Ist Lesenlernen die einzige Bildung?

Die Büchereizentrale Schleswig-Holstein hat mit anderen Einrichtungen unlängst einen Fragebogen zur Zusammenarbeit von Schul- und Öffentlichen Bibliotheken verschickt. Die aus diesem Fragebogen gewonnenen Daten sollen nach dem Rücklauf weiter zur Verfügung gestellt werden. Das ist ohne Frage zu begrüßen. Einerseits existieren in Deutschland einfach keine Daten zu Schulbibliotheken, die irgendwie belastbar wären. (Für Berlin verweise ich einmal auf meine Magisterarbeit. Aber belastbar sind die dortigen Angaben auch nicht wirklich.)
Außerdem scheint es eh eine schlechte Angewohnheit zu sein, dass die Daten der wenigen Umfragen in und über Bibliotheken nicht in ihrer Gesamtheit der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, obwohl es dafür technisch keine Gründe mehr geben dürfte.
Der erste Teil der Umfrage ist geeignet, einmal die wichtigsten Daten über Schulbibliotheken zumindest in Schleswig-Holstein zu erfahren: Ausstattung, Bestand, Bestandsaufbau, das Verhältnis Bestand zur Größe der Schule und Schulart, Nutzung der Bibliotheken, Öffnungszeiten, Etat (auch wenn in der abgefragten Form gleich eine Grundlage für Missverständnisse gelegt wurde. Es ist nicht klar, auf welchen Zeitraum sie sich bezieht.) Wieder einmal nicht gefragt wird, welche anderen Projekte/Sonderräume/Kooperationen neben den Schulbibliotheken in den Schulen existieren, obwohl das ebenfalls einen interessanten Einblick in die Stellung und Bewertung von Schulbibliotheken liefern könnte.
Was allerdings Fragen aufwirft, ist der weitergehende Abschnitt. Es wird dort einzig und alleine abgefragt, wie es mit der Leseförderung bestellt ist. „Gibt es“, so wird gefragt, „Veranstaltungen und Aktionen zur Leseförderung an Ihrer Schule?“ Angeschlossen ist dem noch eine offene Frage zur weiteren Kooperation von Öffentlichen und Schulbibliotheken.
Ohne jede Frage ist Leseförderung ein wichtiger Bereich der Arbeit von Schulbibliotheken. Doch was ist eigentlich mit all den anderen Vorstellungen geschehen, die sich über die Funktion von Bibliotheken in Schulen in den letzten Jahrzehnten gemacht wurde? Was ist mit der Informationskompetenz, den Library Skills, dem wissenschaftliche Arbeiten, dem Sprachenlernen und so weiter? Warum sollte sich eine Schulbibliothek eigentlich, wenn sie funktioniert, auf die Leseförderung beschränken? Warum haben dann Gymnasien in Berlin prozentual mehr Schulbibliotheken (13,1%), als Grundschulen (5,1%) oder andere Schultypen (0,0%-7,0%)? Doch wohl nicht, weil gerade dort Leseförderung betrieben werden müsste.
Insoweit sind die Ergebnisse der Auswertung mit Spannung zu erwarten. Aber ein umfassendes Bild der Arbeit von Schulbibliotheken werden sie nicht vermitteln können. Doch auf der Grundlage der dann hoffentlich vorliegenden Daten können weiter gefasste Untersuchungen tatsächlich besser durchgeführt werden.

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