Bildung vs. Spaß

Ed D’Angelo hat eine Polemik zum Zustand US-amerikanischer Public Libraries geschrieben: Barbarians at the Gates of the Public Library. [D’Angelo, Ed (2006) / Barbarians at the Gates of the Public Library : How Postmodern Consumer Capitalism Threatens Democracy, Civil Education and the Public Good. Duluth, Minnesota : Library Juice Press, LJP, 2006] Eine Polemik halt; vieles ist überzeichnet, fast alles undifferenziert, einiges falsch und den Sinn, dem man zustimmen könnte, muss man lange suchen. Dafür gibt es hier und da treffende Beobachtungen.
Grundthese D’Angelos ist, dass die moderne Form des Kapitalismus, die er – warum auch immer – als postmodernen Kapitalismus beschreibt und für die er die cultural studies zur ideologischen Untermauerung erklärt, die Funktion der Öffentlichen Bibliotheken zerstören würde. Genauer versteht er den postmoderne Kapitalismus als radikale Unterordnung unter den subjektiven Willen der consumer. Er meint damit nicht unbedingt Marktforschung. Er meint die Ersetzung von citizen, also selbstbewussten, gebildeten und demokratisch engagierten Bürgerinnen und Bürger durch consumer, deren Lebensziel in der Befriedigung ihrer direkten Bedürfnisse liegt. Öffentliche Bibliotheken nun, dies sich diesem Trend anpassen und sich beispielsweise mehr an „large bookstores“ und weniger an Bildungseinrichtungen orientieren, die Coffeeshops einrichten, die sich auf beim Bestandsaufbau darauf versteifen, „gut gehende“ Medien einzuwerben und nicht solche, die nach gesellschaftlichen Interessen „gut“ sind oder zur Bildung beitragen, folgen seiner Meinung nach diesem Trend und verzichten auf diese Weise auf die Funktion einer public library als kultureller und demokratisierender Institution.

For example, circulation mirrors sales. Both circulation and sales can be easily measured in quantitative terms. But if democracy and an enlightened citizenry were the goals of the public library, then we would measure success not merely by how many items we circulate, but by how many readers we have helped to become better citizens. That in turn depends on the quality and diversity of material we circulate as well as their number and highlights the need for professional judgement in collection development. In fact, the decline of qualitative measures of success at the national level reflects the rise of consumer capitalism during the postwar years and the decline of the ideal of the democratic nation state. As we will see later this decline culminates in the 1990s with the rise of neoliberalism and the notion of a market democracy in which the consumer replaces the citizen as the primary agent of “democracy” or of what is being called democracy. [9]

Ganz so gradlinig macht er’s nicht, wie in seiner Antwort auf eine Review bei seinem Verlag Library Juice nachzulesen ist. Aber ungefähr. Einen Hang zum Kulturpessimismus kann er nicht unterdrücken. Und der war schon immer relativ blind für mögliche positive oder zumindest ambivalente Wirkungen von gesellschaftlichen Entwicklungen.
Dennoch, eine Anmerkung ist wichtig im Bezug auf die Bildungseffekte von Öffentlichen Bibliotheken. Sie richtet sich auf ein Missverständnis, dass D’Angelo für relativ bezeichnend hält:die Gleichsetzung von Informationsvermittlung, bzw. der Medienausleihe und Bildung.

Education and edification do not necessarily exclude pleasure. Pleasure is necessarily a part of education insofar as education makes higher levels of pleasure and the pleasureable consumption of information possible. We consume education and we are pleasured by it. But it is possible to consume information without being educated or edified. [27]

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