Kitengesa Library

Es gibt eine Tendenz im Bibliotheksbereich, wenn man von internationalen Beispielen spricht, gerade im Bereich Öffentliche Bibliotheken, fast immer in die gleichen Länder zu schauen: USA, Großbritannien, die skandinavischen Staaten. Das deprimiert schnell. Dortz gibt es Bibliotheksgesetze, Innovationen in großer Zahl, Geld, Schulbibliothekssysteme; in Deutschland nicht. Aber die Welt ist bekanntlich größer und einige Ansätze in anderen Staaten können auch interessant sein.

Valeda Frances Dent – zugegeben Bibliothekarin in den USA, genauer am Hunter College in New York – berichtet über ein Projekt in einer kleinen Stadt in Uganda. [Dent, Valeda Frances (2006) / Modelling the rural community library : Characteristics of the Kitengesa Library in rural Uganda. – In: New Library World 107 (2006) Nr. 1220/1221, S. 16-30] In dieser gab es bis vor kurzem kein fließendes Wasser, keinen Strom, aber seit 1999 wurde dort vom örtlichen Schuldirektor, Freiwilligen und einem Professor des Hunter Colleges eine Schul- und Öffentliche Bibliothek aufgebaut, die von Dent als Community Library beschrieben wird.

Community Libraries, so übernimmt sie die Definiton von Elaine Kempson, legen (1) ihren Schwerpunkt nicht unbedingt auf gedruckte Materialien, sondern auf die Informationswege, die in der jeweiligen Community allgemein genutzt werden, sind (2) in der Community verankert, bestenfalls durch Menschen, die dieser selber angehören und deshalb eine starke Vertrauensbasis haben und sehen (3) ihre Aufgabe vor allem im Transfer von Informationen "both to and from the local community" [p18]. Dieser Fokus auf die Community verändert, bezog auf das "europäische Modell" von Öffentlichen Bibliotheken, die Wahrnehmung der Bibliothek, ihre Zielsetzung, ihren Aufbau und vor allem alltägliche Arbeit. So legt Dent großen Wert auf die Rolle des Bibliothekspersonals, während die konkreten Medien in den Hintergrund treten. Die Vermittlung von Informationen und die Transformation von Wissen stellt gänzlich andere Anforderungen, als die Verwaltung von Medien und der Vermittlung des Zugangs zu diesen.

Gleichwohl hat die von Dent beschriebene Bibliothek Bildungseffekte. Auch wenn diese nicht einfach quantifiziert werden können, lassen sie sich doch feststellen. Der Einrichtung der Bibliothek gingen unterschiedlichen Vorstudien (Fokusgruppengespräche, Interviews, door-to-door visits) in der Community voraus, so dass heute, wo das Projekt wissenschaftlich weiter begleitet wird, diese Effekte nachgewiesen werden können.

Zu lernen sind aus diesem Beispiel zwei Dinge, die wieder einmal banal klingen, nichtsdestotrotz wichtig sind: (1) Das die Bedeutung und das Selbstbild von Bibliotheken offenbar von den gesellschaftlichen und sozialen Umständen bestimmt sein muss, damit sie wirklich funktionieren kann. und (2) das eine längerfristige Betrachtung der Arbeit einer Bibliothek den Nachweis ihrer Effekte erleichtert.

Projekthomepage: kitengesalibrary.org

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