Software für die Promotion

Wenn ich meine Promotion schon einigermaßen öffentliche produziere, dann sollte sie auch mit öffentlich zugänglichen Mitteln erarbeitet werden. So ist zumindest meine Überzeugung.
Nichts gegen kommerzielle Software im Allgemeinen. Auch in ihre steckt harte Arbeit und gerade für Nichtstandardanwendungen ist sie oft notwendig. Dennoch ist es unbestreitbar eine weitere Barriere, wenn professionelle Software, welche für wissenschaftliche Arbeit benutzt werden muss, Geld kostet – und zwar nicht unbedingt wenig. Es ist schon schwierig, dass viele Wissenschaften – eigentlich alle Naturwissenschaften, aber auch die Musikwissenschaft, wenn ich das recht verstanden habe – Räume, Infrastruktur oder Mittel voraussetzen (Labore, Musikinstrumente, technische Anlagen etc.), welche nicht mehr oder zumindest nur sehr selten privat zu finanzieren sind. Dass heißt, dass die Institutionen, welche über die Mittel verfügen letztlich eine weitere Kontroll- und damit Machtfunktion erhalten. Dafür gibt es Gründe, einige sind sogar sehr gut. (Beispielsweise der eingeschränkte Zugang zu Chemikalien). Aber es erscheint mir doch weder für mich persönlich noch gesellschaftlich sinnvoll, gerade in den Geisteswissenschaften, die solche Infrastrukturen (neben den von den Bibliotheken getragenen) nicht benötigen, ökonomische Barrieren zu errichten. Bekanntlich sind gerade Studierende und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler oft in einer mehr als prekären finanziellen Situation.
Okay, dass als langes Vorwort. Ich versuche meine Promotion nicht nur mit der Hilfe von Web2.0-Angeboten zu erarbeiten, sondern auch bei der „stationäre“ Software, soweit möglich, auf kommerzielle Programme zu verzichten und vorrangig Open Source Produkte einzusetzen. Über die Erfahrungen mit diesen werde ich dann wohl ebenfalls berichten. Erstmal eine Übersicht zu de bisher genutzten Programmen:

  • Open Office. Ein Klassiker, ersetzt das gesamte Office-Paket von Microsoft (Word, Powerpoint, Excel, Access), zumindest theoretisch. Die Programme selber (Writer, Draw, Impress, Base etc.) arbeiten gut zusammen, die Grundfunktionen sind auch nicht zu bemängeln (zumindest in der aktuellen Version). Schwierig sind kleine Sonderfunktionen, die man beim jahrelangen Arbeiten mit Word und Powerpoint erlernt hat. Die stehen bei Openoffice zumeist an anderer Stelle oder funktionieren erstaunlich anders. Zudem gibt es von Zeit zu Zeit Probleme mit der Formatierung in die Quasi-Standard-Formate von Microsoft. (Die man aber benötigt. Schließlich sind die meisten anderen Rechner der Welt mit Microsoft-Produkten ausgestattet.) Open Office hat mir schon mehrmals Probleme bereitet, aber ich denke erstens ist das beim Microsoft-Office-Paket nicht anders und zweitens sind das oft Anfangsprobleme.
  • Bibliographix. Literaturverwaltung. Mit diesem Programm lassen sich die Literaturstellen mitsamt Zitaten und den Ideen zu den einzelnen Literaturstellen verwalten, recherchieren und besser nutzen, als wenn das per Hand gemacht wird. Das Programm selber wird von der in Basic-Version kostenlos angeboten. Man kann auch Geld bezahlen, dann bietet das Programm einige Funktionen mehr (z.B. die Ausgabe der Literaturstellen) und funktioniert offenbar auch schneller. Es arbeitet nicht wirklich perfekt (was aber vielleicht auch an meinem Rechner liegt). So lassen sich die elektronisch vorliegenden Texte nicht wirklich mit den dazugehörigen Literaturstellen verbinden, beispielsweise. Ob das Programm tatsächlich die Arbeit in Gruppen erleichtert, mag ich nicht zu sagen. Es wird zumindest behauptet. Und die zur Verfügung stehenden Felder für die einzelnen Angaben werden Menschen mit starker Affinität zur RAK-WB oder AACR2 öfter den Kopf schütteln lassen. Aber im Großen und Ganzen ein nützliches Programm, dass auch bei einigen hundert Literaturangaben nicht schlapp macht.
  • Freemind. Reines Open Source Mindmap Programm. Erstellt und verwaltet Mindmaps, ermöglicht, dass durch sie gescrollt werden kann und gibt sie, wenn gewünscht, in verschiedenen Formaten aus. Theoretisch lassen sich sogar navigierbare Mindmaps direkt fürs Internet erstellen, aber so richtig funktioniert gerade das nicht. Ansonsten ohne Frage praktisch.
  • R. Statistikprogramm. Alle Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler, die ich kenne und die sich nicht vor der Statistik drücken (bzw. ihren Forschungsschwerpunkt auf die Theorie gelegt haben), benutzen SPSS. Das können sie, weil sie es an der Uni nutzen. Es ist halt das Standardstatistikprogramm, das unter 1700€ plus 340€ im Jahr nicht zu haben ist. R bietet eine ähnliche Funktionalität, wie SPSS, wenn es auch nicht so durchdesignt aussieht. Ansonsten ist es halt, wie bei jedem Statistikprogramm: für wenn die Statistik bei der Erstellung von Balkengraphiken aus einer Exceltabelle aufhört, der braucht dieses Programm einfach nicht. Ansonsten ist es selbstverständlich unverzichtbar. Wer will schon Median und B-Koeffizient per Hand ausrechnen? In der Normalversion benutzt R noch eine zeilenbasierte Programmsprache, die auch erst einmal gelernt werden muss. Dankeswerterweise existiert aber auch eine graphische Oberfläche (Rcmdr).
  • Internetwerkzeuge. Selbstverständlich benutze ich, damit der Arbeitsprozess einheitlich bleibt, weder den Internetexplorer noch den Adobe-Reader. Beide sind zwar auch frei verfügbare Software, aber schon weil sie von so vielen Menschen benutzt werden, muss man auch mal was anderes probieren. Wobei ich da nicht wirklich kreativ bin. Mozilla Firefox als Browser (allerdings mit zahlreichen Add-ons) und der foxit-Reader in der kostenlosen Variante (welcher tatsächlich schneller und meines Erachtens auch besser zu handhaben ist, als der Adobe-Reader. Auf einen eigenen Feedreader oder die Feedfunktion von Mozilla verzichte ich ehrlich gesagt, weil ich die Arbeit mit Bloglines schätzen gelernt hab. Einfach, weil ich mit Bloglines auch von anderen Rechnern auf meine Quellen zugreifen kann. Obwohl ich zugeben muss, dass sich für den deutschsprachigen Bereich die Anzahl der abonnierten Feeds durch planet.biblioland (hier und hier) radikal reduziert hat.
  • (Ach und die Musik läuft auf dem Quintessential-Player. Aber das ist ja schon wieder eher Arbeitsumfeld.)
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