Archive | März 2007

Zusammenfassung „Der Begriff Bildung als Leerstelle im bibliothekarischen Diskurs“

[Da noch nicht so recht klar ist, ob und wie ich meine Teilstudien veröffentlichen darf, hier zumindest eine Zusammenfassung der Ersten.]

Ausgangspunkt war die Frage, welchem Bildungsbegriff Bibliotheken folgen. Es konnte aber bei der Durchsicht der wichtigsten bibliothekarischen Zeitschriften seit 1998 (Beginn der Abwicklung des Deutschen Bibliotheksinstituts) kein solcher Bildungsbegriff bestimmt werden.
Allgemein wird in der Studie bestritten, dass auf Grundlage der vorliegenden Forschungen eine einfache Gleichsetzung von Bildung und Bibliotheken möglich ist. Es wird zudem Einspruch erhoben gegen die nicht diskutierte Inanspruchnahme politischer und erziehungswissenschaftlicher Debatten, wie die um die PISA-Studien oder das Konzept Lebenslangen Lernens. Diese einfach auf Bibliotheken anzuwenden, so die Argumentation, ignoriert die Aussagen dieser Debatten, Forschungen und Konzepte und zeichnet ein falsches Bild der praktischen und potentiellen Möglichkeiten von Bibliotheken, sowie der tatsächlich geleisteten Arbeit.
Deshalb wurde in der Studie nachgezeichnet, welche Aspekte eine Diskussion um einen bibliothekarischen Bildungsbegriff umfassen müsste und welche gesellschaftlichen Faktoren bei solchen Diskussionen beachtet werden müssten.
Die besprochenen Aspekte der bibliothekarischen Praxis sind:

  • Zielgruppenbestimmung bibliothekarischer Arbeit
  • Bestandsaufbau und Bestandspflege
  • Die bibliothekarische Aus- und Weiterbildung
  • Die Evaluation von Bildungseffekten
  • Die politische Vertretung von Bibliotheken

Die zu beachtenden gesellschaftlichen Faktoren sind mindestens:

  • Alters- und Kohorteneffekte
  • Die individuellen und strukturellen Bildungsvoraussetzungen
  • Schichtspezifische Unterschiede
  • Unterschiede, die sich aus dem Migrationshintergrund von Nutzerinnen und Nutzern ergeben

Schließlich werden drei Grundfragen herausgearbeitet, welche in bibliothekarischen Debatten beantwortet werden müssten, bevor von einer Bildungsvorstellung in der bibliothekarischen Arbeit gesprochen werden könne. Diese seien politische zu führen, würden aber ohne eine wissenschaftliche Unterstützung nicht auskommen.

  • Was ist der Zweck von Öffentlichen Bibliotheken? Sollen sie sozial ausgleichend wirkende Institutionen sein? Oder sollen sie ohne eigenes gesellschaftliches Engagement Bildungsgüter bereitstellen, ohne größeren Einfluss auf die Nutzung derselben?
  • Welche Bildungsaufgaben (und wenn gefordert, welche sozialen Aufgaben) können Öffentliche Bibliotheken überhaupt unter welchen Voraussetzungen erfüllen?
  • Wie lässt sich das Postulat vom engen Zusammenhang zwischen Bibliotheken und Bildung überprüfen?
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Zur Pause

Krankheit, Arbeit und Stress verhinderten gleich zu Anfang, dass dieser Weblog hier geführt wird. Das soll besser werden. Wirklich.
Dennoch ist weiter gearbeitet worden.

Kurz zum Aufbau der Promotion:
Im ersten Jahr soll der theoretischen Rahmen gezeichnet werden. Dazu werden einige Teilstudien durchgeführt, von denen eine fertig ist und sich eine weitere (etwas verspätet) in der Korrekturphase befindet. Im zweiten Jahr sollen Instrumente zur Evaluation des Bildungseffektes von Bibliotheken formuliert und an einzelnen, herausragenden Bespielen getestet werden. Im dritten Jahr dann sollen diese Instrumente „in der Fläche“ (größere Regionen) ausprobiert und zu individuell von Bibliotheken zu Nutzenden weiterentwickelt werden. Das soll beschrieben und im dritten Jahr auch als Text abgeschlossen werden.

Ob jetzt die Teilstudien schon vorher veröffentlicht werden dürfen, wenn sie in de Promotion einfließen, dass muss der Prüfungsausschuss der Fakultät noch entscheiden. Machen werde ich sie trotzdem.
Die erste beschäftigt sich mit dem bibliothekarischen Bildungsbegriff, die zweite mit dem Verhältnis von Öffentlichen Bibliotheken und Sozialer Gerechtigkeit. Die Teilstudie, welche ich gerade begonnen habe, wird sich mit Beispielen bibliothekarischer Bildung in anderen Ländern befassen.
Soweit der Stand.