Der gap zwischen Evaluation und Nutzung

Margit Stamm bearbeitete in ihrer Promotion das Themenfeld Bildungsevalution. (Stamm, Margit (2003) / Evaluation und ihre Folgen für die Bildung : Eine unterschätzte pädagogische Herausforderung. – Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2003 – [Internationale Hochschulschriften ; 419]) Im empirischen Teil untersuchte sie dazu anhand von insgesamt 18 in der Deutschschweiz in den 1990er Jahren erstellten Evaluationen im Bildungsbereich, wie deren Ergebnisse überhaupt genutzt wurden. Bzw. wie Evaluationen aufgebaut und vermittelt werden müssen, damit sie überhaupt als Entscheidungshilfe genutzt werden (können). Eines stellt sie dabei zu Beginn klar: die Idee, dass Evaluationen und deren Ergebnisse direkt zu Änderungen von – in diesem Fall – Bildungspolitik führen würden, ist falsch.
Die Evaluationsnutzungsforschung, welche sich hauptsächlich in den USA als Teil der Wirkungsforschung etabliert hat, und deren Ergebnisse die Grundlage des theoretischen Teils der Arbeit von Stamm bilden, hat demgegenüber festgestellt, dass die Nutzung von Evaluationen immer Teil einer spezifischen Evaluationskultur ist. Diese Evaluationskultur beinhaltet neben der eigentlichen Evaluation immer auch die Nutzung und Rezeption der Evaluationen.

Bewusster Umgang mit der politischen Dimension [von Evaluation] akzeptiert, dass Evaluation gemäss Definition Probleme nicht lösen, sondern lediglich rationale Entscheidungsgrundlagen auf der Basis wissenschaftlich begründeten Handelns liefern und emotional oder ideologisch geführte Debatten ausgleichen kann. Auf weitere Rezeptions- und Verwertungshandlungen übt sie jedoch kaum grossen Einfluss aus. Um die Verträglichkeit mit rationalen Entscheidungsgrundlagen zu sichern, ist allerdings der Einbezug des Entstehungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhangs von grosser Bedeutung.“ [51]

Auch wenn sie nicht die Wirkungen der PISA-Studien untersucht, auf deren – nun ja – unterschiedlichen und teilweise schwer nachzuvollziehenden Interpretationen und Verwendungen sie hinweist, zeigt sie doch auf, dass mit dem sich etablierenden Paradigma von der Notwendigkeit und grundsätzlich positiven Wirkung von Evaluationen, auf die Bildungsinstitutionen und ähnliche Einrichtungen neue Probleme und Möglichkeiten zukommen. Zudem macht sie zu Recht darauf aufmerksam, dass die Qualität dieses Paradigmenwechsels bislang nicht thematisiert und wahrgenommen wird.

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