Schwerpunkt Evaluationsmodelle

Aktuell wollte ich an einer Übersicht zur Nutzung und Wirkung von Öffentlichen Bibliotheken als Bildungseinrichtungen im internationalen Rahmen arbeiten. Ich habe dies erstmal aufgegeben. Dafür sprachen zwei Gründe.
Zum einen war mehr und mehr vorauszusehen, dass diese Übersicht ein weitere Beispielssammlung ohne klaren Anwendungsbereich darstellen würde. Meine Mittel sind sehr begrenzt, praktisch hätte ich nur auf Beispiele zurückgreifen können, die in deutsch, englisch oder französisch dokumentiert sind. Davon gibt es Zahlreiche, vor allem im englisch-sprachigen Bereich. Doch letztlich würde diese Sammlung an der Unbestimmtheit kranken, die leider viele ähnliche Arbeiten im bibliothekarischen Bereich auszeichnet. Es wären nicht genügend Beispiele, um Trends aufzuzeigen, die Repräsentativität der vorgestellten Beispiele zu überprüfen oder um Aussagen über die Innovativität derselben zu machen. Es wären einfach Beispiele ohne größeren theoretischen Rahmen.
Gerade bei vielen Abschlussarbeiten, die an Hochschulen geschrieben werden, finden sich meines Erachtens zahlreiche ähnlicher Beispielsammlungen, die zwar immer wieder wichtige Bereiche der bibliothekarischen Arbeit diskutieren, anschließend Beispiele aus der bibliothekarischen Praxis vorstellen, welche zumeist einzig durch großes Engagement der jeweils involvierten Bibliothekarinnen und Bibliothekare funktionieren. Doch letztlich bleibt bei diesen Beispielsammlungen zumeist vollkommen offen, warum gerade die ausgewählten Beispiele gewählt wurden, ob diese Schlaglichter der allgemeinen Arbeit von Öffentlichen Bibliotheken darstellen, ob sie regional verankerte Lösungsansätze regionaler Probleme darstellen oder ob sie innovativ sind und zur weiteren Umsetzung vorgestellt werden. Das ist dann, trotz aller Arbeit, oft etwas unbefriedigend.
Dabei war die Grundhoffnung, die ich mit dieser Studie verband, dass sich genügend Anwendungen von Öffentlichen Bibliotheken als Bildungseinrichtungen finden lassen würden, um an diesen eine einigermaßen tragfähige Kategorisierung – und sei es nur als Arbeitshypothese – zu formulieren. Dies würde einen Rahmen liefern, in welchem die Aktivitäten in deutschen Bibliotheken hätten verortet werden können.

Der zweite Grund ist, dass immer klarer wird, dass es für für die Frage, welche Bildungseffekte Öffentliche Bibliotheken haben, sinnvoller ist, sich eingehender mit Evaluations- und Messmethoden zu befassen. Dies werde ich die nächsten zwei Monate tun. Das Problem ist, dass sich für den deutschsprachigen Bereich wieder einmal wenige dokumentierte Ansätze finden lassen, welche für Bibliotheken zugeschnitten sind oder gar von Bibliotheken verwendet werden. (Dies heißt nicht, dass nicht undokumentiert Evaluationen unternommen würden.) Auch englisch-sprachig liegen nicht allzu viele Modelle vor, aber immerhin einige. Beispielsweise in Svanhild Aabøs „The Value of Public Libraries“, Sharon Markless‘ und David Streatfields „Evaluating the impact of your Library“ und einer Anzahl von Artikeln.
Eine andere Quelle werden deshalb die in der Bildungsforschung angewandten Modelle darstellen. Dabei geht es mir erst einmal darum, solche Modelle zusammen zu tragen. Erstes Kriterium soll sein, dass sie tatsächlich in der bibliothekarischen oder bildungswissenschaftlichen Praxis benutzt werden. Methoden, die zwar theoretisch ausgearbeitet, aber bisher nicht in diesem Bereich angewandt wurden, möchte ich ausschließen. Nicht, weil sie nicht auch praktisch oder vorteilhaft sein könnten, sondern weil ich mir eine Bewertung allein aufgrund der theoretischen Fassung nicht zutraue. Die gewählten Modelle sollen gesammelt, gruppiert und auf ihre Eignung für den bibliothekarischen Bereich hin untersucht werden.
Wichtig finde ich dabei, dass ich mich nicht schon in dieser Phase auf ein Modell festlege. Eigentlich sollen möglichst viele Modelle erprobt werden. Aber wenn ich Modelle verwerfe, möchte ich das auch begründen können.
Es ist allerdings auch nicht so, dass kanonisierte Evaluationsmethoden für Bildungseffekte in der Erziehungswissenschaft vorliegen würden. Vielmehr ist der Bereich der empirischen Bildungsforschung offenbar ein in der letzten Jahren stark wachsender Bereich, welcher zuvor eher ein Schattendasein führte. Ergebnis dieses Wachstums ist selbstverständlich die Vielzahl der aktuell vorgeschlagenen und der – oft auch projektweise – angewendeten Modelle und Methoden. Zudem werden diese Modelle und Methoden aktuell beständig modifiziert und ergänzt.

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