Öffentliche Bibliotheken haben welches Verhältnis zu anderen Bildungseinrichtungen?

Ein theoretisches Problem, welches mich die ganze Zeit über umtreibt, ist das Verhältnis von Öffentlichen Bibliotheken zu anderen Bildungseinrichtungen. Ich meine damit nicht, wie Bibliotheken beispielsweise mit Schulen oder Museen zusammen arbeiten können. Mir geht es darum, dass andere Bildungseinrichtungen bezogen auf die Frage der Organisation der dort stattfindenen Lernprozesse ein Selbstverstädnis entwickelt haben. Dieses kann ich bisher bei Öffentlichen Bibliotheken nicht bestimmen.
Ich versuche die Frage mal graphisch darzustellen:
(Das ist nur ein Schaubild, ohne empirische Untermauerung und mit stark subjektiver Einteilung. Ich habe auch nur einige Bildungseinrichtungen eingetragen, um die Bandbreite zwischen Schule – Peer-Group und Zoo anzuzeigen. Vollständig ist das gewiss nicht, die Kategorien sind auch nicht operationalisiert.)

Hier in einem der bekannten Dreiecke für die Zeichnung eines Raumes zwischen zwei Faktoren (unterrichtlich/außer-unterrichtlich und organisiert/unorganisiert) dargestellt. Wenn man nun Öffentliche Bibliotheken als Bildungseinrichtungen versteht, wo sind sie in diesem Dreieck einzutragen?
Das sie organisierte Institutionen sind, ist unbestritten. Aber sind die Lernprozesse in ihnen wirklich organisiert? Wenn ja, in welchem Maße? Und sind sie eher unterrichtlich/pädagogisch aufbereitet oder nicht?
Schaubild zwei benutzt ein Faktorendiagramm, wie es Bourdieu so gerne benutzt, um das Problem mit der Variable fremd-/selbstbestimmt zu thematisieren:

Wie sehr sind die Lernprozesse in Öffentlichen Bibliotheken selbstbestimmt?
Diese Fragen scheinen nicht so unrelevant zu sein, wie dies vielleicht auf den ersten Blick erscheint. Wenn Bibliotheken durch den Bestandaufbau und dessen Präsentation, durch die restliche Infrastruktur der jeweiligen Einrichtung (Arbeitsplätze, deren Qualität, Lage, Anzahl, Informationstechnologie, WLAN, Hilfsmittel wie Kopierer, Nachschlagewerke, Einrichtung von Lernzonen) die in ihnen stattfindenen Lernprozesse determinieren, ist es dann richtig, von selbstbestimmten Lernen zu sprechen? Andererseits sind – sieht man von Klassenführungen und Kindergartengruppen ab – die gesamten Bildungsprozesse in Bibliotheken durch die Nutzerinnen und Nutzer selbst motiviert und damit auch selbstbestimmt. Wird das in der Bibliothekspraxis reflektiert? Wie? Oder wieso nicht?
Wenn aber andersherum Öffentliche Bibliotheken in den beiden hier dargestellten Diskursräumen in der Struktur beispielsweise Jugendklubs oder Museen näherstehen, als Schulen, warum sollten sie dann – wie dies heute offenbar stattfindet – vor allem mit Schulen zusammenarbeiten? Warum orientieren sie sich in ihrer Pädagogik – wenn es eine solche gibt – nicht eher an Museen? Wäre das nicht vielleicht auch eine Chance, weil man mit einer gewissen Schulferne auch die Möglichkeit hat, Nutzerinnen und Nutzer mit schlechten Schulerfahrungen für sich zu gewinnen?
Zoos habe ich in beiden Schaubildern als Bildungseinrichtungen eingetragen, um einmal auch eine Einrichtung bedenken zu können, die unbestritten mehrere Aufgaben übernimmt (Freizeit, Bildung, Forschung, Zucht zur Arterhaltung von bedrohten Tierarten). Ich denke, dass Öffentliche Bibliotheken vielleicht ebenfalls besser als Einrichtungen beschrieben werden können, die mehrere Aufgaben übernehmen (Freizeit, Bildung, Informationsvermittlung z.B. für den Mittelstand, Kultur- und Kommunikationsort), anstatt als reine Bildungseinrichtungen.

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