Maria Filippowna Limanskaja, Bibliothekarin

 

Dieses Bild ist eines, welches den Sieg über Nazideutschland 1945 symbolisiert. Nicht umsonst wurde es (zusammen mit ähnlichen Szenen vor dem Brandenburger Tor) immer wieder reproduziert. Nicht ganz so oft, wie das Bild vom sowjetischen Soldaten, der auf dem Reichstag die Fahne hisst, aber doch oft genug.

Es ist auch sehr leicht zu sehen, wieso: Direkt vor dem Brandenburger Tor, also dem Symbol der Hauptstadt des gerade besiegten Feindes, regelt eine sowjetische Soldatin den Verkehr. Soldatin steht hier auch für einen Abgrenzung zum männlichen Soldatenbild des Dritten Reiches. Den obgleich die Rote Armee, insbesondere unter Stalin, ebenfalls ein vornehmlich männliche Veranstaltung war, mit dem gesamten männlichen Heldenkult etc., galt die Befreiung der Frau als Teil der Fortschrittlichkeit der Sowjetunion. Frauen nahmen an den Kämpfen gegen das Deutsche Reich bekanntlich aktiv Teil, sie waren als Partisaninnen aktiv, auch in kämpfenden Einheiten. Gleichzeitig wurden sie dennoch gerne auf die „weiblicheren Rollen“ verwiesen. Diese Ambivalenz ist nicht wegzudiskutieren. (Zumal auch de US-Army und die Britische Armee Frauen einsetzten, aber mehr noch als die Sowjetunion in „untergeordneten“ Positionen und gleichzeitig einige Frauen direkt und indirekt in Dritten Reich den Krieg mitführten.). In diesem Bild aber haben wir eine Soldatin, bewaffnet und auch ausgebildet, ihre Waffe zu nutzen. Und diese Soldatin übernimmt ihre Aufgabe, um in Berlin wieder ein geordnetes Leben zu ermöglichen. Der Krieg ist vorbei, so wird in diesem Bild dokumentiert, jetzt beginnt sogleich, nahtlos der Aufbau. (Auch hier wissen wir, dass die Geschichte nicht so war. Erst begann in der SBZ ein weiterer Abbau, aber es geht hier um das Bild.).

 

Die Soldatin auf dem Photo ist Maria Filippowna Limanskaja, damals 21 Jahre alt. Sie stammt aus Staraja Poltawka, damals in der „ Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen“, heute (offenbar) im Oblast Wolgograd gelegen. Sie hatte den Krieg in einem Regulierertrupp begleitet, das heißt vor allem den Verkehr geregelt (Was selbstverständlich eine nicht zu verachtende Aufgabe war, wenn sich auch nicht so heldenhafte Geschichten erzählen lassen.).

Nach dem Ende des Krieges kehrte sie nach Staraja Poltawka zurück und wurde dort – deswegen wollte ich es gerne erwähnen – Bibliothekarin. Erst zehn Jahre im Parteikabinett der Kreisleitung der KPdSU, später als Mitarbeiterin in einer Kinderbibliothek. Deswegen wurde sie 1985 auch mit einem (kürzeren) Artikel in Der Bibliothekar (Poljatschek, M. (1985) Der stadnhafte Soldat Maria. Aus dem Leben der Maria Filippowna Limanskaja. In: Der Bibliothekar 39 (1985) 4, S.161-163) vorgestellt. Ein Artikel von 2004 in der Pravda (http://english.pravda.ru/history/13-05-2004/5572-nazism-0/) wird diese Arbeit nicht mehr erwähnt. Dennoch haben wir auf diesem Bild jemand, die den bibliothekarischen Beruf ergriff, obgleich hr Hauptbeitrag zur Weltgeschichte offenbar ein anderer war.

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