Lauf, kleiner Pinguin, lauf

Ja, es ist Streik in Berlin, der ÖPNV liegt quasi flach. Ab Montag – falls die GDL streikt – geht dann gar nichts mehr. Sowas nennt man wohl harte Tarifauseinandersetzung. Zeit also, zuhause zu arbeiten und Dinge zu tun, die man immer mal tun wollte.
Linux aufspielen zum Beispiel.

Die ganze Zeit habe ich eh fast nur nicht-proprietäre Software benutzt: OpenOffice.org, Mozilla, Quintessential Player und so weiter. Und eigentlich sind die Gefahren proprietärer Software oft genug durchdiskutiert worden: Abhängigkeit von einer – egal welcher – Firma und deren Entscheidungen/Erfolgen, keinen wirklichen Einfluss auf das, was die Software macht, keinen Einblick, wie sie funktioniert. Nicht zu vergessen, dass Mircosoft schon immer eine böse Firma war. Warum also sollte mein Betriebssystem proprietär sein? 1.) Weil es schon drauf war, auf dem (neuen) Rechner. 2.) Die Spiele.
Okay, der zweite Grund zieht bei mir. Aber dafür gibt es zum Glück dual-boot, also die Möglichkeit, mit zwei Betriebssystemen zu arbeiten, wenn die nur beide auf die Festplatte passen. Und das tun sie. Und der erste Grund ist wohl reine Faulheit. Ich hab mich in meiner Jugend mit Programmen herumgeschlagen, die auf einem dutzend Disketten geliefert wurden – da wird doch die Installation von Linux nicht so schwer sein können. (Nicht zu vergessen, dass mein erster Rechner – ein KC 85/4 – mit Audiokassetten lief. Also, mitgemacht habe ich bei Rechnern schon genügend.)

Nun, also: es funktioniert, dass Linux. Nicht sofort, den offenbar hat es Samsung geschafft, mit dem Q45 ein Notebook zu bauen, der zwar leicht und stabil ist,schnell läuft, kein Macbook ist (Distinktionsgewinn in jeder Unibibliothek!), das schwarz ist (und nicht weiß), aber das offenbar auch so Windows-affin ist, dass die meisten Linux-Distributionen nicht funktionieren. openSUSE läuft, aber beispielsweise Ubuntu/Kubuntu, Debian und Knoppix nicht. Gerade bei Ubuntu ist das ärgerlich, weil es einen moralisch doch erhebt, wenn man ausgerechnet von Nelson Mandela in der Promo erklärt bekommt, wie wichtig Ubuntu für die Überwindung des digital divide ist. Das Charisma kann openSUSE nicht bieten. (Es gibt da noch einige Kleinigkeiten, die es von Ubuntu unterscheiden, aber die sind nicht so tragisch.)

Ansonsten beginne ich Erfahrungen zu sammeln und ich muss sagen: es fühlt sich tatsächlich freier an, beim Start wählen zu können zwischen Linux und Windows. Und einfach zu wissen, wann das eine besser ist (fast immer) und wann nicht (bei den Treibern und den Spielen). Es erinnert mich an die Zeit, wo wir als Amiganer noch wußten, warum wir niemals einen Windows-PC haben wollten [und auch keinen Atari. Nie. Einen Mac wollten wir haben, wenn wir mal was mit Layout machen würden, aber ansonsten nicht. Der C64 war nich okay, wir nannten ihn kleiner Bruder, auch wenn wir mit ihm nichts anfangen konnten. Aber er gehörte halt zur Familie/Firma]. Einfach, weil es besser geht, weil wir die bessere Grafik und die besseren Programmierungen hatten und weil man ein anderes Gefühl für die Möglichkeiten von Software bekommt, wenn man in sie analysieren und modifizieren kann.

Mein Problem ist jetzt, dass der Streik immer noch läuft und diese Aufgabe gelöst ist.

PS.: Da dies hier ja ein Blog über Bibliotheken ist: Bibliotheken sollten Linux-Rechner benutzen, um den Nutzerinnen und Nutzern zu zeigen, dass es zu jeder Software Alternativen gibt, zwischen denen man sich entscheiden kann. Und dass man für diese Entscheidung Gründe anführen können muss. Denn auch das gehört zur „Informationskompetenz“, wenn man den Begriff einmal ernst nimmt, dazu: zu wissen, was für Hilfsmittel man benutzt.

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