Kooperationsvereinbarungen: Aus der Praxis

Kooperationsvereinbarungen zwischen Bibliotheken und Schulen [Beispiel: Vorschlag aus dem NRW-Projekt Bildungspartner Bibliothek und Schule, Beispiel: Kooperationsvereinbarung „Bücherei und Schule“ in Gettorf / Schleswig-Holstein] (im größeren Rahmen auch zwischen Kultusministerien der Länder und den jeweiligen Sektionen des Deutschen Bibliotheksverbandes [Beispiel Thüringen, Beispiel Mecklenburg-Vorpommern]) gelten seit einigen Jahren als ein wichtiges Instrument für eine effiziente bibliothekarische Praxis für Schülerinnen und Schüler. In ihnen soll die Zusammenarbeit der beiden Einrichtungen festgeschrieben werden. So werden mit diesen Vereinbarungen beispielsweise Kontaktlehrerinnen und -lehrer festgelegt. Dies soll zumindest den Bibliotheken Planungssicherheit geben und dazu beitragen, dass die Vermittlung bibliotheksspezifischer Fähigkeiten an die Schülerinnen und Schüler planmäßig (zumeist in Klasse 2., 5. und 8.) erfolgen kann. Was der Gewinn für die einzelnen Schulen sein soll, ist eher unklar. Es wird auf die Unterstützung des Unterrichts durch Medienboxen, bei der Vermittlung von Informations- und Lesekompetenz und der Anreicherung von Unterrichtsmaterialien verwiesen. Und eigentlich sollen Kooperationsvereinbarungen auf der Ebene der einzelnen Bibliothek immer eingebunden sein in größere Projekte und der Ausrichtung von Bestand und Bibliotheksarbeit auf die Zielgruppe der Schülerinnen und Schüler. Wobei auch bislang die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bibliotheken immer möglich war und in vielen Einzelfällen kontinuierlich funktionierte.
Angelika Hohm von der Regionalbibliothek Neubrandenburg / Mecklenburg-Vorpommern informiert nun in einem Beitrag in der aktuellen BuB [Hohm, Angelika (2007) / Die Zusammenarbeit mit Schulen holpert : Erfahrung der Regionalbibliothek Neubrandenburg. – In: BuB, 59 (2007) S.696-670] über die Realität einer Bibliothek, die sich auf Grundlage solcher Kooperationsvereinbarungen auf die Zusammenarbeit mit den Schulen der Stadt ausrichtete. Obwohl sie der Zusammenarbeit nicht entsagen möchte und die Aufstellung des Bestandes nach Schulfächern, die mit dieser Zusammenarbeit einherging, als erfolgreich beschreibt, berichtet sie doch von großen Schwierigkeiten:

  • 2005, nach der Unterzeichnung, funktionierten die getroffenen Vereinbarungen, anschließend immer weniger.
  • Die Kontaktlehrer sind ausschließlich für das Fach Deutsch zuständig und haben keinen Einfluss auf die Gestaltung des Unterrichts durch ihre Kolleginnen und Kollegen.
  • Der immer flexibler gehandhabte Einsatz von Lehrkräften, die zumindest in Neubrandenburg täglichen zwischen den einzelnen Schulen hin- und herwechseln, macht die Konzeption eines mindestens 90-minütigen Unterrichts in der Bibliothek schwierig, nahezu unmöglich.
  • Die Disziplin der Schülerinnen und Schüler sei nicht unbedingt geeignet, mit nur einer Aufsichtsperson in die Bibliothek zu gehen.
  • Die Schülerinnen und Schüler beklagen zudem, dass sie sich selber wenig mit „ihrer Schule“ identifizieren und deshalb auch schwierig durch solche Angebote zu erreichen seien.
  • Die Kontakte mit den Lehrkräften gestalten sich schwierig, obwohl die Bibliothekarinnen Lehrerkonferenzen besuchen konnten.
  • Problem ist auch die soziale Situation der Schülerinnen und Schüler, die beispielsweise den Kauf von Busfahrkarten für den Bibliotheksbesuch schwierig macht.

Gegen das Verständnis von der Bibliothek als Ort für eine möglichst breite Bildung spricht, dass das Lehrpersonal, mit dem die Bibliothek in Kontakt kam, von der Bibliothek offenbar hauptsächlich erwartete, dabei zu helfen, dass Schülerinnen und Schüler den „Spaß beim Lesen und [für] Bücher […] entdecken“. Eine umfassende Vorstellung von Bildung ist dies ebenso wenig, wie es viel mit der Vermittlung einer wie auch immer verstandenen Informations- und Medienkompetenz zu tun hat. Eher scheint es, als würden Deutschlehrerinnen und -lehrer die Bibliothek trotz Kooperationsvereinbarung hauptsächlich als Ort der Bücher wahrnehmen.
Über die konkrete Ausgestaltung der trotzdem in der Bibliothek durchgeführten Veranstaltungen mit Schülerinnen und Schülern – und somit auch möglichen Problemen dieser – berichtet die Autorin in ihrem Artikel nicht.
Trotzdem bezeichnet Hohm Kooperationsvereinbarungen als „gute Arbeitsgrundlagen in der Zusammenarbeit von Bibliothek und Schule“, welche allerdings überarbeitet werden müsse.

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