Thesen zur realistischen Evaluation

Sigmar-Olaf Tergau stellt in seinem Artikel „Realistische Qualitätsevaluation von E-Learning“ (In: Meister, Dorothee M. ; Tergau, Sigmar-Olaf ; Zentel, Peter [Hrsg.] / Evaluation von E-Learning : Zielrichtungen, methodologische Aspekte, Zukunftsperspektiven. – Münster ; New York ; München ; Berlin : Waxmann, 2004. – [Medien in der Wissenschaft ; 25]. – Seite 131-154) 10 Thesen zu „realistischen Evaluationen“ vor. Diese beziehen sich zwar auf E-Learning, vorrangig im akademischen Rahmen, lassen sich allerdings meines Erachtens gut verallgemeinern und zumindest als eine Grundlage für die Evaluation von Bildungseffekten Öffentlicher Bibliotheken verwenden. Vor allem betonen sie die Grenzen und Möglichkeiten von Evaluationen.

  • These 1: Realistische Evaluation heißt, sich der Anforderungen und Rahmenbedingungen bewusst zu sein, unter denen Evaluation durchgeführt wird
  • These 2: Realistische Evaluation heißt, ein adäquates Verständnis von Evaluation zu Grunde zu legen
  • These 3: Realistische Evaluation heißt, ein den Anforderungen entsprechendes Verständnis von Qualität zu Grunde zu legen
  • These 4: Realistische Evaluation heißt, einen den Anforderungen angemessenen Evaluationsansatz zu wählen
  • These 5: Realistische Evaluation heißt, sich der Stärken und Schwächen der eingesetzten Evaluationsmethoden bewusst zu sein
  • These 6: Realistische Evaluation heißt, Wechselwirkungen von Lernvoraussetzungen und Merkmalen des Lernangebots stärker zu berücksichtigen
  • These 7: Realistische Evaluation heißt, die Bedeutung der Lernaktivitäten in den Vordergrund zu rücken
  • These 8: Realistische Evaluation heißt, die Rahmenbedingungen einer Anwendungssituation in die Evaluation einzubeziehen
  • These 9: Realistische Evaluation heißt, die tatsächlich bedeutsamen (lernrelevanten) Bedingungen zu fokussieren
  • These 10: Realistische Evaluation heißt, die Ergebnisse von Evaluation kritisch zu hinterfragen

Reinhard Stockmann (Wirkungsorientierte Programmevaluation : Konzepte und Methode für die Evaluation von E-Learning. – ebenda, Seite 23-42) weißt im selben Sammelwerk darauf hin, dass Evaluation mehrere Aufgaben übernehmen kann:

  • Gewinnung von Erkenntnissen
  • Ausübung von Kontrolle
  • Schaffung von Transparenz für eine Dialog um die evaluierten Projekte
  • Dokumentation des Erfolgs (Legitimation)

Er und andere Autoren des Bandes betonen aber auch, dass Evaluationen gerne als reines Marketinginstrument verstanden werden. Dabei fallen dann zwei wichtige Funktionen von Evaluation fort: einmal zur Verbesserungen der evaluierten Projekte beizutragen und zweitens realistische Erkenntnisse über Wirkungen und Projektverläufe zu gewinnen.
Bei den wenigen im Bereich Öffentlicher Bibliotheken vorliegenden (d.h. dokumentierten) Evaluationen ist das, denke ich, ein wichtiger Hinweis. Zumeist werden sie ja als Argumentationshilfen für Bibliotheken gegenüber den Trägern angepriesen (was ja leider verständliche Hintergründe hat). Aber das Evaluationen verwendet werden, um über die Wirkung von Projekten zu reflektieren? Selten, oder?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s