Lernbarriere als logische Reaktion

„Die Motivation zu lernen ist eng mit dem Interesse an der Welt verbunden. Lernmotivationen lassen sich als biografisch verwurzelte und in soziale Kontexte eingebundene Handlungsdispositionen definieren. Dies trifft ebenfalls für Lernwiderstände und -barrieren zu. Weiterbildungsabstinenz ist demnach nicht bloß Folge mangelnder Motivation, sondern kann vielmehr als subjektiv logische Reaktion auf Überforderung gesehen werden. Besonders problematisch erscheint die Tatsache, dass das Weiterbildungssystem selber dazu beiträgt, vor allem bildungsbenachteiligte Zielgruppen systematisch auszuschließen, statt sie zu integrieren.“
[Fuchs-Brüninghoff, Elisabeth / Vorbemerkungen. – In: Siebert, Horst ; Jäger, Christiane (Mitarb.) / Lernmotivation und Bildungsbeteiligung. – Bielefeld : W. Bertelsmann, 2006. – (Studientexte für Erwachsenenbildung), S. 7]

Der von Elisabeth Fuchs-Brüninghoff in diesem Zitat für die Erwachsenenbildung angesprochene Zusammenhang, ist auch für die Bibliotheken, welche sich als pro-aktive Bildungseinrichtungen verstehen wollen, wichtig. Die Motivation für eigenständige Lernprozesse muss von den Individuen aufgebracht werden. Das wird sie vor allem dann, wenn sie als subjekt sinnvoll angesehen wird. Und diese subjektive Sinnhaftigkeit ist – insbesondere wenn keine weitere größere Motivation, wie beispielsweise der praktische Zwang zur Weiterbildung zum Erreichen von Karrierezielen – vorrangig geprägt von den bisherigen subjektiven Lernerfahrungen. Gleichzeitig prägen diese Lernerfahrungen die Wahrnehmung von tatsächlichen und imaginierten Barrieren. So kann es für Individuen sehr sinnhaft sein, nicht zu lernen. Jedwede Bildungseinrichtung, die mehr anbieten will, als einfach nur Lernmedien bereitzustellen, muss sich dieser subjektiven Ebene bei den Individuen, die sie ansprechen will, bewusst sein. Lernmotivation ist nicht per se vorhanden, schon gar nicht in einer Einrichtung, die man freiwillig aufsuchen oder nicht aufsuchen kann.
Gleichzeitig weißt Horst Siebert in dem Buch, aus dem das Zitat stammt, sehr richtig darauf hin, dass Lernmotivation alleine noch keine Lernaktivität hervorbringt. Die Frage nach der Beteiligung und Nicht-Beteiligung an Bildung wird von ihm weit komplexer erläutert.

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