Zusammenfassung „Der Begriff Bildung als Leerstelle im bibliothekarischen Diskurs“

[Da noch nicht so recht klar ist, ob und wie ich meine Teilstudien veröffentlichen darf, hier zumindest eine Zusammenfassung der Ersten.]

Ausgangspunkt war die Frage, welchem Bildungsbegriff Bibliotheken folgen. Es konnte aber bei der Durchsicht der wichtigsten bibliothekarischen Zeitschriften seit 1998 (Beginn der Abwicklung des Deutschen Bibliotheksinstituts) kein solcher Bildungsbegriff bestimmt werden.
Allgemein wird in der Studie bestritten, dass auf Grundlage der vorliegenden Forschungen eine einfache Gleichsetzung von Bildung und Bibliotheken möglich ist. Es wird zudem Einspruch erhoben gegen die nicht diskutierte Inanspruchnahme politischer und erziehungswissenschaftlicher Debatten, wie die um die PISA-Studien oder das Konzept Lebenslangen Lernens. Diese einfach auf Bibliotheken anzuwenden, so die Argumentation, ignoriert die Aussagen dieser Debatten, Forschungen und Konzepte und zeichnet ein falsches Bild der praktischen und potentiellen Möglichkeiten von Bibliotheken, sowie der tatsächlich geleisteten Arbeit.
Deshalb wurde in der Studie nachgezeichnet, welche Aspekte eine Diskussion um einen bibliothekarischen Bildungsbegriff umfassen müsste und welche gesellschaftlichen Faktoren bei solchen Diskussionen beachtet werden müssten.
Die besprochenen Aspekte der bibliothekarischen Praxis sind:

  • Zielgruppenbestimmung bibliothekarischer Arbeit
  • Bestandsaufbau und Bestandspflege
  • Die bibliothekarische Aus- und Weiterbildung
  • Die Evaluation von Bildungseffekten
  • Die politische Vertretung von Bibliotheken

Die zu beachtenden gesellschaftlichen Faktoren sind mindestens:

  • Alters- und Kohorteneffekte
  • Die individuellen und strukturellen Bildungsvoraussetzungen
  • Schichtspezifische Unterschiede
  • Unterschiede, die sich aus dem Migrationshintergrund von Nutzerinnen und Nutzern ergeben

Schließlich werden drei Grundfragen herausgearbeitet, welche in bibliothekarischen Debatten beantwortet werden müssten, bevor von einer Bildungsvorstellung in der bibliothekarischen Arbeit gesprochen werden könne. Diese seien politische zu führen, würden aber ohne eine wissenschaftliche Unterstützung nicht auskommen.

  • Was ist der Zweck von Öffentlichen Bibliotheken? Sollen sie sozial ausgleichend wirkende Institutionen sein? Oder sollen sie ohne eigenes gesellschaftliches Engagement Bildungsgüter bereitstellen, ohne größeren Einfluss auf die Nutzung derselben?
  • Welche Bildungsaufgaben (und wenn gefordert, welche sozialen Aufgaben) können Öffentliche Bibliotheken überhaupt unter welchen Voraussetzungen erfüllen?
  • Wie lässt sich das Postulat vom engen Zusammenhang zwischen Bibliotheken und Bildung überprüfen?
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One response to “Zusammenfassung „Der Begriff Bildung als Leerstelle im bibliothekarischen Diskurs“”

  1. Hans-Christoph Hobohm says :

    Der politische Ansatz über das Postulat einer Kooperation der beiden gesellschaftlichen Bildungsinstanzen nachzudenken ist sicher gut und zielführend. Bei dem Stichwort „Bildung“ denke ich allerdings nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern vor allem auch bildungstheoretisch – als Mitglied der Bildungsnation par Excellenz. Was ist denn mit Schiller, Humboldt, Herbart, Dilthey, Piaget oder auch Heider. Bildungsforschung und Pädagogik haben einige grundlegende Erklärungen, zumindest, warum Bildung nötig ist. Danach entwickeln sich in der Tat Politiken, die man beobachten kann. Die Frage wäre m.E., wo man in der Informationswissenschaft hier Anknüpfungspunkte finden könnte. Könnte Schiller oder Heider informationswissenschaftlich gelesen werden? Ist Ingwersen als Bildungspolitiker interpretierbar? Vielleicht eher Karen Fisher oder Joan Durrance. In der amerikanischen Didaktik gibt es sicher den einen oder anderen Ansatz, hier weiter nachzudenken (vielleicht: Stanley Fish?)

    Viel Erfolg weiterhin

    Hans-Christoph Hobohm

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