Bibliotheken und Lebenslanges Lernen

Am Freitag, dem 07.03.2008, halte ich – in der ver.di-Bundeszentrale – auf dem Workshop „‚Bibliotheksgesetz‘ – Forderung für unsere Bibliothek der Zukunft – Im Mittelpunkt der Mensch der ver.di-Arbeitsgruppe Archive, Bibliotheken und Dokumentationseinrichtungen ein Impulsreferat. Das Thema wird das Konzept Lebenslanges Lernen und die Öffentliche Bibliothek sein.
Ich bin schon mal gespannt, wie das wird. Angesprochen wurde ich für diesen Vortrag von der Arbeitsgruppe unter anderem, weil ich mich auf der Tagung „Campus der Zukunft“ im letzten Jahr zu Wort gemeldet hatte. Ich kann mich nur noch an wenig erinnern, aber ich weiß noch, dass ich mich wieder einmal nicht zurückhalten konnte und in einer Arbeitsgruppe zum Thema vorschulische Bildung in der Bibliothek einwerfen musste, dass Lesenkönnen nichts anderes ist, als eben Lesenkönnen. Und noch lange nicht ‚Lesekompetenz‘ oder ‚Selbstlernkompetenz‘ oder auch nur ‚funktionale Alphabetisierung‘ und dass deshalb Leseförderung zwar wichtig ist, aber halt nicht alles sein kann, was in der Bibliothek unter dem Label Bildung gemacht werden kann. Letztlich hatte ich also wieder einmal etwas gegen die mißverständliche Nutzung von Buzzwörtern, insbesondere so politische aufgeladenen wie Lesekompetenz.
Und ähnliches werde ich wohl auch zum Lebenslangen Lernen zu sagen haben. Also ungefähr, dass Lebenslanges Lernen nicht heißt, dass ganze Leben über etwas zu lernen, sondern ein umfassendes Konzept darstellt. Diese Sichtweise ist selbstverständlich toll, weil sie mehr Möglichkeiten eröffnet, auf irgendetwas Einfluss zu nehmen: auf die Ziele des Konzeptes, auf die Ausgestaltung des Konzeptes, auf die Umsetzung des Konzeptes, auf die Teile des Konzeptes, die aktiv ignoriert oder abgelehnt werden. Wenn man hingegen Lebenslanges Lernen als eine antropologische Konstante versteht, dann kann man auch nichts anderes tun, als es einfach als gegeben hinzunehmen. Dann ist das aber auch keine politische. gesellschaftliche, pädagogische, bibliothekarische oder irgend einem anderen Aspekt zu diskutierende Frage mehr. Allerdings wird es dann meineserachtens schwierig den aktuell stattfindenden Umbau der Bildungssysteme anders zu interpretieren, den als ziellosen Abbau. Aber ob dieser Workshop der richtige Ort sein wird, um das darzustellen, wird sich noch zeigen.
Andererseits: welcher Ort wäre den sonst geeignet? Immerhin möchte die Arbeitsgruppe ihre Forderungen für ein Bibliotheksgesetz (auf Bundesebene) diskutieren. Auf die dazugehörigen Debatten vielleicht etwas Einfluss nehmen zu können, scheint schon eine zu große Chance darzustellen, als das ich sie hätte ablehnen können.

Die Präsentation für das Referat (in der Vorabversion) gibt es hier als Open Document File und hier als PDF.

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3 responses to “Bibliotheken und Lebenslanges Lernen”

  1. katrin says :

    wie war dein vortrag? konntest du eine spannende diskussion anregen?

  2. Karsten Schuldt says :

    Relativ gut, danke der Nachfrage. Ich denke, dass klar geworden ist, dass Lebenslanges Lernen eine Anforderung an Bildungseinrichtungen (und damit Bibliotheken) stellt, die man annehmen oder ablehnen kann; aber die sich nicht ignorieren lässt und die auch noch lange nicht umgesetzt ist, wenn man immer wieder darauf hinweist, dass in Bibliotheken Medien für Lernprozesse zur Verfügung stehen.
    Inwieweit sich meine Ausführungen in den weiteren Debatten in ver.di zum Bibliotheksgesetz niederschlagen werden … mal sehen. Es wird zumindest weitere Treffen der Arbeitsgruppe geben.

    PS.: Ich find es ja lustig, dass an dem ersten Institut, an dem ich studierte – Bibliothekswissenschaft – nicht so viele Leute angefangen zu haben scheinen, wissenschaftlichen Bloggen, wie an dem zweiten – Gender Studies. Interessante Sache.

  3. katrin says :

    PSS: veilleicht ist es ein kleiner trost, dass ich das blogguniversum über die studierende kennegelernt habe, die sowohl gender studies als auch bibliothekswissenschaft studieren. ;-)

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