einem Verweis auf den Umgang mit auftretenden Problemen im Bezug auf Schulbibliotheken in der Sowjetunion geendet.

1965-1969

[Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1965). Für die Schülerbücherei: Empfehlungsliste für das Haushaltsjahr 1965. Der Bibliothekar, 19(8), 824-826.  

Weitere Liste mit Vorschlägen für Medien für Schülerbüchereien (125 Titel), unterteilt jeweils in Schulfächer, innerhalb dieser Schulfächer in Schulklassen.

[Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1966). Für die Schülerbücherei: Empfehlungsliste für das Haushaltsjahr 1966. Der Bibliothekar, 20(6), 619-622.

Weitere Empfehlungsliste für Schulbibliotheken (90 Titel), differenziert nach Schulfächern, innerhalb der Fächer in Schulklassen.

Nilius, T., Koth, R., & Tille, P. (1967). Erziehung zur Literatur: Schulen und Bibliothekare des Kreises Gadebusch arbeiten zusammen. Der Bibliothekar, 21(1), 15-26.

Die Zusammenarbeit mit Schulen im Kreis wird vor allem unter dem Fokus der Bestandsarbeit und Lenkung der Lektüre der Schülerinnen / Schüler besprochen. Es wird erwähnt, dass mindestens die dem Text zugrunde liegende Befragung der Kinder hinsichtlich ihrer Lektüre aus den Erfahrungen einer Schülerbücherei (in der Zentralen Polytechnischen Oberschule in Mühlen Eichsen, heute Landkreis Nordwestmecklenburg, Mecklenburg-Vorpommern) erwuchs.

Dreßler, I. (1967). Kinderbibliothekare aus dem Ausland waren bei uns zu Gast. Der Bibliothekar, 21(2), 168-172.

Bericht über eine Konferenz der Kommission für Bibliotheksarbeit mit Kindern im Deutschen Bibliotheksverband mit Vertreterinnen der IFLA aus Dänemark und Finnland. Die Vertreterinnen berichteten über die Arbeit der IFLA im Bezug auf die Arbeit mit Kindern und Schulbibliotheken, ebenso über die Situation in ihren Staaten. Abgedruckt ist zudem das „Memorandum über die Bibliotheksarbeit mit Kindern“ der IFLA, in welchem Schulbibliotheken neben Öffentlichen Bibliotheken als gesonderter Bibliothekstyp angeführt sind.

[Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1968). Für die Schülerbücherei: Empfehlungsliste für das Haushaltsjahr 1968. Der Bibliothekar, 22(4), 403-406.

Weitere Empfehlungsliste für Schulbibliotheken (101 Titel), differenziert nach Schulfächern, innerhalb der Fächer in Schulklassen. Auffällig ist in diesem Jahrgang die Vielzahl der „wehrpolitischen Werke“, also Medien, welche die Armee positiv darstellen (zum Beispiel: Feix, M. (Hrsg.): „Mein Freund, der General“) oder militärisches Gerät zum Thema haben (Woitelle, E.: „Wie entsteht ein Kriegsschiff?“).

Goltz, S. (1968). Erhebung über sämtliche Bibliothekseinrichtungen in der DDR. Der Bibliothekar, 22(5), 455-463.

Diese Statistik, 1967 zusammengestellt, berichtet – im Gegensatz zu anderen Bibliotheksstatistiken, die regelmäßig in Der Bibliothekar veröffentlicht wurden – über das Vorhandensein von Schülerbibliotheken; obgleich nicht ersichtlich ist, nach welcher Definition diese gezählt wurden. (Ebenso fehlt eine Angabe zur Anzahl der Schulen.) Berichtet wird unter anderem von 5.276 Schülerbibliotheken, von denen 7 hauptamtlich, 73 nebenamtlich und 5.196 ehrenamtlich geführt werden. Diese würde 1.803.770 Bücher bereithalten, 1.276 Zeitschriften abonniert haben und über einen Beschaffungsetat von 439.963 Mark verfügen.

[Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1969). Für die Schülerbücherei: Empfehlungsliste für das Haushaltsjahr 1969. Der Bibliothekar, 23(3), 282-285.

Weitere Empfehlungsliste für Schulbibliotheken (157 Titel), differenziert nach Schulfächern, innerhalb der Fächer in Schulklassen.

Hortscht, W., & Meister, K. (1969). Bibliotheksstatistik. Der Bibliothekar, 23(7/8), 157/829-165/837.

Diese statistische Auswertung erschien in einer Sondernummer von Der Bibliothekar zum 20. Jahrestag der Gründung der DDR. Wie zahllose Artikel, die zu diesem Anlass publiziert wurden, soll er den Aufbau der DDR in den vergangenen 20 Jahren darstellen. In der Statistik werden 11.621 Lehrer- und Schülerbibliotheken als „Hauptbibliotheken“ und 4 als „Zweigbibliotheken“ aufgeführt. Wie diese – auch von Goltz (1968) stark abweichende – Zahl zustande kam, ist nicht ersichtlich.

1970-1974

Schurzig, E. (1970). Die Literaturversorgung der Kinder in der DDR. Der Bibliothekar, 24(8), 772-779.

Es wird auf die Arbeit der Allgemeinbibliotheken eingegangen, gleichzeitig werden aber auch die Schülerbüchereien besprochen. Dies geschieht unter dem Fokus der Zusammenarbeit der Schülerbüchereien mit den Allgemeinbibliotheken. Die Autorin favorisiert eine direkte Unterstützung der Schülerbüchereien durch die Bibliotheken, da es zu viele Schülerbüchereien gäbe, deren Möglichkeiten in den Schulen unterschätzt werden. Trotz einer positiven Entwicklung, die sie beim Aufbau der Schülerbüchereien konstatiert, plädiert sie für eine Verstärkung dieser Zusammenarbeit, unter anderem mit Vereinbarungen beziehungsweise Verträgen zwischen und Schulen und Bibliotheken.

Anonym. (1970). Die westdeutschen Schülerbibliotheken… Der Bibliothekar, 24(8), 798.

Notiz über einen Bericht der Zeitschrift „Elternblatt“, dass die Schulbibliotheken in der BRD „Stiefkinder der Schule“ (Anonym 1970, S. 798) seien.

Breuel, H. (1970). Über die Zusammenarbeit von Schulen und Bibliotheken im Bezirk Schwerin. Der Bibliothekar, 24(9), 858-860.

Der Artikel berichtet davon, wie die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bibliotheken in Schwerin (Bezirk) gestaltet sei. Dabei wird vor allem auf Probleme eingegangen. Nachdem Bibliotheken die Aufgabe gestellt bekommen hätten, Schülerbüchereien zu unterstützen, sei in einigen Schulen die Meinung vertreten worden, dass die Bibliothek die Aufgabe hätten, für alle Bestände – inklusive der Klassensätze – aufzukommen. Dies wird von der Autorin abgewiesen. Vielmehr hätten die Schulen auf der Grundlage der Empfehlungslisten für Schülerbüchereien Bestände aufzubauen und sich, falls weiterer Etat vorhanden sei, zwecks weiterer Bestandsentwicklung an die Kinderbibliothek zu wenden. Des Weiteren insistiert sie darauf, dass sich sowohl Bibliotheken als auch Schulen ihrer Rollen und Anforderungen innerhalb der Partnerschaft bewusst werden müssten.

Schurzig, E. (1970). Die Literaturversorgung der Kinder und Probleme der Standortverteilung. Der Bibliothekar, 24(11), 993-997.

Der Artikel bespricht Kriterien, nach denen Zweigstellen und Bibliotheken verteilt, eröffnet oder geschlossen werden sollten, um ein funktionsfähiges Bibliotheksnetz zu erhalten. Dabei werden kurz Schülerbüchereien im ländlichen Raum erwähnt, die noch nicht genügend ausgebaut seien.

[Ministerium für Volksbildung/Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1971). Titelliste 1971 für Schülerbüchereien. Der Bibliothekar, 25(5), 366-368.  

Weitere Empfehlungsliste für Schulbibliotheken (130 Titel), differenziert nach Unter-, Mittel- und Oberschule, innerhalb dieser nach Schulfächern.

Schadwill, K., & Böttcher, H. (1971). Die koordinierte Schüler- und Gemeindebibliothek in Hermsdorf. Der Bibliothekar, 25(4), 283-287.  

Es wird über die Erfahrungen bei der Zusammenlegung einer Gemeinde- und einer Schülerbibliothek im Jahr 1968 zur „Vereinigten Schüler- und Gemeindebibliothek“ berichtet, wobei die Schülerbücherei als zuvor erfolgreicher beschrieben wird. Die Schule übernimmt in diesem Beispiel auch die Aufgabe, die in einem Neubau neben der Schule integrierte Bibliothek zu führen, welche als Zweigstelle der Gemeindebibliothek gilt und für die Öffentlichkeit ebenso zugänglich ist. Dabei wird allerdings die Fokussierung auf die Unterstützung der Schule beibehalten und vom Bibliotheksleiter (einem Lehrer in Rente) auch über die Bestandsarbeit mit „Klassenbüchereien“ (Blockausleihen für ein Schuljahr) für die Klassen eins bis vier und Klassenausleihen über verantwortliche Schülerinnen / Schüler für die Klassen fünf bis zehn berichtet.

Interessant ist, dass der Text von einer weiten Verbreitung von – in der Qualität unterschiedlichen – Schülerbüchereien ausgeht: „In Hermsdorf, einer 1 700 Einwohner zählenden Dorfgemeinde nordöstlich von Dresden, bestanden bis Oktober 1968, wie wohl in den meisten Schulgemeinden der Republik, zwei Bibliotheken: die Gemeindebibliothek und die Schülerbücherei.“ (Schadwill & Böttcher 1971, S. 283) Die auch vor der Zusammenlegung als erfolgreich eingeschätzte Arbeit der Schülerbücherei wird unter anderem auf die Zusammenarbeit mit der Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur und der Orientierung an deren Empfehlungslisten zurückgeführt.

[Ministerium für Volksbildung/Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1971). Titelliste 1971 für Schülerbüchereien. Der Bibliothekar, 25(5), 366-368.

Eine weitere Empfehlungsliste (130 Titel), differenziert in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe sowie innerhalb dieser Stufen nach Schulfächern und – mit einem relativ großen Anteil – „Außerunterrichtliche Erziehung“. Hervorzuheben ist auch, dass seit diesem Jahr das Ministerium für Volksbildung die Liste mit herausgibt.

[Ministerium für Volksbildung/Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1972). Titelliste 1972 für Schülerbüchereien. Der Bibliothekar, 26(5), 330-332.

Eine weitere Empfehlungsliste (128 Titel). Die Unterteilung des letzten Jahres ist beibehalten worden, allerdings ist der Anteil an Werken für die „Außerunterrichtliche Erziehung“ zurückgegangen.

Ku. (1974). Jede zweite Bibliothek… Der Bibliothekar, 28(2), 121-122.

Notiz über Pläne in der Sowjetunion, Schulbibliothek weiter auszubauen. Es wird über einen Vorschlag der zentralen Kinderbibliothek in Minsk berichtet, die Schulbibliotheken den Kinderbibliotheken zu unterstellen.

Ri., H. (1974). Dank erheblicher staatlicher… Der Bibliothekar, 28(3), 195.

Notiz über den Ausbau der Schulbibliothek in Ungarn. 1972/73 gäbe es 6,4 Medieneinheiten pro Schüler / Schülerin, 53% der Lernenden an Grundschulen und 68% an Mittelschulen würden die Schulbibliotheken aktiv nutzen, 5 bis 6 Bände pro Jahr würden durchschnittlich pro Schülerin / Schüler ausgeliehen.

Fügner, H. (1974). Stadtbibliothek Plauen 75 Jahre alt. Der Bibliothekar, 28(5), 313-315.

Es wird über die Geschichte der Stadtbibliothek Plauen (heute Sachsen) berichtet. Schülerbibliotheken werden kurz als existent aufgezählt.

Kunz, F. (1974). Bibliothekswesen in der DDR 1949-1974: Zeittafel. Der Bibliothekar, 28(8/9), 622-639.

Übersicht, vor allem über Gründungen und Veränderungen von Institutionen des Bibliothekswesens. Zudem werden das Bibliothekswesen betreffende Verordnungen und Gesetze erwähnt, unter anderem die Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Volksbildung und dem Ministerium für Kultur über Schülerbüchereien 1963.

[Ministerium für Volksbildung/Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1974). Titelliste 1974 für Schülerbüchereien. Der Bibliothekar, 28(11), 770-773.

Weitere Empfehlungsliste (140 Titel), unterteilt in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe, innerhalb der Stufen nach Unterrichtsfächern und „Außerunterrichtliche Erziehung“.

Riedel, H. (1974). Aus Bibliotheken in aller Welt… Der Bibliothekar, 28(12), 828-830.

Bericht über die Bibliothekssysteme in Bulgarien und der ČSSR. Schulbibliotheken werden für beide Länder kurz erwähnt. In Bulgarien gäbe es 3788 Schulbibliotheken mit 9.820.000 Bänden. In der ČSSR seien es etwa 9000 Schulbibliothek mit mehr als 9 Millionen Bänden.

1975-1979

[Ministerium für Volksbildung/Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1975). Titelliste 1975 für Schülerbüchereien. Der Bibliothekar, 29(6), 400-403.

Weitere Empfehlungsliste (137 Titel), unterteilt in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe, innerhalb der Stufen nach Unterrichtsfächern und „Außerunterrichtliche Erziehung“.

D., I. (1975). Der Arbeit der… Der Bibliothekar, 29(11), 762.

Hinweis auf einen Artikel in der sowjetischen Zeitschrift „Bibliotekar“ über die Arbeit von Kinder- und Schulbibliotheken mit Buchillustrationen.

Theuser, K. (1976). Die Arbeit der Stadt- und Bezirksbibliothek Leipzig mit gesellschaftlichen Ausleihstellen. Der Bibliothekar, 30(1), 18-22.

Bericht über die Arbeit der Stadtbibliothek Leipzig für Ausleihstellen in unterschiedlichen Einrichtungen (beispielsweise Klein- und Mittelbetrieben, Hausgemeinschaften, Klubhäusern). Die Ausleihstellen wären zumeist sehr klein und würden ehrenamtlich betrieben, die Bibliothek arbeitet mit Ausleihbeständen und Beratungsleistungen. Ziel der „gesellschaftlichen Ausleihstellen“ sei es, möglichst große Teile der Bevölkerung mit Bibliotheksleistungen zu erreichen. Einrichtungen in Schulen (65 von insgesamt 259 Ausleihstellen) werden in einer Statistik aufgeführt, aber nicht weiter gesondert besprochen.

Anonym. (1976). Über ein relativ entwickeltes… Der Bibliothekar, 30(1), 40.

Notiz über einen Artikel in der International Library Review über das Bibliothekswesen in Kuwait. Erwähnt werden unter anderem 270 Schulbibliothek mit rund 1 Millionen Bänden, die zumeist von hauptberuflichen Bibliothekarinnen / Bibliothekaren betreut würden.

Winkler, M. (1976). Wie wir mit der Schule zusammenarbeiten: Erfahrungen aus Frohburg. Der Bibliothekar, 30(6), 389.

Kurzer Bericht über eine Zweigstelle, die von der Zentralbibliothek des Gemeindeverbandes Frohburg (heute Sachsen) in einer polytechnischen Oberschule als Ausleihstelle betrieben wird.

Ri., H. (1976). In Norwegen legt… Der Bibliothekar, 30(6), 401.

Notiz über Norwegen, wo – laut der Notiz – Öffentliche Bibliotheken entweder Kinder- oder Schulbibliotheken unterhalten müssen.

[Ministerium für Volksbildung / Zentralstelle für Kinder- und Jugendliteratur]. (1976). Auswahlliste 1976. Der Bibliothekar, 30(7), 479-482.

Weitere Empfehlungsliste (147 Titel), unterteilt in Unterstufe, Mittelstufe und Oberstufe, innerhalb der Stufen nach Unterrichtsfächern und „Außerunterrichtliche Erziehung“.

Ri., H. (1976). Über ein ausgedehntes Netz… Der Bibliothekar, 30(11), 840.

Notiz über ein Schulbibliotheksnetz in Sofia, das 217 Einrichtungen umfassen würde, von denen 109 hauptberuflich geleitet seien.

Frankenstein, E., & Kerl, M. (1977). Bibliothekare, Lehrer und Erzieher tragen gemeinsam eine hohe Verantwortung für die Entwicklung und Befriedigung der Lesebedürfnisse der Schüler. Der Bibliothekar, 31(2), 77-80.

Eine Art Grundsatzpapier darüber, dass Bibliotheken die Aufgaben hätten „[d]ie weitere Vervollkommnung der kommunistischen Erziehung, wie sie im Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands gefordert wird“ (Frankenstein & Kerl 1977, S.77) mit umzusetzen. Zweigbibliotheken in Schulen werden erwähnt, um der Unterversorgung von Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum entgegenzuwirken.

Spiegel, H. (1977). Die Dynamik der Entwicklung des Bibliothekswesens in der UdSSR: Statistische Materialien. Der Bibliothekar, 31(10), 690-692.

Kurze Vorstellung der genannten Entwicklung in fünf Tabellen. Schulbibliothek werden zusammen mit Schulen in Kinderheimen erwähnt. 1913 hätte es in der Sowjetunion 59.000 Einrichtungen mit 22.000.000 Beständen gegeben, 1975 154.000 Einrichtungen und 602.000.000 Beständen (nicht erwähnt wird, dass die Sowjetunion 1913 auch weniger Land umfasste als 1975).

Wübbenhorst, G. (1979). „Fahrschüler“ als Bibliotheksbenutzer. Der Bibliothekar, 33(5), 446.

Bericht über die Schüler- und Gemeindebibliothek in Iden (heute Landkreis Stendhal). Der Leiter der Gemeinde ist gleichzeitig Lehrer der Schule und bindet die Bibliothek in den Unterricht ein. [„Fahrschüler“ sind hier Lernende, die nicht im Ort wohnen, sondern mit dem Schulbus zwischen Wohnort und Schule pendeln.]

1980-1984

Petrides, S. (1980). Bibliotheken in Zypern. Der Bibliothekar, 34(6), 255-259.

Bericht über das Bibliothekswesen Zyperns. Schulbibliothek werden in einem gesonderten Kapitel erwähnt. 1962 hätten alle Grundschulen Schulbibliotheken gegründet, welche zumeist von Lehrerinnen / Lehrern geführt würden, die während ihrer Ausbildung eine Einführung in die Bibliotheksarbeit erhalten hätten. Das Ministerium für Erziehung gibt eine Empfehlungsliste heraus. In den Oberschulen sollen ebenfalls Schulbibliotheken begründet werden.

Dreßler, I. (1980). Bibliotheksarbeit mit Kindern im Bibliothekssystem der UdSSR: Gegenwärtiger Stand, Tendenzen und Perspektiven. Der Bibliothekar, 34(12), 535-541.

Bericht über das Bibliothekswesen in der Sowjetunion. Schulbibliotheken werden als Teil des zentralisierten Bibliothekssystems verstanden, allerdings als ein beigeordnetes System, welches mit den Kinderbibliotheken über gemeinsame Arbeits- und Maßnahmepläne verbunden ist.

Hübner, G. (1981). Woche des Buches 1981 im Berliner Stadtbezirk Marzahn. Der Bibliothekar, 35(9), 406-408.

Bericht über die Teilnahme der Stadtbezirksbibliothek Marzahn an einem jährlichen Stadtbezirksfest. Gleichzeitig wird über die Arbeit der Bibliothek berichtet und die Schulbibliothek in der 15. Oberschule Marzahn abgebildet.

Fayose, P. O. (1982). Das Bibliothekswesen für Kinder in Nigeria: Bericht. Vorgetragen beim IFLA/UNESCO-Seminar in Leipzig, August 1981. Der Bibliothekar, 36(1), 5-9.

Bericht über das Bibliothekswesen in der nigerianischen Provinz Mittelwest-Staat. Es wird darüber berichtet, dass ein Bibliotheksamt begründet wurde, welches unter anderem die Einrichtung von Schulbibliotheken zu Aufgabe hätte.

Nettavongs, K. (1982). Die Gründung von Schulbibliotheken und der Ausbau dieses Netzes in der Volksdemkratischen Republik Laos: Bericht. Vorgetragen beim IFLA/UNESCO-Seminar in Leipzig, August 1981. Der Bibliothekar, 36(5), 199-200.

Es wird vor allem über die Pläne zur Gründung von Schulbibliotheken in Laos berichtet. Es gäbe insgesamt 14 Schulbibliotheken, innerhalb von fünf Jahren solle die Zahl auf 140 angewachsen sein.

Dillsworth, G. (1982). Bibliotheken und Bibliothekswesen in Sierra Leone. Der Bibliothekar, 36(5), 200-204.

Bericht über das Bibliothekswesen in Sierra Leone. Schulbibliotheken werden in einem gesonderten Kapitel erwähnt, allerdings wird festgehalten, dass es sie kaum gäbe und die existierenden Einrichtungen wenig Bestände enthalten würden. Allerdings würde es an einigen Colleges Kurse für Schulbibliothekspersonal geben, außerdem seien vom Erziehungsministerium zwei Leones (rund zwei US-Dollar) pro Schülerin / Schüler für die Schulbibliotheken der Oberschulen genehmigt worden.

Goltz, S. (1984). Zur bibliotheksmäßigen Versorgung in Neubauwohngebieten großer Städte. Der Bibliothekar, 38(3), 145-156.

Es werden Probleme besprochen, die mit dem Ausbau der Wohngebiete für die nicht schnell genug wachsenden bibliothekarischen Systeme entstehen. Unter anderen wird die Einrichtung von Ausleihstellen besprochen und dabei auch Ausleihstellen in Schulen kurz angesprochen.

1985-1989

Chadžichristov, C. (1985). 40 Jahre sozialistisches Bibliothekswesen in der VR Bulgarien. Der Bibliothekar, 39(7), 293-297.

Die Entwicklung des Bibliothekssystems in Bulgarien wird beschrieben, der Fokus liegt dabei auf der Beschreibung großer Bibliotheken. Für das Jahr 1983 wird angegeben, dass es 3518 Schulbüchereien gegeben hätte.

Jentzsch, G. (1986). Zur Wirksamkeit einer Ausleihstelle in der 1. Oberschule „Artur Becker“ Falkenberg/Elster. Der Bibliothekar, 40(11), 506-508.

Es wird über eine 1979 eingerichtete Ausleihstelle der Stadtbibliothek Falkenberg/Elster (heute Landkreis Falkenberg/Elster, Brandenburg) berichtet. Die Bibliothekarin der Schulbibliothek unterrichtet darüber, dass sie durch die Verlängerung der Öffnungszeiten, einer regelmäßigen Veranstaltungsarbeit und Gesprächen mit den Schülerinnen / Schülern die Bibliothek in die Schule verankert und die Zahl der aktiven Leserinnen / Leser massiv erhöht hätte.

Zu erwähnen ist, dass die Autorin explizit und mit einem positiven Grundton darauf eingeht, dass die Bibliothek explizit zur Wehrerziehung beiträgt.

Anhang: Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Volksbildung und dem Ministerium für Kultur, 1963

Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Volksbildung und dem Ministerium für Kultur über die Zusammenarbeit der Oberschulen (insbesondere Schülerbüchereien) mit den allgemeinen öffentlichen Bibliotheken (insbesondere Kinderbibliotheken) in den Städten und Gemeinden

Durch eine koordinierte Zusammenarbeit von Oberschulen (Schülerbüchereien) und allgemeinen öffentlichen Bibliotheken ist durch eine bessere Einbeziehung der Kinder-, Jugend-, Fach- und sonstigen Literatur in den Unterricht und in die außerschulische Tätigkeit die sozialistische Bildung und Erziehung der Schüler wirksamer zu unterstützen.

Mit Hilfe der Literatur ist besonders die polytechnisch-mathematische, die politisch-moralische und die wissenschaftlich-weltanschauliche Bildung und Erziehung der Schüler zu verstärken.

Alle Schüler sind frühzeitig an das Lesen guter Literatur heranzuführen. Stärker als bisher ist allen 14- bis 18jährigen Schülern geeignete Lektüre zu empfehlen.

I.

Die Aufgaben der Organe für Volksbildung und der Oberschulen zur Verbesserung ihrer Zusammenarbeit mit den allgemeinbildenden Bibliotheken, besonders bei der Verbesserung der Zusammenarbeit der Schülerbücherei mit anderen Bibliotheken.

1. An jeder Oberschule besteht eine Schülerbücherei. Sie wird von einem Lehrer oder Erzieher geleitet. Ein Aktiv von Schülern ist in die Leitung der Schülerbücherei einzubeziehen.

Die Schülerbücherei umfaßt folgenden Bestand für die Schüler aller Altersstufen, die diese Schule besuchen:

  • Bücher, die in den Lehrplänen genannt sind, einschließlich Klassenlesestoffe;
  • gesellschaftswissenschaftliche Literatur;
  • mathematische, naturwissenschaftliche und technische Literatur, einschließlich bestimmter Fachliteratur;
  • Nachschlagewerke, Lexika, Wörterbücher, Enzyklopädien;
  • Bücher des Stufenprogramms, Bücher des Monats.

Die Leiter der Schulen werden verpflichtet, die für diese Zwecke zur Verfügung stehenden Mittel zweckentsprechend zum systematischen Aufbau der Schülerbüchereien zu verwenden (siehe Anweisung zum Bestandsaufbau der Schülerbüchereien an den allgemeinbildenden Oberschulen vom 1. August 1963; veröffentlicht in den Verfügungen und Mitteilungen des Ministeriums für Volksbildung Nr. 13/1963).

Die Arbeit der Schülerbücherei ist ein Bestandteil des Jahresarbeitsplanes der Schule.

Unabhängig von der an den Oberschulen bestehenden Schülerbücherei sind alle Schüler, besonders die Schüler der Oberstufe, auf die Nutzung der allgemeinen öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken durch die Lehrer und Erzieher im Ort und Kreis hinzuweisen.

In fakultativen Veranstaltungen, die örtlich zwischen den Schulen und den Bibliotheken zu vereinbaren sind, sind die Schüler in die Benutzung der Bibliotheken einzuführen und zu befähigen, selbstständig mit den Beständen der Bibliothek zu arbeiten. Die Benutzung der Bibliotheken muß ihnen frühzeitig zum ständigen Bedürfnis werden.

2. Die Abteilungen Volksbildung der Räte der Kreise ermöglichen, daß hauptberuflich geleitete Kinderbüchereien in Oberschulen (bevorzugt Tagesschulen) Zweigstellen bzw. Ausleihstellen einrichten können. (Jede hauptberuflich geleitete Kinderbücherei soll an höchstens zwei Oberschulen Zweig- und Ausleihstellen einrichten.)

Schülerbücherei und Zweigstelle oder Ausleihstelle werden in diesem Falle vereinigt und von einem Bibliothekar geleitet. Die Schule stellt die Räume unentgeltlich zur Verfügung und sorgt für ihre Einrichtung, Instandsetzung und Sauberhaltung. Sie stellt die entsprechend der Haushaltsdirektive des Ministeriums für Volksbildung für den Bestandsaufbau der Schülerbücherei vorgesehenen Mittel dieser vereinigten Bibliothek zur Verfügung. Die Inventarisierung der Buchbestände aus Mitteln der Schule erfolgt getrennt von der Kinderbibliothek.

Bei Auflösung bzw. Verlegung der Zweig- oder Ausleihstelle erhält die Schule die aus ihren Mitteln angeschafften Bücher und Zeitschriften zurück.

Klassenlesestoffe sollen nach Möglichkeit nicht in diese Zweig- und Ausleihstelle aufgenommen werden. Sie sollten vom Verantwortlichen für Lehrmittel ausgegeben werden.

Der Arbeitsplan der Zweig- oder Ausleihstelle ist Bestandteil des Jahresarbeitsplanes der Schule. Der in dieser Zweig- und Ausleihstelle tätige Bibliothekar ist für die Arbeit nicht nur seinem Disziplinarvorgesetzten, sondern auch dem Direktor der Schule rechenschaftspflichtig. Er ist zu wichtigen Beratungen der Lehrer heranzuziehen.

Der Bibliothekar gewährleistet, daß auch in den Ferien Bücher ausgeliehen werden können.

Für die Einrichtung von Zweig- oder Ausleihstellen sind entsprechende Vereinbarungen zwischen den beteiligten staatlichen Organen zu treffen.

3. Die Leiter der Oberschulen ermöglichen, daß die Schüler aus Tagesschulen und Horten nach Absprache mit der Kinderbücherei die Möglichkeit erhalten, dort ihre Bücher zu festgelegten Zeiten auszuleihen.

4. In den Gemeinden, wo es zweckmäßig erscheint (z.B. in kleinen Orten), wird empfohlen, die Bestände der Kinder- und Schülerbüchereien zu koordinierten Büchereien an den Schulen zusammenzufassen. Sie werden jeweils von einem Lehrer oder Erzieher geleitet.

Zusätzlich zu den von der Schule zur Verfügung gestellten Mitteln stellt die Gemeinde jährlich einen Betrag für die Anschaffung und Instandhaltung von Kinderbüchern bereit. Die Inventarisierung erfolgt getrennt. Der Leiter der Schule sorgt dafür, daß die Bücher kontinuierlich – auch während der Ferien – genutzt werden können. Die Statistik wird nach den für allgemeinbildende Bibliotheken festgelegten Richtlinien geführt. Der Leiter dieser Bücherei ist für einen Teil der Arbeit der koordinierten Bücherei – Kinderbuchbestand der Gemeindebibliothek – nicht nur seinem Disziplinarvorgesetzten, sondern auch dem Leiter der Gemeindebibliothek bzw. dem Leiter der methodisch anleitenden Kinderbibliothek verantwortlich.

Wenn sich die Voraussetzungen ändern, unter denen die Buchbestände zusammengefasst wurden, erhalten die Gemeindebibliotheken ihre Kinderbuchbestände zurück.

Bei der Bildung einer koordinierten Kinder- und Schülerbücherei ist es notwendig, vorher eine Vereinbarung zwischen dem Bürgermeister und dem Leiter der Schule zu treffen.

5. Die Leiter der Schulen unterstützen die Kinderbibliotheken auch dahingehend, daß geeignete Schüler im Aktiv der Kinderbibliothek mitarbeiten. Diese Mitarbeit wird als gesellschaftliche Tätigkeit gewertet.

6. Jede schule ernennt einen Verbindungsmann zur örtlichen allgemeinen öffentlichen Bibliothek zum Zwecke der ständigen gegenseitigen Information und Abstimmung. Dieser kann, braucht aber nicht der Leiter der Schülerbücherei sein.

7. Die Kreisschulräte und die Leiter der Oberschulen laden die Bibliothekare des Ortes oder Stadtbezirkes, die mit Schüler der zehn- bzw. zwölfklassigen Oberschule arbeiten, zur Teilnahme an Beratungen und Veranstaltungen, die Hinweise zur Verbesserung der Erziehungs- und Bildungsarbeit mit der Literatur geben, ein. Solche Beratungen sind z.B. Aussprachen zu bestimmten Problemen bzw. Tagesordnungspunkten im Pädagogischen Rat, Kreislehrerkonferenzen, Elternversammlungen, Elternbeiratswahlen.

8. Den Oberschulen wird empfohlen, literaturpropagandistische Höhepunkte (z.B. Woche des Buches, Tag des Kinderbuches, Gedenktage usw.) durch geeignete Maßnahmen zu unterstützen.

9. Das Ministerium für Volksbildung unterstützt die Aufnahme von Beiträgen über die Arbeit mit dem Kinderbuch in die pädagogische Presse.

10. Das Ministerium für Volksbildung berücksichtigt nach Möglichkeit bei der Projektierung von Schulneubauten die räumlichen Erfordernisse für die Arbeit mit dem Buch.

II.

Die Aufgaben der allgemeinbildenden Bibliotheken – besonders der Kinderbibliotheken – bei der Unterstützung der polytechnischen Oberschule.

Das Ministerium für Kultur verpflichtet die allgemeinbildenden Bibliotheken:

1. Alle Maßnahmen und Veranstaltungen der Bibliothek für Kinder sind mit dem Leiter der Schule bzw. mit seinem Beauftragten abzustimmen.

Nach Möglichkeit ist zwischen der allgemeinen öffentlichen Bibliothek, der Schule, der FDJ und der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ ein gemeinsamer Plan der Arbeit mit dem Buch für das jeweilige Schuljahr aufzustellen. Das gilt besonders für literaturpropagandistische Höhepunkte.

2. Die Öffnungszeiten der Bibliotheken sind mit den Belangen der Schule (z.B. Einrichtung von besonderen Öffnungszeiten für Hort- und Tagesschulkinder) abzustimmen.

3. Die Bibliothekare arbeiten eng mit den Fachlehrern, den Klassenleitern und den Erziehern zusammen. Sie stellen ihnen Material über wertvolle Kinderliteratur und die Arbeit mit dem Kinderbuch, u.a. Literaturverzeichnisse, Druckkataloge, Veranstaltungsmaterialien, literarische Tonbänder usw. zur Verfügung.

4. Begabte Kinder sind in Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer durch Bereitstellung bestimmter Literatur besonders zu fördern.

5. Zur Durchführung besonderer Maßnahmen (z.B. für Arbeitsgemeinschaften und Zirkel, Olympiaden, Feste Junger Künstler) sind den Schulen Buchbestände leihweise zur Verfügung zu stellen. Das gilt besonders für Spezialoberschulen oder Oberschulen mit Spezialklassen.

6. Zur Unterstützung des Unterrichts sind die Schüler auf solche Werke hinzuweisen, die die Aufgaben der Lehrpläne in sachlicher, aber auch in unterhaltender Form lösen helfen. Ausstellungen, Wandzeitungen und thematische Veranstaltungen müssen diese Arbeit unterstützen.

7. Die Leiter der allgemeine öffentlichen Bibliotheken informieren die Leiter der Oberschulen in ihrem Ort oder Stadtbezirk mindestens einmal im Schuljahr, welche Schüler in der Bibliothek ständig lesen. Sie schlagen Maßnahmen vor, wie unter Berücksichtigung der örtlichen Bedingungen die Bibliotheken intensiver für die Bildungs- und Erziehungsarbeit genutzt werden können.

8. Schulungsthemen über Kinderliteratur und die Arbeit mit dem Kinderbuch im Rahmen der Lehrerweiterbildung und der Vortragsreihen in den Pädagogischen Kreiskabinetten, bei Kreislehrerkonferenzen, Elternversammlungen und anderen Veranstaltungen sind nach Absprache mit den Organen für Volksbildung durch Mitarbeiter des Bibliothekswesens zu übernehmen.

9. Gemeinsam mit den Pädagogischen Kreiskabinetten, Fachkommissionen Deutsch und Literatur, führen die Kreisbibliotheken den Erfahrungsaustausch für die Leiter der Schülerbüchereien durch. Zu den Erfahrungsaustauschen sind die Leiter oder Mitarbeiter anderer Bibliotheken, die mit Schülern arbeiten, einzuladen.

10. Nach Absprache mit den Organen für Volksbildung unterstützen die Bibliotheken mit ihren Mitteln Höhepunkte im Schuljahr (z.B. Tag des Kindes).

11. Das Ministerium für Kultur verpflichtet die ihm unterstellten bibliothekarischen Aus- und Weiterbildungseinrichtungen, sich der Aufgaben der polytechnischen Oberschule besonders anzunehmen.

12. Das Ministerium für Kultur verpflichtet die Redaktion der Zeitschrift „Der Bibliothekar“, die jährlich vom Ministerium für Volksbildung herausgegebenen Listen für den Bestandsaufbau der Schülerbüchereien abzudrucken und gute Beispiele der Arbeit mit dem Kinderbuch in den Schulen zu propagieren.

(gez.) Hans Bentzien

Minister für Kultur

(gez.) Prof. Dr. Lemnitz

Minister für Volksbildung

Berlin, den 30.Oktober 1963

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