Archive | Oktober 2007

Mehr kann eine Bibliothek als solche nicht leisten

Zugegeben, ich bin etwas spät damit dran, dass Buch der werten ehemaligen Mitstudierenden Ben Kaden und Maxi Kindling zur Sozialen Bibliotheksarbeit zu lesen. [Kaden, Ben ; Kindling, Maxi [Hrsg.] (2007) / Zugang für alle : Soziale Bibliotheksarbeit in Deutschland. – Berlin : BibSpider, 2007] Veröffentlicht ist es ja schon eine Weile. Aber so spielt das Leben.
Das Thema ist unbestritten wichtig und es wäre insgesamt mehr, als nur dieses eine Überblickswerk notwendig. Dann würde man vielleicht auch einmal davon wegkommen können, Theorie und Praxisbeispiele ständig ohne größeren Zusammenhang in einem Werk abzuhandeln. Nicht zuletzt können die besprochenen Bereiche der Bibliotheksarbeit in nur einem Werk ja auch immer nur angerissen werden, obwohl sie alle eine tiefergehende Beschäftigung bedürften. Aber ich möchte das Werk – zumindest jetzt – hier gar nicht besprechen. (Auch wenn es mich in einigen Punkten irritierte. Irgendwie scheinen die Gedanken zur gesellschaftlichen Aufgabe einer sozialen Bibliotheksarbeit, die 1982 im Grundlagenwerk von Hugo Ernst Käufer und 1980 im Werk von Fred Karl, noch eine bedeutende Rolle spielten, 2007 vollkommen irrelevant geworden zu sein.)

Ich möchte stattdessen folgendes Zitat aus der Einleitung der beide Herausgebenden [S. 13-33] anführen:

Bibliotheksarbeit ist keine Sozialarbeit. Bibliotheksarbeit verfolgt das Ziel, Zugangsmöglichkeiten zu publizierter Information für alle Mitglieder einer Gemeinschaft einzuräumen, wobei unter Umständen auch die Vermittlung von Kompetenzen zur Partizipation an den gesellschaftlichen Kommunikationsprozesse eingeschlossen ist. Dies ist der Inhalt von Bibliotheksarbeit, die der Öffentlichkeit dient.
Mehr kann die Bibliothek als solche nicht leisten. […]
Die Bibliothek kann aufgrund ihrer Funktion, Zugang zu und unter anderem auch für Bildungsprozesse relevante Informationen zu bieten, d.h. also bildungsunterstützend wirken. Eine Bildungseinrichtung ist sie jedoch nicht. [32f.]

Dies ist keine unverbreitete Position, nur findet man sie selten ausgesprochen, bzw. zitierfähig vorliegen. Deshalb finde ich es mutig, dass auch einmal öffentlich kundzutun. Immerhin steht es im Gegensatz zu zahlreichen anderslautenden Verlautbarungen aus dem Bibliotheksbereich.
Selbstverständlich würde ich der Aussage widersprechen. Zumindest würde ich sie einschränken. Bibliotheken können mehr sein, als Einrichtungen, die Medien für Bildungsprozesse anbieten. Es kommt darauf an, was man unter Bildung versteht, wie man die Aufgaben von Bibliotheken definiert und wie diese Vorstellungen vor Ort, in der einzelnen Bibliothek umgesetzt werden. Ob diese Möglichkeiten genutzt werden, ist eine andere Frage. Was allerdings richtig ist und in der gesamten Einleitung von Kaden/Kindling mitschwingt, ist der Hinweis, dass Bibliotheksarbeit immer Grenzen hat und das Bibliotheksarbeit nicht von sich aus schon positive Effekte zeitigt.

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Mit Punkten Bildungspolitik machen, Nachtrag

Meine kurze Besprechung des Bildungsmonitors der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hier im Blog, findet sich auch ab Morgen (15.10.2007) auch noch einmal allgemeiner geschrieben, redaktionell bearbeitet und gedruckt in einem Artikel in der Zweiwochenschrift Das Blättchen, 21/2007, S.11-13.

(Tagebuchfunktion VIII) Law and prison library

So You Want to Become a Prison Librarian? ist eine Präsentation des Wisconsin Department of Correction, wie in LISNews berichtet wird. In der aktuellen Ausgabe von Libvibe gibt es dazu auch ein Interview, mit der schönen Funktionbestimmung, dass die Gefangenen „for some reason“ im Gefängnis wären und die Bibliothek die Aufgabe hätte, ihnen zu helfen, ihr Leben zu verändern.
[Zu den aktuellen Entwicklung in österreichischen Gefängnisbibliotheken siehe übrigens die Diplomarbeit Bibliotheken in österreichischen Justizanstalten von Verena Kern. Für Deutschland die AG Gefangenenbüchereien des Bibliotheksverbandes.]

Zum Thema Nutzer- und Nutzerinneninteressen gerade aktuell ist aber wohl folgender Track von Papoose, einer der großen Hoffnungen des zeitgenössischen HipHop aus New York: Law Library Pt.4 [via Palms Out Sounds, vom Mixtape Already A Legend] Das – ähm – stellt den bibliothekarischen Vorstellungen doch eine andere Sicht entgegen. Part 1-3 habe ich jetzt noch nicht entdeckt, aber sie werden ähnlichen Inhalt haben. Aber immerhin: Library im Titel.

Themen des Konzeptes Lebenslanges Lernen

Die grundsätzlichen Debatten in der Bildungspolitik drehen sich heute nahezu immer um Lebenslanges Lernen (groß geschrieben, weil es ein Konzept darstellt und nicht die Plattitüde, dass alle schon immer lernen würden). Wenn man sich nun fragt, ob Bibliotheken Bildungseffekte haben, kommt man um die Darstellung und Diskussion dieses Konzeptes nicht herum. Hier einmal ohne große Worte eine graphische Zusammenfassung (Arbeitsfassung) des betreffenden Kapitels in meiner Promotion.

Inwieweit Öffentliche Bibliotheken mit diesem Konzept etwas zu tun haben (können), wird Teil eines anderen Kapitels sein.